Monthly Archives: Februar 2015

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Irelande douze Points

Eins muss man den Iren lassen, sie wissen, wie man aus einem sturzlangweiligen Abend eine fette Party macht! Ausgangspunkt: Das kleine Studio der „Late, late Show“. Es dient wie in jedem Jahr als Austragungsstätte des nationalen Finales „Eurosong“, bei dem aus wenigen handverlesenen Wettbewerbsbeiträgen der Hammersong für Wien gefischt werden soll. Traditionsgemäß darf bei diesem Pflichttermin natürlich niemals Linda Martin fehlen, die als Chefin eines Expertenpanels verknöcherter Altstars die Kandidatenvorträge routiniert kommentiert und selbstredend alljährlich aufs Neue lamentiert, dass die bösen Osteuropäer die Eurovision gekapert hätten und nichts mehr so sei wie in den guten, alten, goldenen Tagen, als Irland einen Sieg nach dem anderen einfahren konnte. Ihr zur Seite sekundieren die offensichtlich stadtbekannte Drag-Queen Miss Panti Bliss (wohl auch, um Petra Mede eines Besseren zu belehren, wer denn nun die Tunte im Haus sei), irgendeine Radiomoderatorin sowie der leibhaftige Phil Coulter, Mastermind der Steinzeit-Evergreens „Congratulations“ und „Puppet on a String“.

Dann endlich werden die fünf hoffnungsvollen Talente, die RTE im Vorfeld in offensichtlich wochenlangen Castings ausgesucht hatte, auf eben jene Jury losgelassen. Die argumentiert zuerst noch recht höflich, dann aber reisst auch den Mentoren der Geduldsfaden und sie lassen kein einzig gutes Haar mehr an der öden, international chancenlosen Auswahl 2015. Lediglich Darling Linda bemüht sich zwischendrin um ein paar warme Worte, der geschulte „Eurosong“-Fan jedoch kann ihr die Verzweiflung ansehen, wie hier mit ihrem eurovisionären Erbe umgegangen wird. Was also anstellen mit diesem verkorksten Abend?

Das irische Auditorium – gepusht von unzähligen Einspielern, die an die grandiosen Siegertitel der Vergangenheit erinnern – schaltet angesichts der erneut absehbaren nationalen Katastrophe kurzerhand in den Feiermodus und singt sich ganz einfach den Frust von der Seele. Zuerst im Rahmen einer Art Pub-Quiz, bei dem lokale Größen Songcontest-Klassiker mit Unterstützung des mittlerweile rasenden Publikums anstimmen müssen, was selbst den eurovisionaer nach anfänglicher Skepsis köstlich amüsiert.

Und um dem noch eins drauf zu setzen, schiebt RTE gleich ein Sing-Off hinterher. Zwei Zuschauer, Norman und Pat, augenscheinlich ergebene Eurovisionsanhänger, schmettern für jeweils ihre Publikumshälfte – was wohl ? – natürlich „Hold me now“, um – festhalten, verehrte Leserschaft! – einen Haufen Beauty-Produkte zu gewinnen. Das Studio tobt, längst ist niemand mehr auf seinen Sitzen und selbst Linda fühlt sich – ganz Norma Desmond – wie in eine längst vergangene Zeit gebeamt.

Doch gerade, als man sich als anonymer Beobachter beim Wunsch ertappt, dieses unglaubliche Happening möge jetzt noch Stunden so weitergehen, wird mal eben schnell das lästige Tagesgeschäft abgewickelt, wegen dessen – eigentlich – alle hier sind. Die Jurys der Provinzen verteilen hastig ihre Punkte, die Televoter geben ihren Senf dazu und – schwupps! – ist die kleine Molly zur Siegerin des Abends erkoren. Die darf noch kurz ihre eher einschläfernde Reprise vortragen, während das schlagartig wieder nüchterne Publikum aus den schönsten Träumen heraus nun auf den harten Boden der Wirklichkeit plumpst und das Studio anschließend vermutlich gesenkten Hauptes verlässt. Tja, hätte es einen Wettbewerb um den stimmungsvollsten Veranstalter des demnächst anstehenden ESC-Jubiläums gegeben, Irland hätte ihn an diesem Abend haushoch gewonnen!


