Monthly Archives: März 2014

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Griechenland bleibt auf Sparkurs

Rise Up logo by Dimitris GelbourasWie so oft in den letzten Jahren mussten sich die Griechen mit einer Sparversion ihres nationalen Vorentscheids begnügen, nachdem zuvor lange Zeit unklar, ob der überhaupt zu finanzieren ist. Schließlich liegt im Land der Hellenen unter dem Diktat der EU-Sparbeschlüsse u.a. die öffentlich-rechtliche Fernsehlandschaft zu Boden, nachdem der Staatssender ERT 2013 aufgelöst und das neue Konstrukt NERIT noch nicht wirklich auf Sendung ist. Diese unklare Situation führte dazu, dass Griechenland unlängst erst nach mehrwöchiger Verhandlung mit der EBU einen Startplatz für Kopenhagen erhalten hatte.

Dann jedoch kam das „Oui“ aus Genf und vermutlich floss sofort genug Alkohol „for free“, denn es galt ja auch noch „40 Years in Eurovision“ zu feiern. Wie schon 2013 übernahm der Privatsender MAD TV die Ausrichtung einer back-to-basic Vorentscheidung und versteckte sie auf einem Dienstagabend mit lediglich vier wettbewerbswilligen Interpreten. Doch nicht nur mengenmäßig, auch qualitativ überzeugte das Line-Up wahrscheinlich selbst die Verantwortlichen nicht so ganz, daher schwelgten sie recht ausführlich in den eurovisionären Highlights der letzten vier Dekaden. Und prompt ließ sich auch Despina Vandi, seit Ewigkeiten Wunschvertreterin aller Fanboys in Hellas, kurz für einen Pausenfüller blicken. Gewonnen hat das Dance-Projekt „Freaky Fortune ft. Riskykidd“ mit dem ganz okayen – leider auch schnell entnervenden – Song „Rise up„. Könnte aber – je nach Laune der Jurys – in Kopenhagen ganz gut funktionieren…

Logo: Dimitris Gelbouras


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Elaiza

Is it right | Fight against myself

Elaiza facebook ben wolfElaiza (sprich: Ela-i-sa), das sind drei junge Freundinnen, so unterschiedlich, wie die Instrumente, die sie spielen: Die Sängerin/ Pianistin Ela, Yvonne Grünwald am Akkordeon (von denen sie ganze 15 besitzt) und Kontrabassistin Natalie Plöger. Zusammen verbinden Elaiza Traditionen des osteuropäischen Folk mit modernen Popmelodien zu einer einzigartigen Ohrwurm-Mischung. Neo-Folklore nennt das Trio selbst seinen außergewöhnlichen Roots-Pop-Crossover. Genau wie ihre neue Wahlheimat Berlin lebt auch der facettenreiche Sound Elaizas vom Kontrast und liefert immerzu kreative Energie: Mal melancholisch, mal dramatisch und bittersüß, um im nächsten Moment funkensprühend und mitreißend gute Laune zu verbreiten. Und dass die Gruppe auch ohne die Technik des modernen digitalen Tonstudios authentisch und anspruchsvoll klingt, hat sie 2013 erfolgreich im Rahmen eines „Direct-to-Disc“-Aufnahmeverfahrens demonstriert. Innerhalb dieser besonderen Schallplattenproduktion spielen die Musiker ihre Songs pur ein, ohne die Möglichkeit zu schneiden oder nachzubearbeiten.

Foto: Elaiza Facebook/Ben Wolf

Sie sind die Gewinnerinnen des dem diesjährigen Vorentscheid vorgeschalteten Talent-Wettbewerbs – und da Elaiza ihrem musikalischen Können nach eher in der Profi-Liga spielen, stürzen sich auch gleich die Plattenfirmen drauf. Zugegebenermaßen erbringen gerade diese Neulinge genau den Musik-Mix, den Eurovisionäre so gerne hören. Ein wenig Folklore, eingängiger Pop und eine für Mainstreamer abstruse Instrumentierung. Passt eigentlich alles – aber hat der NDR die Creme-de-la-Creme der deutschen Musikszene so lange zum Mitmachen überredet, um letztlich dann doch Nobodys das Ticket nach Kopenhagen in die Hand zu drücken?


