Monthly Archives: Oktober 2014

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The Big L: Linda, Luxemburg und Lys

luxem lindaAufregung im luxemburgischen Großherzogtum! Vergangenes Wochenende fand dort nämlich die von unermüdlichen Anhängern des Wettbewerbs ins Leben gerufene „Eurovision Gala Night“ statt, bei der sich u.a. – hört, hört – ESC-Helden wie Loreen, Linda Martin und Alexander Rybak die Klinke in die Hand Ehre gaben. Das allein jedoch sorgte noch nicht für besagte Raserei der letzeburgischen Fans. Hierfür war mal wieder unser aller Darling Warum-gerade-ich-Linda – seit dem Frühjahr dieses Jahres auch als irisches Sturmtief bekannt – verantwortlich, als sie im Verlauf ihres Auftritts kurzerhand die im Publikum sitzende Kulturministerin Maggy Nagel ins Gebet nahm von der Seite anquatschte: „Ist es nicht an der Zeit, dass Luxemburg wieder am Song Contest teilnimmt?“ Angeblich nickte die Politikerin daraufhin und sagte leise „Ja“, so will es jedenfalls die Weltpresse das „Luxemburger Wort“ gehört haben. Und so auch eine plötzlich völlig ekstatische Linda, die heilsbringergleich die anwesende Zuschauerschaft anfeuerte und schrie: „Alle herhören – sie hat ja gesagt!“

Danach war natürlich nicht mehr wie es vorher war! Rasch breitete sich die frohe Kunde über alle Sozialen Medien aus und die seit 1993 im Stich gelassenen eurovisionären Fans des Zwergenstaates überboten sich mit Spekulationen, ob es gar 2015 schon so weit sein könnte, dass Luxemburg in die große Eurovisionsfamilie zurückkehre. Doch Pustekuchen – am frühen Montagmorgen hatte Frau Nagel nämlich nichts besseres zu tun, als offiziell mitzuteilen, dass der irische Wirbelwind sie wohl falsch verstanden habe. Statt eines Nickens habe es von ihr vielmehr ein Schulterzucken gegeben, denn allein wegen des kürzlich von der Regierung präsentierten Sparpakets unterstütze diese bestimmt keine kostspielige RTL-Teilnahme an der Traditionsveranstaltung. Puff! Aus der Traum! Hatte Linda, die Gerüchten zufolge gerne einen Whisky kippt, mal wieder zu tief ins Glas geschaut? Oder wollte sie einfach für ein bißchen Stimmung auf der augenscheinlich furztrockenen Gala sorgen?

Die Produzenten der offiziellen Eurovisionsparty, die die EBU kommendes Jahr anlässlich des Sechzigsten in London veranstalten will, sollten Frau Martin zumindest ganz oben auf ihre Gästeliste setzen, denn dann ist gute Laune vorprogrammiert. Anders dagegen die Stimmung im Hause Assia in der nicht weit entfernten Schweiz. Von dort giftete die allenthalben als Egomanin verschriene Lys, erste Song-Contest-Gewinnerin des Jahres 1956, als sie jetzt von den Jubiläumsplänen hörte. Über Twitter ließ sie mitteilen (sie selbst hat’s ja nicht so mit dem neumodischen Internet):

BBC celebrating 60 years of Eurovision? Can’t confirm anything, but a show without the first winner would not be a show, would it?

Foto. eurovisionaer


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Montenegro hat gewählt

Knez, mit vollem Namen Nenad Knežević, wurde soeben vom Staatssender RTCG als montenegrinischer Vertreter für den 60. Eurovision Song Contest 2015 in Wien bestätigt. Seit über 20 Jahren ist der in Belgrad lebende Mittvierziger im Geschäft, durch seine Teilnahme an verschiedenen nationalen Wettbewerben gilt er als Festivalerfahrener Profi. Zwar hat der nun zu späten eurovisionären Ehren gekommene Knez im Verlauf seiner Karriere nachweislich gehörig Haare gelassen und im Rahmen einer Imageoptimierung seinen schrecklich uncoolen Neunziger-Pferdeschwanz abgeschnippelt, doch bis heute gilt der Has-Been Barde als gern gesehener Gast in den angesagtesten Unterhaltungsshows des Balkans. Musikalisch zwischen Schlager, Pop und Turbofolk angesiedelt, dürfte er daher auch mit seinem (noch nicht veröffentlichten) ESC-Beitrag in Wien halbwegs überzeugen, denn seine Melodien gehen direkt ins Ohr, ein wenig ins Bein und tun keinem weh. Wirklich neu ist das Ganze natürlich nicht, aber das Land der schwarzen Berge mag wohl seit dem Finaleinzug von Sergej Ćetković in Kopenhagen nicht mehr großartig herumexperimentieren. Schade.


