Monthly Archives: September 2013

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Neue Regeln: EBU zieht blank

Rules 2014Es geht also doch! Punkteschiebereien, Abstimmungsabsprachen, Stimmenkauf, schlechte Presse und Fangezeter waren wohl der Grund, dass sich die EBU heute endlich entschloss, das Song-Contest-Regelwerk an einigen Stellen zu überarbeiten. Wie von den Fans schon lange gefordert, soll mehr Transparenz nun plötzlich doch der Schlüssel sein, um Diskussionen über Unregelmäßigkeiten beim Wertungsverfahren ein für alle Mal einzugrenzen. Im Einzelnen handelt es sich jedoch um Änderungen, die hauptsächlich das Juryvoting betreffen:

  • Die Mitglieder der 5-köpfigen nationalen Jurys sollen am 1. Mai 2014 öffentlich benannt werden, zudem müssen die Kommentatoren während der Finalshow die Jurymitglieder namentlich vorstellen. Ebenfalls gilt ab 2014 eine zweijährige Sperre für Juroren – wer also schon einmal 2013 oder 2012 mitgevotet hat, muss nun pausieren (anders als Valentina Monetta).
  • Um die Zusammensetzung der Ergebnisse transparenter zu gestalten, wird im Anschluss an die Show die Wertung eines jeden Jurymitglieds auf eurovision.tv veröffentlicht. Dort werden ebenfalls die sogenannten Splitvotings (reines Jury und reines Televoting) veröffentlicht.
  • Zum guten Schluss soll auf dem bereits genannten offiziellen Onlineportal zusätzlich ein Bereich geschaffen werden, in dem sowohl Jurymitglieder wie auch Zuschauer Wertungsauffälligkeiten melden können.

Die Veröffentlichung aller Ergebnisse ist sicherlich ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ob sich künftig jedoch je Land 5 Musikschaffende finden werden, die ihre Wertung dem Internet-Bashing-Mob zur Verfügung stellen möchten, sei dahingestellt. Mary Roos wird nach den Erfahrungen beim diesjährigen deutschen Vorentscheid wahrscheinlich dankend ablehnen. Und der Televotingstimmenkauf ist über diese Regeländerungen weiterhin möglich. Immerhin versprach Ola Sand, Supervisor des ESC, dass noch einige Ergebnisse des Jahrgangs 2013 untersucht werden und die EBU im Falle des Betrugs die Betreffenden achtkantig vor die Tür setzen reagieren werde.

Grafik: EBU


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Kroaten und Türken wollen nicht mehr

Kurz nachdem die Türkei letzte Woche bestätigt hatte, dass sie 2014 erneut nicht am Eurovision Song Contest teilnehmen wird, gab es nun auch eine Absage aus Kroatien. Angeblich sei man nicht in der Lage, die für eine Teilnahme notwendigen Finanzen aufzubringen. Zudem sei den Kroaten nach eigener Aussage aufgrund der schlechten Platzierungen der jüngsten Vergangenheit wohl auch die Lust vergangen.

Das seit Malmö von der EBU propagierte Credo, alles ein wenig kleiner zu gestalten, scheint damit eine so sicher nicht beabsichtigte Eigendynamik zu entwickeln. Schließlich ist weiterhin offen, ob Bosnien & Herzegowina sowie Portugal, die im Vorjahr pausiert hatten, wieder zurückkehren werden. Und auch hinter Slowenien, Serbien, Bulgarien, Griechenland und Zypern steht wegen mauer Kassen ein dickes Fragezeichen. Kopenhagen darf also keinen neuen Teilnehmerrekord erwarten und die fetten Jahre scheinen vorbei zu sein. Fragt sich nur, wann das zweite Semifinale eingedampft wird. 2014 oder doch erst 2015?