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The Baseballs

Mo Hotta Mo Betta | Goodbye Peggy Sue

The_Baseballs_-_by_René_KeijzerKreischalarm – The Baseballs liefern nicht nur originalgetreuen Rockabilly, in Köln sorgen sie sicherlich ob ihres schmucken Aussehens auch für so manch pochendes Herz der (vorwiegend) männlichen Eurovisionsfans. Die drei Bandmitglieder, Sam aus Reutlingen, Digger aus Rheine im Münsterland und Basti aus Magdeburg, lernten sich in der Gemeinschaftsküche eines Proberaumkomplexes in Berlin kennen und blieben kurzerhand zusammen, um fortan aktuelle Charterfolge in ihren eigenen Sound umzusetzen. Mit Erfolg – quer durch Europa erreichten die Buddies seit ihrer „Umbrella“-Version 2009 hohe Chartnotierungen, und das gar im Mutterland der Popmusik, im Vereinigten Königreich.

Foto: René Keijzer

Ok, optisch sind die Baseballer – mal abgesehen von den öligen Schmachtlocken – bestimmt ein Hingucker. Akustisch jedoch törnt mich der 50er-Jahre-Sound nun gar nicht an. Auch wenn sie sich mittlerweile von ihrem Coversong-Image lösen, zu ausgelutscht erscheint der Versuch, die gute alte Zeit ins Jetzt zu transportieren, gerade weil vieles doch sehr werkgetreu bleibt und eine wirkliche Fusion von Alt und Neu wohl doch nicht angestrebt wird. Also, als hunky male Pin-Ups sicherlich top, musikalisch jedoch wirkt das Ganze so miefig wie ein jahrzehntelang nicht gewaschener Petticoat.


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Madeline Juno

Like Lovers do | Errors

Madeline Juno Pressefoto - CMS Source Universal MusicBlutjung und doch musikalisch längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Ihrer Plattenfirma nach zu urteilen schickt sich die achtzehnjährige Madeline Juno an, die glaubwürdige Stimme einer neuen Generation zu werden. Beide Vorentscheidungssongs sind auf Soundtracks vertreten, „Fuck Ju Goethe“ brachte ihr den Durchbruch in Deutschland und nun ist sie die Stimme in „Pompeii“. An ihrem Erstlingswerk „The Unkown“ bastelte die Newcomerin, die ihre Musik gerne als „Heart-Core“ bezeichnet, über vier Jahre lang.

Foto: CMS Source Universal Music

Tja, das sind die Märchen, die große internationale Plattenfirmen wahr machen. Zweifelsfrei macht Fräulein Juno wunderschöne Musik – wie so viele andere junge Damen ihres Alters weltweit. Dementsprechend schwer ist sie von anderen Singer / Songwriterinnen zu unterscheiden. Das ist ganz niedlich im Rahmen des Eurovision Song Contests, quasi eine zeitgemäße Nicole, die jedoch Gottseidank nicht auch noch vom Frieden der Welt singt. Und doch – warum werde ich das Gefühl nicht los, dass es bei ihrer Vorentscheidungsteilnahme einzig und allein darum geht, das Debütalbum zu promoten? Sorry, das war gemein – aber ehrlich!


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Das Gezeichnete Ich

Weil du da bist | Echo

Das gezeichnete Ich 3 - Bella LieberbergGottfried Benn war offenbar Pate des Berliner Komponisten und Mulitinstrumentalisten, als er schrieb: „Es gibt nur zwei Dinge: Die Leere und das gezeichnete Ich“. Weniger geheimnisvoll ist die Musik des ehemaligen Funke-Leadsängers, der wie schon seine Mitbewerberin MarieMarie Liveerfahrungen durch Tourneen mit den Pet Shop Boys und A-Ha einbringt und sich im Umfeld dieser „Altstars“ einige musikalischen Inspirationen einholte. Damit nicht genug: Festivalluft durfte er auch schon schnuppern! Beim Bundesvision Song Contest vertrat er Brandenburg und erreichte dort mit dem Song „Du, es und ich“ einen respektablen Platz 5. Was damals seinen Bekanntheitsgrad nicht spürbar steigerte, soll nun mit der Teilnahme an der deutschen Vorentscheidung 2014 und der zeitgleichen Veröffentlichung des Albums „Hinter allen Dingen“ nachgeholt werden.