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USFÖ – Die Chancen der Kandidaten

Seit Tagen drückt sich der eurovisionaer vor diesem Blogeintrag, weil ihm zu den acht Kandidaten des deutschen Vorentscheids 2015 partout nichts – nada – null – einfallen will. Konnte er sich im Vorjahr noch genüsslich am Grafen abarbeiten, so besteht diese Saison nur aus den sprichwörtlichen sauren Gurken, die sich allenfalls mit nett, artig oder okay beschreiben lassen. Jau, lieber empfindsamer NDR, heimlich, still und leise versteckt sich in diesen Zeilen das altbekannte Bashing der ewig quengelnden ESC-Aficionados, denen man es wohl nie recht machen kann. Andersrum – warum jetzt hier nach rühmenswerten Pulitzer-Weihen schielen, wenn sich dieses Jahr doch offensichtlich gar niemand so rechte Mühe geben mag? Um also nicht komplett ignorant dazustehen, hat sich der Hausherr mal der platten PR-Texte der jeweiligen Plattenfirmen bedient und das Ganze um ein kurzes persönliches Statement ergänzt – fertig ist die Lotte! Und am Aschermittwoch 05. März gegen 22.30 Uhr ist dann alles vorbei…

Ann Sophie | Jump the Gun | Black Smoke

VE Ann Sophie NDRleer
Ann Sophie (24), in London geboren und hauptsächlich in Hamburg aufgewachsen, begann mit vier Jahren, Ballett zu tanzen. Mit 20 zog sie nach New York und machte eine zweijährige Schauspiel-Ausbildung am „Lee Strasberg Theatre & Film Institute“. Daneben startete sie ihre Musikkarriere, sang in Bars und nahm schließlich ihre ersten, selbstgeschriebenen Songs auf. Im September 2012 folgte Ann Sophies erstes Album. Mitte Februar gewann sie beim Hamburger Clubkonzert unter zehn Teilnehmern die Wildcard zur deutschen Vorentscheidung 2015.

Foto: NDR

eurovisionaeres Vorbild?
Eindeutig Elaiza (2014), deren Nachfolgesingle jetzt halt Ann Sophie singen darf.
Was wäre Wien?
So ähnlich wie eben diese Mädchencombo im Vorjahr – Platz 18 mit 39 Punkten.

leer

Fahrenhaidt | Frozen Silence | Mother Earth

VE Fahrenhaidt Universalleer
Hinter dem neuen Projekt Fahrenhaidt stehen die Berliner Musikproduzenten Erik Macholl und Andreas John. Ihren Stil beschreiben sie als „modernen Nature-Pop“. Mit der Mischung aus zeitgemäßer, elektronischer Musik und akustischen Instrumenten möchten sie „Fluchtpunkte aus den Irrungen und Wirrungen des erschöpfenden, geschäftigen Alltags“ schaffen.

Foto: Universal

eurovisionaeres Vorbild?
Nocturne (1995) meets Maxi & Chris Garden (1988).
Was wäre Wien?
Leider 20 Jahre zu spät, aber aus nostalgischen Gründen würde es für einen guten 11. Rang reichen.

leer

Faun | Hörst du die Trommeln | Abschied

VE Faun Universalleer
Faun ist seit mehr als zehn Jahren ein Bestandteil der Mittelalterszene. Die sechs Künstler besetzen mit ihrem „Pagan Folk“ ein eigenes musikalisches Feld – sie kombinieren Instrumente wie Drehleier, Harfe und Dudelsack, romantische und mythische mittelalterliche Musikzitate mit modernen Klängen und mehrstimmigem Gesang zu modernem deutschsprachigem Mittelalter-Folk. Mit dem Album „Von den Elben“ von 2013 gelang der Band der endgültige Durchbruch. Der Tonträger hat mittlerweile Platinstatus erreicht. Zusammen mit dem renommierten Team von Valicon wurde auch das aktuelle Album „Luna“ produziert, das ebenfalls die musikalische Stimmung des Mittelalters in die Jetztzeit transportieren und einfangen will.