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Tu infelix Austria

austriaIn unserem Nachbarland rumort es gewaltig, nachdem bekannt wurde, dass Conchita Wurst die Alpenrepublik beim Song Contest 2014 vertreten soll. Vordergründig richtet sich die Wut gegen die undemokratische, weil interne Auswahl des ORF und findet seitdem Ausdruck in einer an den zuständigen Intendanten gerichteten Online-Petition bzw. auf dem Facebook-Shitstorm „NEIN zu Conchita Wurst beim Song Contest“. Besonders dort zeigt sich, dass sich die Wutbürgerinnen nicht nur über Alleinentscheidungen aufregen (das hätte sie in vergangenen Jahren ja schon häufiger überschäumen lassen müssen), nein – hauptsächlich wird die Künstlerin in den zahlreichen (anonymen) Postings persönlich angegriffen und beschimpft. Die wiederum kontert auf ihrer eigenen Internetpräsenz:

Gibt es nicht wichtigere Dinge, in die man derart viel Energie stecken könnte? Nämlich FÜR Menschen zu kämpfen, die täglich diskriminiert werden und nicht dagegen. Wie würde es euch gehen, wenn eure Freunde, Verwandten, Kinder, Kollegen usw. auf diese Weise beschimpft werden? Ich bin mir sicher, dass es in eurer näheren Umgebung ebenfalls Menschen gibt, die „anders“ sind. In diesem Sinne kämpfe ich weiterhin GEGEN Diskriminierung und FÜR Toleranz. Denn ich bin davon überzeugt, dass im 21. Jahrhundert wirklich JEDER Mensch das Recht hat, so zu leben, wie er möchte, solange niemand anderer in seiner Freiheit eingeschränkt oder verletzt wird. Und soweit ich weiß, habe ich niemandem weh getan.

Bravo! Damit gehört Frau Wurst bereits ab heute zu den Gewinnerin­nen der noch jun­gen Eurovisi­onssaison 2014.

Foto: Flickr / Boston Public Library


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Es geht um die Wurst

Nach dem Willen des ORF soll die Kunstfigur Conchita Wurst Österreich beim Eurovision Song Contest 2014 vertreten. Die Alpenrepublik verzichtet damit gänzlich auf eine öffentliche Vorauswahl und will sowohl Künstlerin als auch Beitrag nach der in diesem Jahr eher mauen Entscheidungsshow intern nominieren. Frau Wurst, die im – wie man so treffend sagt – „bürgerlichen“ Leben Tom Neuwirth heißt, unternahm bereits 2012 einen Eurovisionsversuch. Damals belegte sie in der österreichischen Vorentscheidung den zweiten Platz hinter den Trackshittaz.

In diesem Jahr tat sie sich bislang weniger musikalisch denn durch ihre Teilnahme an trashigen Reality-Shows hervor. So stöckelte sie bei RTL in „Wild Girls“ durchs wilde Afrika und erlebte zuvor in „Die härtesten Jobs Österreichs“ das Abenteuer ihres Lebens als Arbeiterin in einer Fischfabrik.

Ob die Ösis mit dieser Entscheidung sich und der Eurovision einen Gefallen getan haben, wird sich noch zeigen. Die Formel „Transe mit Bart“ gab es zwar noch nicht und wird daher sicherlich pressewirksam ausgeschlachtet werden können. Andererseits wird der Song Contest leider mal wieder seinem Image als Freakshow gerecht, bei der ernstzunehmende Künstler nicht erwartet werden dürfen. Vieles hängt daher wohl letzten Endes von brauchbarem Songmaterial ab, das der eurovisionaer allerdings im bislang über­schaubaren Re­pertoire von Madame Wurst noch nicht entdecken konnte.


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Wir singen für Dänemark…

…nein, für Deutschland, aber zumindest in Kopenha­gen. Wie der NDR heute bestätigte, findet die deutsche Vorentscheidung 2014 am 13. März in der Lanxess Arena in Köln statt. Bei einer möglichen Kulisse von 18.000 Zuschauern rechnen die Macher offenbar mit großem Fanzuspruch in der queeren Hauptstadt Deutschlands. Karten können ab sofort hier geordert werden, allerdings scheinen die jeweiligen Blöcke nur etappenweise freigegeben zu werden, da eine Vielzahl der Plätze derzeit noch nicht buchbar ist.

Weitere Infos zum Modus und möglichen Teilnehmern folgen demnächst. Wahrscheinlich ist jedoch ein ähnliches Format wie in diesem Jahr, als sich Künstler unterschiedlichster Stilrichtungen zusammenfanden. Lediglich das Wording „Finale“ nährt die alljährliche Erwartung der Fans auf ein deutsches Melodifestivalen mit mehreren Vorrunden.