Foto: Bella Lieberberg

Dem Berliner Musiker kann man höchstens vorwerfen, ausgerechnet der abgeschmackten Veronica Ferres eine Rolle in seinem neuesten Video „Weil du da bist“ angeboten zu haben. Doch wahrscheinlich hat ihn irgendein böser Manager dazu belatschert. Davon abgesehen ist sein Auftreten und seine Musik wohltuend unprätentiös, das alleine macht ihn im Umfeld des Eurovision Song Contests zum liebenswerten Exoten. Und vielleicht verhilft gerade das Henry François Funke dem Sänger ohne richtigen Namen zu einem fetten Überraschungserfolg. Mir wäre es sehr recht.


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Oceana

Thank you | All Night

oceana2012, als Deutschland im Halbfinale der Europameisterschaft ausschied, wurde Oceana erstmals dem heimischen Publikum mit der Public-Viewing-Hymne „Endless Summer“ zum Begriff. Der Song wurde im Radio rauf und runter gespielt und letztlich mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Zuvor war die Deutsch-Amerikanerin eher im Ausland zu einer international anerkannten Sängerin gereift und notierte Spitzenplätze in den Hitparaden Russlands, Ungarns und Rumäniens. So viel zu den Propheten im eigenen Land. Mittlerweile hat sich die 32-jährige von den lockeren Gute-Laune-Beats verabschiedet, seitdem sie einige Songs in Los Angeles unter der Regie von Star-Produzent Dre Harris (Alicia Keys, Robin Thicke) aufgenommen hat. Ihre beiden Vorentscheidungsbeiträge gehören dazu. Deren internationale Sounds will sie nach eigenen Worten im Rahmen einer äußerst energiegeladenen Performance dem Kölner Vorentscheidungspublikum am 14. März um die Ohren blasen und sich so vom Mainstream-Europop absetzen.

Foto: Embassy of Sound

Die Songs, die Oceana für deutsche Vorauswahl gemeldet hat, mögen internationalen Maßstäben gerecht werden, ob sie im Rahmen des Song Contests zünden, wird sich zeigen. Ein Liveauftritt ohne Clipästhetik könnte trotz aller choreographischen Vorhaben schnell langweilig und monoton wirken, auch fehlt beiden Beiträgen eine unmittelbar funktionierende Hook. Stardom in Europa und dem Rest der Welt werden daher voraussichtlich nicht reichen, um in der Lanxess-Arena in die zweite Runde einzuziehen…


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Slowenien will nicht…

Slowenien konnte sich ewig nicht entscheiden, ob es denn nun am Song Contest 2014 teilnehmen möchte oder eben nicht, selbst die Meldefrist wurde eigens für die Zaudernden von Ola Sand höchstpersönlich verlängert. Nun aber sind die Alpenländer dabei und tun so, als ob nichts geschehen wäre, denn schon traditionell entschied das Vorentscheidungsformat EMA über den Beitrag aus Ljubljana.

Leider gab unser Liebling Omar Naber, mittlerweile liebgewonnenes Inventar der slowenischen Vorauswahl, dort lediglich einen abgestandenen Rocksong zum Besten und konnte folglich selbst seine eigenen Landsleute nicht mehr überzeugen. In einem absehbaren Superfinale kam es zum Aufeinandertreffen eines mit dem hierzulande seltsam klingenden Namen Muff versehenen äußerst groovigen Ensembles und der seit Ewigkeiten bekannten Tinkara Kovac, die überraschenderweise ihre – Emmelie de Forest sei Dank – Flöte mitgebracht hatte. Und – es ist ein Graus in diesem Jahr – auch die Slowenen entschieden sich gegen einen chancenreichen und zeitgemäßen Titel und für eine possierliche Kopie ewiggleicher Eurovisionsmuster namens „Spet (round and round)“. Mission erfüllt, denn einem möglichen Sieg in Kopenhagen einschließlich der damit verbundenen Pflicht, die Party im Folgejahr zu schmeißen, gehen die klugen und klammen Ex-Jugos so aus dem Weg.


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Schweden-Schlager gefährden Ihre Gesundheit!

