Monthly Archives: Juni 2013

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Nachgetreten

In der Stuhlkreisrunde „3 nach 9“  durfte sich dieser Tage Stefan Dettl, Sänger der Gruppe „La Brass Banda“, lang und breit zu seinem Vorentscheidungstrauma äußern. Es war mal wieder eine gewohnt heuchlerische Talk-Inszenierung. Denn während sich Moderator Giovanni di Lorenzo nach Leibeskräften mühte, das ach so ungerechte Endergebnis zu skandalisieren – und dabei von einer geifernden und wohl noch aus der letzten Diskussion dort sitzenden Claudia Roth lautstark unterstützt wurde – versuchte Dettl den Ball halbwegs flach zu halten. Wohl wissend, dass das Radiovoting von seiner Fanbase maßgeblich beeinflusst wurde und auch das Televoting allein nicht vor der ach so ignoranten Jury geschützt hätte. Aber der öffentlich-rechtliche Rundfunk verdreht da ganz gerne mal die Tatsachen. Und auch der bajuwarische Barde konnte es nicht lassen, das Hohelied der (bei der Eurovision verpönten) Live-Musik zu preisen und sein Credo „Wettbewerbe und Musik passen einfach nicht zusammen“ runterzubeten. Na, dann kann er ja froh sein, dass ihm das alles, einschließlich Malmö, erspart blieb. Und uns auch!


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3x dabei – bitte nicht wiederwählen!

Valentina EBU - Augusto Betiulaleer
Der eurovisionaer kann es kaum glauben, doch die erste Song-Contest-Teilnehmerin 2014 steht bereits fest! Wie der Fernseh­sender San Marino TV gestern be­kannt gab, wird Va­lentina Mo­netta zum dritten Mal in Folge den Zwerg­staat beim europäi­schen Wettsingen vertreten. Nun, ganz offensichtlich sind die anderen beiden bisherigen Vertreter des Zwergstaates, Senit und Miodio, mittlerweile ausge­wandert. Und jetzt gibt es ein­fach kei­ne vorzeigbaren Künstler mehr im Land, aber warum gleich in er­neuter Alli­anz mit Ralph Siegel? Hat sich der umtrie­bige Münch­ner mit ei­nem Abo für mehrere Jahre ein­gekauft oder es gab eine Ra­battaktion “3 für 2″?

Foto: EBU / Augusto Betiula


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Eurovisionaer goes Europe

dancing little_fella_dynamics - flickrleer
Yeah, you can dance, you can jive! Das diesjährige DJ-Set „Remixed 2013“ erfreut so manche ESC-Dancing-Queen quer durch Europa! In den letzten Tagen erschienen u.a. in Großbritannien, Irland und Spanien sehr liebe Hinweise auf des eurovisionaers mixerisches Treiben, für die er sich bei den Bloggern ganz herzlich bedanken möchte. Party for everybody!

Foto: little_fella_dynamics / flickr


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Dänemark 2014: Wohin geht die Reise?

5 stadienleer
Statt ewig an Malmö rumzunörgeln, sollte ich mal besser das von Anfang an verkorkste schwedische Eurovisionsjahr abschließen und den Blick nach vorn richten. Ähnlich wie Deutschland anno 2011 hat Dänemark nach dem fulminanten Sieg Emmelie de Forests mit „Only Teardrops“ nun die Qual der Wahl, den eurovisionae­ren Austra­gungsort aus ei­ner Fülle von Be­werbern auszuwählen. Das Spektrum reicht vom seit 2001 hinlänglich be­kannten Par­ken Stadion, einer schmuck­losen Messehalle, zwei Be­tonkästen namens “Boxen” und “Gi­gantium” auf dem plat­ten Land sowie einem ehemali­gen Ge­fängnis. Na, es riecht nach Überra­schung, was sich die Skandi­navier aus dieser Wundertüte her­auspicken mögen, doch eigensinnig wie sie sind, ist zu vermu­ten, dass sie den ESC-Tross in die tiefste Provinz locken wer­den…

Fotos Wikimedia Commons: Freepenguin, Simon Wedege Petersen, Hans Jørn Storgaard Andersen, T-Stonre, mivisiondeeurovision


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Äpfel und Birnen

äpfel birnenleer
Bereits vor einigen Tagen hat die EBU – wohl auch, um den Dampf aus der von vielen Ländern monierten Punktevergabe zu nehmen – stolz die gesplitteten Ergebnisse des 2013-er Contest veröffentlicht. Erstaunlich, denn so schnell war man in der Genfer Zentrale noch nie! Fans des Wettbewerbs lieben Statistiken und versuchen seit der Wiedereinführung der Jurys als Korrektiv des angeblichen Diaspora- und Nachbarschaftsvotings im Jahr 2009 aus den jeweils separierten Wertungstabellen abzulesen, welche unterschiedlichen Vorlieben Zuschauer und Juroren an den Tag legen (und welche Konsequenzen das auf das Endergebnis hat).