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Ola gibt ne Party

60th anniversaryZwar steht eine offizielle Bestätigung noch aus, aber einige Eurovisionäre erzählen sich, dass die EBU zum 60. Geburtstag des ESC ne Party schmeißen will. Überraschenderweise lädt sie jedoch nicht nach Hause, also nach Genf ein, was ja naheliegend wäre, sondern nistet sich bei der alten Tante BBC ein, die dafür die Royal Albert Hall in London auf Vordermann bringen muss. Ursprünglich hatte sich der NDR angeboten, diesen Job in Berlin zu erledigen, allerdings war sich die deutsche Hauptstadt dann aber doch mal wieder zu fein für solche intellektuell flachen Kinkerlitzchen (wir erinnern uns an 2011, als letztlich Düsseldorf zum Austragungsort auserkoren wurde). Nun also dürfen die Briten ran, wahrscheinlich auch, damit sie nicht vergessen, wie es sich anfühlt, einen Song Contest zu organisieren.

Die Londoner Fernsehshow, für die bislang noch kein Termin genannt wird, soll von dem BBC-Kommentator Graham Norton und Petra Mede, ESC-Präsentatorin in Malmö 2013, moderiert werden. Ob sie ähnlich müde wie die Kopenhagener Sause 2005 zum Fünzigsten daherkommt, als selbst Nicole lieber ne Pizza essen, denn in die dänische Metropole reisen wollte, bleibt ebenfalls abzuwarten. Grafik: EBU / eurovisionaer


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Aller guten Dinge sind vierzehn

Autsch! Da regt sich der eurovisionaer jedes Jahr aufs Neue über haarsträubende Juryentscheide beim Eurovision Song Contest auf, doch dann muß er mit ansehen, welch ein Driss zum Vorschein käme, nähmen allein die Fans des Wettbewerbs das Votingzepter in die Hand. Jene nämlich, die in nationalen Clubs vereinigt sind, die paneuropäisch wiederum unter dem Dach OGAE (Organisation Générale des Amateurs de l’Eurovision) firmieren. Wie alle anderen ESC-Nerds lieben sie Listen, Vorentscheidungen und Wettbewerbe (so ja auch der eurovisionaer) und haben im Laufe ihrer mittlerweile fast dreißigjährigen Vereinsgeschichte derer unzählig viele ins Leben gerufen. Der Bekannteste ist wohl der Second Chance Contest, bei dem die nationalen Fanvereinigungen ihrem Favoriten der heimischen Vorentscheidung eine zweite Chance geben und ihn in das pompös gestaltete internationale OGAE-Finale entsenden, um sich bestätigt zu sehen, wie toll er beim eigentlichen Contest abgeschnitten hätte. (Denn stundenlange Diskussionen über das „Was wäre, wenn…“ sind Kern eines jeden Clubtreffens und ziehen sich wie ein roter Faden durch das Leben des hingebungsvollen ESC-Fans).

Dieses Prozedere findet seit 1987 alljährlich im Sommer statt (allein, um die dann grassierende posteurovisionäre Depression etwas in den Griff zu kriegen) und wird verbandsintern von Saison zu Saison mit immer liebevollerem Aufwand betrieben. Doch damit nicht genug: unermüdlich, wie die Anoraks nun mal sind, arbeiten sie sich fleißig auch durch die frühen Jahre und haben zu diesem Zweck vor einiger Zeit zusätzlich den Retrospective Second Chance Contest erfunden, der nunmehr die Jahre 1975 bis 1986 abdeckt und sich so allmählich dem Geburtsjahr des ESC nähert.

Zurück zum Driss. Problematisch an der eigentlich guten Idee ist, dass offensichtlich alle organisierten Fans am liebsten Schwedenschlagern lauschen. (Okay sind in der Regel nur Beiträge anderer Länder, so lange sie sich wie Schwedenschlager anhören). Was im wirklichen Leben wohl längst dazu geführt hätte, dass keiner mehr Bock auf die Chose hätte, ist bei SCC kein Thema: Schweden gewinnt trotzdem (fast) immer. So auch 2014, knapp vor einer spanischen Powerballade, die alljährlich auch ganz gerne mal gehört wird. Mit der großen theatralischen Geste vorgetragen oder im fröhlichen Einheits-Happy-Sound wippend – dazwischen gibt es für den engagierten Fan nicht viel.

Und so liest sich das diesjährige Endergebnis wie ein Fanal des Grauens, denn jene Beiträge, die das Image dieser furzlangweiligen Voting-Spielerei etwas aufpoliert hätten, wurden von den Geschmacksrichtern der nationalen Fanjurys gnadenlos abgestraft. Ausnahmslos alle Lieblinge des eurovisionaers – die wundervolle Bogi aus Ungarn, die fantastische maltesische DeeBee, Anca aus Rumänien, die slowenische Muff und selbst die deutsche Vorentscheidungsentdeckung MarieMarie – : abgeschissen in der zweiten Tabellenhälfte! Und so konnte er gar nicht anders, als seiner Empörung freien Lauf zu lassen und eine solche SCC-Spielverderberei mit einem Blogartikel zu denunzieren und der Lächerlichkeit preiszugeben. Natürlich fragt er sich zugleich, ob er mit diesem Haufen von Ignoranten noch was zu tun haben möchte, doch dann fällt ihm – dem Himmel sei Dank! – ein, dass er gar kein Mitglied dieses organisierten Verberechens Vereins ist und auch ganz gut allein durchs eurovisionäre Leben kommt. Amen!