Foto: Universal

eurovisionaeres Vorbild?
All jene, die auf der ESC-Bühne gerne getrommelt haben. Vor zehn Jahren also nahezu jeder Zweite.
Was wäre Wien?
Dafür könnten sich wohl nur noch die Osteuropaer begeistern  – eine mediävale Katastrophe.

leer

Alexa Feser | Glück | Das Gold von morgen

VE Alexa Feser Semmelleer
Schon als Kind dachte sich Alexa Feser am Klavier eigene Stücke aus – inspiriert von ihrem Großvater, einem Jazzpianisten. Bevor die 35-Jährige im vergangenen Jahr ihr erfolgreiches Debütalbum „Gold von morgen“ veröffentlichte und eine ausverkaufte Deutschlandtournee spielte, jobbte die Wiesbadenerin u. a. als DJ, Zeitungszustellerin und Flugbegleiterin, um ihre Musik zu finanzieren. „Mir geht es nicht nur um Inhalte und Texte. Ich will so singen, dass man mich emotional versteht. Ich will aus Wunden Weisheiten machen“, so die Singer/Songwriterin zu ihrem Stil.

Foto: Semmel.de

eurovisionaeres Vorbild?
Lenny Kuhr (1969) auf neudeutsch.
Was wäre Wien?
Ein weiblicher Grönemeyer – darauf hat Europa gewartet! Wäre aber mal zur Abwechslung authentisch für das, was die Mehrzahl der Deutschen so über  den Rest des Jahres hört.

leer

Andreas Kümmert | Home is in my Hands | Heart of Stone

VE Kümmert Universal Michael Zargarinejadleer
Andreas Kümmert steht für schnörkellosen Rock, Soul und Blues. Der 27-Jährige aus Gemünden am Main wurde vor rund einem Jahr „The Voice of Germany“ und beeindruckte die Menschen mit seiner außergewöhnlichen Stimme. Sein von dem US-Erfolgsproduzenten Justin Stanley und Max Herre produziertes Album „Here I Am“ erreichte im April 2014 Platz drei der deutschen Charts. Vor seinem Show-Erfolg war Andreas Kümmert mit seinen Songs in ganz Deutschland unterwegs, seit 2007 gab er in Clubs und Pubs mehrere hundert Konzerte.

Foto: Universal / Michael Zargarinejad

eurovisionaeres Vorbild?
Joe Cocker Der Augenaufschlag von Max Mutzke (2004).
Was wäre Wien?
Bestenfalls unauffällig und unspektakulär – Platz 16.

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Laing | Zeig deine Muskeln | Wechselt die Beleuchtung

VE Laing Universal Max Parovskyleer
Laing, das sind Leadsängerin, Songwriterin und Produzentin Nicola Rost gemeinsam mit den Sängerinnen Johanna Marschall und Larissa Pesch sowie der Tänzerin und Choreographin Marisa Akeny. Mit ihrem ersten Album „Paradies Naiv“ und der Single „Morgens immer müde“ wurde das Berliner Damenquartett in ganz Deutschland bekannt. Soeben ist Ihr zweites Album erschienen, „Wechselt die Beleuchtung“: eine Mischung aus „Minimal-Elektro, Pop und R’n’B“, verbunden mit deutschen Texten zwischen Ironie und Ernst.

Foto: Universal / Max Parovsky

eurovisionaeres Vorbild?
Mrs Einstein (1997) goes Electro.
Was wäre Wien?
Unberechenbar – eine spannende Bühenshow könnte eventuell Rang 12 retten.