Doch anders als bisher wurde 2013 erstmals ein Ranking erstellt, das alle 26 Finalbeiträge in eine Reihenfolge setzte, welche wiederum erst später in die allseits bekannte Punkteskala 1-12 umgerechnet wurde. Ob nun ein Jurymitglied allen Ernstes begründen kann, warum er oder sie ein Lied auf Platz 18 statt auf 23 setzte, mag ernsthaft bezweifelt werden. Auch haarsträubende Wertungsabsurditäten wie z.B. in Italien, wo Rumänien im Televoting zwar gewann, im Finale jedoch nur einen Punkt erhielt und dementsprechend offensichtlich von der Jury durchgereicht wurde, nähren den Verdacht, dass das neue System nicht so ausgewogen ist, wie es vorgibt zu sein.

Das nun publizierte Splitvoting bezieht sich daher auch nur auf die Gesamtrankings beider Sparten (Zuschauer und Preisrichter) und gibt folglich so gut wie überhaupt keinen Aufschluss darüber, wie die Nationen im Einzelnen abgeschnitten haben. Die totale Vernebelung der Ergebnisse ist wohl mittlerweile auch Sinn und Zweck jeder neuen EBU-Regel, folglich hätte sie sich die Pseudo-Transparenz mit der Herausgabe dieser Abrechnung ebenso schenken können.

Foto: pixabay


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Das war’s

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Bereits am Morgen nach dem großen Finale verabschiedet sich Malmö vom Eurovision Song Contest, indem es eiligst alle WE-ARE-ONE-Flaggen einfährt und stolz per Banner auf das nächste Großereignis der Stadt hinweist. Die Ausstellung „24 Spaces“ für nicht-kommerzielle Kunstaktionen (ist das nicht ein Pleonasmus?) trägt den Untertitel „A Cacophony“.  Treffender als mit dieser Losung hätte das diesjährige europäische Wettsingen kaum ausklingen können…

Lag es daran, dass die Schweden nicht nur vieles anders, sondern auch alles besser machen wollten? Einiges hat funktioniert, wie zum Beispiel die Einbindung der Fans, indem SVT sie auf den aus der Not geborenen Stehplätzen zur lebendigen Kulisse werden ließ, die den wunderbaren Catwalk umrahmte. Und den abzuschreiten offensichtlich jeder Künstler vertraglich verpflichtet wurde… Auch die so genannten Postcards – die Filme, die während des Bühnenumbaus zwischen den Auftritten eingespielt werden – waren eine Wohltat, da sie anders als noch in Baku ganz untouristisch und nichtnationalistisch daher kamen und den Fokus auf die Künstler legten.

Doch sonst? Das pompöse und endlos lange Opening mit dem jeweils von Fahnenträgern angeführten Einmarsch der Nationen zur eigens komponierten feierlichen Hymne? Die Eurovision wird endlich zur Gesangsolympiade! Das aber heizt den stets latent vorhandenen Nationalstolz einiger Länder erst recht an und steht im krassen Gegensatz zum angeblich unpolitischen Selbstverständnis der Veranstaltung. Die Moderatorin? Erstmals seit Jahren war sie wieder alleinig für den gesamten Abend verantwortlich. Schwierig jedoch, wenn man sich dann gerade mit ihr als Gastgeberin nicht so richtig anfreunden kann. Die Bühne? Unspektakulär reiht sie sich in die der Vorjahre ein. Ob nun 2013 Projektoren statt LEDs eingesetzt werden, erschließt sich dem unbedarften Zuschauer nicht wirklich. Die Beiträge? Nun gut, dafür können die Schweden bis auf eine Ausnahme nichts. Die Pausenacts? Viel zu viele. Darunter eine selbstverliebte 50er-Jahre Revue der Gastgeber, mit der Resteuropa wohl wenig anfangen konnte, und eine für alle Nicht-Anglomaniacs häufig unkomische Pseudo-EBU-Botschafterin. Und letztlich ein chaotisches Voting, dem wohl nicht nur die oft zitierte finnische Hausfrau nicht immer folgen konnte.

public viewingleer
Schade. Eigentlich mag ich den Song Contest sehr. Und gerade von den eurovisionsverrückten Schweden hatte ich – sagen wir mal – mehr Impulse erwartet. Doch anders als beim geerdeten Rudelgucken in der Malmöer Innenstadt macht das Zuschauen am Fernseher keinen rechten Spaß mehr. Seelenlos ist vielleicht die passendste Beschreibung der 2013-er Ausgabe. Mehr oder weniger routiniert haben die Skandinavier ihre Hausaufgabe heruntergespult und verschämt am nächsten Tag weggeräumt.

Die in diesem Jahr erstmals angewendete selbstgebastelte Startreihenfolge, die 2009 geschehene Wiedereinführung und der seitdem alljährlich wachsende Einfluß der Jurys sowie die immer mehr dem gleichen Muster folgenden Musikbeiträge sind nur einige Beispiele für ein stetig geglättetes und kommerzialisiertes Format, bei dem Marktanteile und Profit, weniger jedoch Experimentierfreude und (skurrile) Eigenart im Vordergrund stehen. Insofern haben die EBU und Schweden als Gastgeber alles richtig gemacht. Und ich träume weiter.

Fotos: eurovisionaer


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