Übrigens: Ebenfalls heute bestätigten unsere österreichischen Nachbarn ihren Besuch am Öresund. Über Auswahlverfahren und Prozedere möchte man in Wien aber noch keine Auskunft geben. Ist ja auch trotz all der Breaking News, die uns diese Woche ereilten, noch etwas hin.


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Es ist wonderful Kopenhagen!

So schnell kann’s gehen: gestern noch wild spekuliert, heute ist schon alles in Tüten! Soeben gab der dänische TV-Sender DR bekannt, dass der Eurovision Song Contest 2014 am 06., 08. und 10. Mai in Kopenhagen stattfinden wird. Veranstaltungsort ist die B&W Hallerne, eine ehemalige Maschinenhalle auf einem alten Werftgelände. Dieses soll, so die verantwortliche Produzentin Pernille Gaardbo, zu einer Eurovisionsinsel umfunktioniert werden, auf der Fans, Pressevertreter und Offizielle zusammenkommen. Dementsprechend kurz und knapp ist auch der Slogan 2014: „Join us“ (Schließe dich uns an).


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Jetzt geht die Party richtig los

Villa Kunterbunt - Wikimedia jdiemerleer
Mittlerweile ist es (fast) jedes Jahr das Gleiche: Kurz nach dem Gewinn beim Eurovision Song Contest füh­len sich die Verant­wortlichen des Siegerlandes als hätten sie eine überdimensio­nale Arschkarte gezo­gen, denn schon im Sommer beginnt tra­ditionell die Suche nach einem geeigneten Austrag­ungsort für die nächste frühjährliche Sause. Vor Jahr­zehnten nämlich hatte irgendjemand in das mehrere Bände umfassen­de Regelwerk der EBU gekritzelt, dass der Sieger auch den gan­zen Schlamas­sel die Organisati­on des Folge­contests am Hals hat. Punkt! Doch damit macht man sich letztlich in der Genfer Chefetage nicht die Hände schmutzig, sollen das doch die Deppen vor Ort erledi­gen.

Was bis Anfang der 2000er-Jahre mehr oder weniger reibungs­los funktionierte (und selten mal wegen aku­ten Geld­mangels oder wichtiger Feiertage außer Kraft gesetzt wurde), wird in den letzten Jahren ein wenig problemati­scher. Denn seitdem die Eurovision über die Jahre immer ge­waltigere Fanscharen und Horden von Medienvertretern an­zog, ging es nicht mehr dar­um, etwas großzügigere Ver­sammlungsräume im Hinterzimmer einer Vorstadt­kneipe eines Kon­gressgebäudes anzumieten. Mit zu­nehmender Po­pularität wurden Delegationen, Are­nen und Pressezen­tren immer größer, die Aufbauten immer gigantischer und die Probendurchläufe immer länger. Gleicherma­ßen wuchs das Verlangen der Be­sucher nach Desi­gnerunterkünften, einem spektakulär­en Rahmenpro­gramm und diversen ande­ren touristischen Kinkerlitz­chen.

Erstmals haben das die Deutschen 2011 zu spüren bekomm­en, als sie es nach monatelanger Recherche wag­ten, die Eurovisi­on ins provinzielle Düsseldorf zu verfrachten, anstatt den Hof­staat im glamourösen Berlin zu empfangen. Auch in diesem Jahr mussten sich die Verantwortlichen des schwedischen Fern­sehens für das beschauliche Malmö ent­scheiden und nicht für die riesige “Friends Arena” oder das liebge­wonnene “Globen” in Stockholm, das dummerweise schon für die Eishockey-WM gebucht war. Und selbst die strebsamen Aserbaidschaner mussten 2012 erst einmal ge­schwind die Vorstadtslums von Baku dem Boden gleich ma­chen und eine neue Halle bauen, um Europa standesgemäß zu bewirten.