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Mrs Greenbird | Shine Shine Shine | Taky my Hand

VE Mrs Greenbird Markus Schulzeleer
Von Null auf Platz 1 der deutschen Albumcharts – das schaffte das Kölner Duo Mrs. Greenbird Ende 2012 mit ihrem gleichnamigen, mit Gold veredelten Debütalbum, das sich mehr als 160.000 Mal verkauft hat. Inzwischen ist der in Nashville produzierte zweite Longplayer „Postcards“ von Sarah Nücken und Steffen Brückner erschienen. „Singersongwritercountryfolkpop“ nennen die Gewinner der dritten „X-Factor“ Staffel ihre Musik. Mrs. Greenbird schreiben ihre Songs von Anfang an selbst und machen bereits seit vielen Jahren Musik.

Foto: Markus Schulze

eurovisionaeres Vorbild?
Die armen Verwandten der Common Linnets (2014).
Was wäre Wien?
Ginge im diesjährigen Überangebot an Duetten vollends unter.

leer

Noize Generation | Song for you | Crazy now

Client: Universal Music Germany, Polydor/Island PM: Teoman Sayim
leer
Noize Generation ist der Bühnenname von Jewgeni Grischbowski („Jeff“). Der Musikproduzent und DJ aus München hat sich bisher vor allem einen Namen durch Remixe für u. a. OneRepublic, Gorillaz und Skrillex gemacht. Inzwischen hat er sein Klavier- und Gitarrenspiel neu entdeckt und bewegt sich zwischen elektronischen Klängen und Songwriting. „Dann beginnt der diffizile Balanceakt zwischen dem Wunsch, den elektronischen Touch nicht verlieren und das akustisch Fruchtbare dennoch zu belassen“, so Jeff. Seit mehr als drei Jahren ist er mit seinen Werken in Europa und Asien unterwegs.

Foto: Universal

eurovisionaeres Vorbild?
DJ, Take Me Away aka Deep Zone & Balthazar (2008).
Was wäre Wien?
Ein leises Gähnen, das haben unsere Nachbarn schon zigmal gehört – unteres Mittelfeld.


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Die eurovisionaere Playlist 2015 | Vol.4

Endlich! Seit vergangenem Wochenende gibt es nun zwei Titel (Estland & Lettland), die es sowohl in die Top-5 der kleinen Playlist als auch auf die Wiener Teilnehmerliste geschafft haben. Es besteht also weiterhin ein Funken Hoffnung, dass der offizielle 2015-er Wettbewerb ein Hörenswerter wird und der eurovisionaer noch nicht ganz in extraterrestrische Soundwelten abgedriftet ist, welche mit der nackten ESC-Realität nichts mehr zu tun haben. Zumal: Einige der unten gelisteten Nationen haben ihre Vorentscheide noch vor der Brust. Also nicht auszudenken, was passiert, wenn die ganzen Playlist-Favoriten diese erfolgreich überstehen sollten. Dann wird der diesjährige Contest nicht nur gut, sondern richtig geil! Hach, der eurovisionaer ist im Optimismus-Modus! (Fortsetzung folgt).

playlist 2015-01

Pos  VW Nation Interpret Titel
01 01 est Elina Born & Stig Rästa Goodbye to Yesterday
02 00 slo Maraaya Here for you
03 02 fin Satin Circus Crossroads
04 00 nor Mørland & Debrah Scarlett A Monster like me
05 03 lat Aminata Savadogo Love injected
06 00 est Robin Juhkental & The Big Bangers Troubles
07 05 lat Voltaj De la capat
08 04 ch Plutonic (ft. Luke Girvan) Will It Feel Like Forever
09 06 hun Passed Mesmerize
10 08 est Karl-Erik Taukar Päev korraga
11 10 den Anne Gadegaard Suitcase
12 12 GER Alexa Feser Glück
13 00 NOR Jenny Langlo Next to xou
14 09 ger Fahrenhaidt Frozen Silence
15 18 ita Nek Fatti avanti amore
16 13 mol Olea Roshe Nu
17 11 ice Sunday Fjaðrir
18 07 rom Băieţii Dragoste în lanţuri
19 15 lit Demo Artist Factory Hearts
20 16 lat Katrina Bindere Run to you
Grafik: eurovisionaer


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Alles gutgegangen

Fantastisch! Der eurovisionaer ist immer noch ein wenig beseelt, denn sein favoritöser Favorit der Saison, „Goodbye to Yesterday“, ist nun offizieller estnischer Kandidat für Wien 2015! Wie erwartet, drohte es wegen der mit gesundem Menschenverstand nicht immer nachvollziehbaren Juryurteile zwischenzeitlich ein wenig eng zu werden, doch im Superfinali des Eesti Laul – der wunderbarsten, weil  songmäßig besten Vorentscheidung Europas – markierten die Televoter eindrucksvoll mit sagenhaften 79,2 % das Revier für Elina Born & Stig Rästa.