Blaue und gelbe Luftballons, Kempe-Kempe-Kempe und Melloschlager bis zum Abwinken. Wieder einmal quälten die erfolgsverwöhnten Schweden ihre Anhänger 2014 durch eine Reihe an Vorrunden und Second-Chance-Absurditäten. Die skandinavische Vorentscheidungsprozedur, mittlerweile zum heimischen Kulturgut wie Knäckebrot und Pippi Langstrumpf gehörend, hatte auch zum gestrigen Finale die seit Jahren gleichen Zutaten aus dem Hut gezaubert. Einzig die trotz Autotuning durchweg schräge Töne produzierende Schar an Teeniestars – offensichtlich ein Tribut an die pubertierende Zuschauerschaft – schien ein neues Showelement aus dem Hause Björkman zu sein. Peinlicherweise wurden gerade die jungen Acts fast ausnahmslos von den eigens befragten internationalen Jurys ignoriert: was blieb, war der Triumph der Alt-Veteranen in der angeblich besten Vorentscheidung Europas.

Das Retortentrio Alcazar, ranzig wie uralter Käse, präsentierte den seit Jahren ewiggleichen Discomief, der mit Clubsounds so viel zu tun hat wie Ralph Siegel mit Beethoven. Wie immer Platz drei. Daneben eine im wahrsten Sinn des Wortes leibhaftige Eurovisionssiegerin: Helena Paparizou, der man anmerkte, dass sie sich recht widerwillig gezwungen sah, irgendeine versteckte Klausel ihres Schallplattenvertrags in dem mello-fanatischen Land zu erfüllen (Lustlosigkeit gleicht jedoch Spielverderberei und wird nicht mit einer Topplatzierung belohnt). Und natürlich Sanna Nielsen, die bei eingefleischten Fans seit Ewigkeiten für nasse Höschen sorgt und es im siebten (!) Anlauf nun endlich schaffte, die Hitparade der Schlagerbelanglosigkeiten anzuführen. Wahrscheinlich, weil ihr Beitrag „Undo“ eine nicht ganz so schmerzliche Körperverletzung darstellte wie der Rest der sogenannten Melodien. Und dann außer Konkurrenz dazwischen ein ABBA-Medley, das an den Durchbruch der vier Skandinavier vor 40 Jahren erinnern sollte. Leider war auch das (von ehemaligen Mello-Gewinnern vorgetragen) so süßlich-klebrig, dass einem speiübel werden konnte. Die Geehrten mochten es wohl geahnt haben, denn sie ließen sich in diesem musikalischen Kabinett des Grauens erst gar nicht blicken. Fazit: No, thank you for this Music!


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Santiano

The Fiddler on the Deck | Wir werden niemals untergehen

Santiano - Michael MeyDer Musikstil von Santiano vermischt verschiedene Musikgenres: traditionelle, internationale Volkslieder, Popmusik, Rock’n’Roll oder Irish Folk, das Ergebnis lässt sich am besten mit dem Begriff Shanty Rock beschreiben. Ob im „Chor“ kräftig und stimmgewaltig bei den Uptempo Nummern oder gefühlvoll in den Balladen – der Band ist gelungen, eine fast vergessene Musiktradition neu verpackt aufleben zu lassen. Dass diese Rezeptur ein breites Publikum erreichen kann, hätte vor zwei Jahren, als sich die Seemänner zusammen fanden, wohl auch keiner gedacht. Im Line-Up zu USFD sind sie nun allerdings neben dem Grafen der zweite national erfolgreiche Act, der auf Nummer-1-Alben, Platinauszeichnungen und einen Echo-Gewinn 2013 verweisen darf.

Foto: Michael Mey

Santiano könnten beim Zuschauer ähnliche Assoziationen wecken, wie wir sie letztes Jahr bei Cascada erlebt haben – sowas wird Europa mögen! Die deutsche Vorentscheidungshistorie ist voll mit Beispielen, wie oft in der Vergangenheit das gewählt wurde, was andere mögen könnten. Was dann aber ebenso häufig nicht der Fall war. Mal ganz unbefangen das zu nehmen, was einem selbst gefällt, ist leider die Ausnahme. Ich kann mir die Shantyfreudigen Seefahrer daher nicht auf der Kopenhagener Bühne vorstellen, dennoch – es steht zu befürchten, dass sie in Köln für einen der ersten vier Plätze gut sein werden.


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...