SCC 75-14
Grafik: eurovisionaer


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Die Saison ist eröffnet

mkalta tasseAuch wenn es scheint, als habe der eurovisionaer nen Sprung in der Tasse, aber seine Chronistenpflicht verlangt es wohl, erneut auf die maltesische Vorentscheidung hinzuweisen. Gestern nämlich veröffentlichten die ESC-Verantwortlichen  der winzigen Mittelmeerinsel die 20 Songs, die im Rahmen des zweitägigen nationalen Finales am 21. und 22. November zur Wahl stehen werden. Neben den ewig gleichen unentdeckten Möchtegerntalenten wie Amber, Jessika und Raquel tummeln sich dort Veteranen (Glen Vella und Gianluca) ebenso wie einige Neulinge, so zum Beispiel die an dieser Stelle bereits gebashten Nonnen namens Ekklesia Sisters. Doch wie im richtigen Leben gilt auch hier: Die Masse macht’s nicht! Eine einzige weichgespülte Sosse reiht sich an die andere und so kommt der eurovisionaer schon jetzt zu dem verwegenen Fazit, dass Malta in Wien wenig zu melden haben wird. Punkt. Grafik: eurovisionaer


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Zurück aus der Sommerpause

Regelmäßige Blogbesucher mögen es geahnt haben, der eurovisionaer war erneut für einige Tage verschwunden und hat seine Seele Beine in südlicheren Gefilden baumeln lassen. Doch nun streift er wie einst die Kirschexpertin Claudia Bertani endlich wieder durch die fabulöse ESC-Welt auf der steten Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Doch Essentielles hat er offensichtlich nicht verpasst. Lediglich die Vorbereitung des unsäglichen Lolita-Wettbewerbs, auch Juniorvision Song Contest genannt, sorgt derzeit für lauwarme Aufregung bei jenen Fans, die ansonsten auf eiskaltem Entzug sind.

Wären da nicht die Malteser, die ja diesjährige Ausrichter des peinlichen Kinder-Wettsingens sind. Wie schon berichtet, haben sie ganz pfiffig die nationale ESC-Vorentscheidung für Wien gleich an die JESC-Orga angekoppelt und werden daher bereits im November ihr Festival „Malta Song for Europe“ abhalten. Doch auch dafür schießen sie nicht einfach so mal eben aus der Hüfte, nein, Anfang Oktober wurden bereits in einer mehrstündigen Fernsehshow alle Teilnehmer und deren Beiträge dem geneigten TV-Publikum ans Herz gelegt. Haushoher Favorit auf den Startplatz der winzigen Mittelmeerinsel in der österreichischen Hauptstadt soll seitdem die Gruppe „Ekklesia“ sein. Dabei handelt es sich um fünf wahrhaftige Ordensschwestern, die in „Love and let go“ – Bernd Meinunger hab sie selig – die Geschichte eines bemitleidenswerten Findelkindes besingen, das sie auf den rechten, also katholischen Weg bringen.

Aus rein fachlichen Gründen purer Neugier hat sich der eurovisionaer den Youtube-Clip des maltesischen Grauens ungefähr bis zum ersten Refrain angetan, danach wäre ihm fast der Atem gestockt, hatte er doch geglaubt, die hinterfotzige russische Heile-Welt-Hymne „What if“ von 2013 sei bereits der Gipfel menschenverachtender Gesangslyrik gewesen. Jetzt aber weiß er, es geht noch heimtückischer und reaktionärer, zumal den perfiden Racheplan, ausgerechnet Nonnen als Antwort auf Conchita Wurst zum Song Contest zu schicken, glatt homophobe osteuropäische Hirne hätten entspinnen können. War es also nur der kurze Traum von einer tatsächlich besseren ESC-Welt, als die Common Linnets in diesem Jahr recht widerspenstig ausschließlich auf musikalische Substanz achteten und damit selbst bei notorischen Gegnern des europäischen Songwettbewerbs so etwas wie freudige Anerkennung erfuhren? Ist und bleibt der der Eurovision Song Contest auf immer und ewig die peinliche Freakshow, bei der technischer Aufwand und künstlerische Qualität Trilliarden Lichtjahre voneinander entfernt sind und für deren Teilnehmer jedes schäbige, aufmerksamkeitserheischende Mittel recht ist, nur um einen Sieg einzufahren? Am 22. November fällt in Valetta die Entscheidung. Foto: eurovisionaer


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