Und nun? Glauben wir einem Teil der Fanforen, sind die Gewinner des Song Contest 2015 gefunden, bewegen sich doch die Kommentare in ähnlichen Sphären wie damals bei Rybak (2009) oder Loreen (2012) – es wird nur noch gewettet, wie hoch der Sieg ausfallen wird. Die anderen wiederum prophezeien recht hämisch eine fette Bauchlandung in Wien, weil der Stig zu griesgrämig gucke, die Elina nicht richtig singen könne und überhaupt alles nur ein billiger Abklatsch der niederländischen Common Linnets (2014) sei. Herrje, da das wahrscheinlich jetzt drei Monate so weiter gehen wird, empfiehlt der eurovisionaer den übrigen charmanten GTY-Anhängern, inmitten dieses Gezeters einfach tief durchzuatmen und darauf zu vertrauen, dass Hardcore-Nerds diesen Wettbewerb glücklicherweise noch nie entschieden haben, denn dann hätten wir schon seit Jahren chronische Ohrenverschmalzung. Abgesehen davon: Wenn selbst das in diesem Blog zu einiger Berühmheit gelangte ESC-immune Fräulein Sichtermann interessiert aufhorcht, sind die estnischen Chancen ganz gut nicht von der Hand zu weisen.

Und als wäre eine gute Nachricht nicht genug, erwartet uns gleich noch eine vom Baltikum. Die lettischen Nachbarn verwählten sich in diesem Jahr nämlich ebenfalls nicht und kürten die 22-jährige Aminata Savadogo zur Siegerin ihres nagelneuen „Supernova-Festivals“. Doch selbstverständlich wird auch darüber schon wieder getrutscht, weil sich „Love Injected“ angeblich wie „Euphoria“ anhöre bzw. eigentlich überhaupt keine Melodie habe. Tja, so in sich zerrissen und widersprüchlich ist die eurovisionäre Welt, in ihr kann man es einfach niemandem recht machen, daher verweist der Hausherr bei akuter Eurovisionitis mal ganz dreist auf seine eigene aktuelle Playlist mit den schleimlösenden Lieblingsschlagern der Saison. Ach, übrigens – es gibt noch einen dritten baltischen Kandidaten, der zu allem Überfluß auch noch an diesem eh schon aufregenden Vorentscheidungswochenende aus dem Hut gezaubert wurde: Der litauische Titel „This Time“ gefällt dem Blogger aber nich so dolle, und deswegen setzt er ihm an dieser Stelle auch kein Denkmal keinen Link.


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USFÖ – Das (fast) endgültige Line-Up

ve ger alle 8leer
Foto: Universal Music, Michael Zargarinejad, Max Parovsky, Facebook

Mit Abschluss des gestrigen Clubkonzerts steht nun die finale Teilnehmerliste für den deutschen Vorentscheid 2015 (fast) fest. Der Wettbewerb, der in diesem Jahr in Hannover stattfindet, wird am 05. März ab 20.15 Uhr live im Ersten ausgestrahlt. Moderatorin ist – wie schon im Vorjahr – Barbara Schöneberger.