Jetzt haben unsere nördlichen Nachbarn, die sich am 18. Mai noch wie Hulle freuten, den Salat. Im ganzen Staate Dä­nemark ist etwas faul kein Ort auszuma­chen, an dem die Anhänger­schaft über zwei lange Wochen gleichermaßen mon­dän feiern und bequem übernachten kann! Solche Proble­me sprechen sich erfahrungsgemäß schnell rum, und schon zetern alle Fans und Offiziellen – das Hor­rorszenario zugiger Som­merhäuschen im platten Jüt­land vor Augen habend – und fordern mindestens eine Millionenstadt für die Austra­gung ihres Lieblingswettbe­werbs. Bekannterma­ßen hat Däne­mark davon nicht so viele, ei­gentlich nur eine, und auch nur, wenn der gesamte Großraum Kopenhagens dazu gezählt wird. Egal – aber ausge­rechnet dort findet sich nun keine wirkliche Bühne, auf die man die eu­ropäischen Möchtegern­stars stellen könnte. Schnell hatte das seit 2001 ungeliebte “Par­ken-Stadion” abgewunken, wo man es sich wegen solch schriller Extravaganzen wie der Eurovi­sion nicht noch einmal mit seinem großzügigsten Geldgeber, dem FC Ko­penhagen, vergrätzen möchte.

Was also tun, wenn offensichtlich nur hingebungsvolle Fans, nicht aber Entscheider aus Politik und Wirtschaft das Unterneh­men Eurovision unterstützen? Nun, für 2014 wird wohl kaum noch ein Weg um das ländliche Herning herum füh­ren, doch danach sollte das Gewinner-ist-gleich-Ausricht­er-Prinzip schnellstens einge­mottet werden. Was danach kom­men könn­te, macht Olympia mit der Vergabe seiner Spiele vor, zelebriert das Ganze im Rahmen einer bunten Show und profi­tiert so von einer langfristigen Planung. Soll die EBU es doch einfach scham­los nachmachen! Dann können die schönsten Städte und größ­ten Lo­cations Europas auf Wo­chen okkupiert, dicke Beste­chungsgeschenke für Funktio­näre eingesackt und schwindeler­regende Werbeverträge abgeschlossen werden. Der Alp­traum, nach Minsk reisen zu müssen, bliebe allen Betei­ligten erspart und sogar Lissabon und Valetta hät­ten endlich einmal eine Chance!

Foto: Wikimedia / jdiemer


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Oslo!

suppe - flickr wolfgang wildnerDie Dänen kommen offenbar nicht in die Gänge, zumindest wenn es um die Auswahl der Gastgeberstadt 2014 geht. Wie bereits vermeldet, stehen Horsens, Herning und Kopenhagen zur Wahl – Letztere gar mit zwei Veranstaltungsorten. Bei einem Treffen der EBU-Reference-Group am vergangenen Freitag soll nun angeblich die dort erwartete Entscheidung verschoben worden sein, da alle vorhandenen Optionen aus unterschiedlichen Gründen den Anforderungen der EBU nicht genügten. So berichtet es zumindest Charlotte Jensen von eurovisionary.com.

Das Dilemma ist, dass Herning zwar über die modernste Halle verfügt, nicht jedoch über einen internationalen Flughafen und ausreichende Übernachtungsmöglichkeiten, sofern nicht das ca. 100 km entfernte Aarhus mit ins Boot geholt wird. Kopenhagen wiederum deckt die komplette touristische Infrastruktur ab, kann aber nur ein Zelt oder eine alte Maschinenhalle als Austragungsort anbieten, die zudem noch songcontestgerecht umgebaut werden müsste. Gleiches gilt für das Gefängnisareal in Horsens, das noch kein Dach hat und lediglich über Stehplätze – dafür aber ebenfalls über so gut wie keine Hotels verfügt. Da haben sich unsere nördlichen Nachbarn mit dem Emmelie-Sieg ja eine schöne Suppe eingebrockt, die die glamourverwöhnten Fans und Delegationen wohl keinesfalls auslöffeln wollen. Wiederholt sich die vielleicht Eurovisionsgeschichte (denken wir mal an 1980) und trifft sich Europa am 10. Mai 2014 doch ganz woanders? Wozu hat man denn gute skandinavische Freunde, die über erprobte Logistik, wiederverwertbare Kulissen und eine freie Arena quasi um die Ecke verfügen?

Foto: flickr / Wolfgang Wildner


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...