Ann Sophie
Jump the Gun Titel noch nicht bekannt
Alexa Feser Glück Das Gold von morgen
Andreas Kümmert Home is in my Hands Heart of Stone
Fahrenhaidt Frozen Silence Mother Earth
Faun Hörst du die Trommeln Abschied
Laing Zeig deine Muskeln Wechselt die Beleuchtung
Mrs Greenbird Shine Shine Shine Take my Hand
Noize Generation Song for U Crazy now

leer
Ein offizielles Portal mit allen Beiträgen zum diesjährigen Vorentscheid gibt es leider immer noch nicht, daher verweist der eurovisionaer erneut auf diesen Videokanal, wo ein engagierter Fan dem NDR ein wenig Arbeit abgenommen hat…


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USFÖ – WTF?

Herrje! Wild…. äh… Freikarten helfen da auch nicht! Furzlangweilige Songs, dünne Stimmchen und grottenpeinliche Performances: Der erste Akt des Vorentscheidungstrauerspiels, das NDR-Club-„Konzert“ (für so Allerweltstitel wie „Auftritt“ oder „Gig“ war sich der NDR wohl zu schade…) ist überstanden. Gewonnen hat die 24-jährige Ann-Sophie, immerhin die professionellste Künstlerin des Abends unter all den Amateuren der Republik.

Nun darf sie zur Belohnung zum großen Finale nach Hannover, wo am 05. März der Schlussakt des JeKaMi-Dramoletts gegeben wird. Und dorthin mitnehmen wird sie den wohl eigentlich als Elaiza-Follow-Up-Single angedachten Song „Jump the Gun“. Punkt. Mehr mag der eurovisionaer zu diesem unsäglichen Abend lieber nicht sagen. Gute Nacht.


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Super Samstag?

Exakt vier Wochen sind es noch bis zum Einsendeschluss aller Wettbewerbsbeiträge 2015. Dann muss der vermeintliche ESC-Siegertitel beim Jon-O-la-la auf dem Tisch liegen. Doch ach, mittlerweile gilt es als schick in Eurovisionia, dem nationalen Finale mindestens drei bis vier Vorrunden zu gönnen, manche ESC-Enthusiasten strecken ihre Vorauswahl gar wie Gummi auf über acht Ausgaben, was jedoch eher zu starkem Unwohlsein als zu einem qualitativen Mehrwert führt. Besonders im Februar – vornehmlich samstagabends – knubbeln sich daher die Entscheidungen quer über den Kontinent, weshalb ganz einfallsreiche Fans von den „Super Saturdays“ sprechen.

Glücklich sind dann die, die über Satellitenschüsseln verfügen, wie sie sonst nur die NASA besitzt. Alle anderen basteln bunte Timelines, surfen im Netz von Stream zu Stream und ärgern sich, wenn der ganze Kladderadatsch ständig zusammenbricht. So wie der eurovisionaer, der sich auch mal wieder einen sssuper Sssamstag erlaubt, weil seine diesjährigen Helden Elina & Stig das Semifinale des immer wieder wunderbaren Eesti Laul überstehen müssen. Zur gleichen Zeit ist man in Reykjavik schon einen großen Schritt weiter, denn dort singen die sieben Finalisten in einem recht tristen Kinosaal bereits um das begehrte Ticket nach Wien (die prächtige Harpa war aus unerfindlichen Gründen – wie die auf der Insel gerade wandernde Frau S per SMS zu berichten weiß – offensichtlich anderweitig gebucht). Und wiederum Tausende Kilometern weiter südlich sind aufgeregte italienische Floristen vermutlich bis zur letzten Sekunde damit beschäftigt, imposante Blumengebinde zu fabrizieren, um dem traditionellen Sanremo-Festival, das zum großen Finale einläd, besonderen Glanz zu verleihen. Da dort erfahrungsgemäß aber mehr palavert denn gesungen wird, bleibt sogar noch ein wenig Zeit für das von vielen so heiß geliebte schwedische Mello, das wiederum just eine Vorrunde mit Unmengen von Pomp, Puscheln und Playback in der Malmö Arena feiert.

Mehr Multitasking schafft der eurovisionaer nicht, der sich ein wenig verdutzt fragt, wie es den ganz Unermüdlichen gelingt, sich derweil auch noch in Litauen und Ungarn zuzuschalten. Für den Song-Contest-Laien: ein Online-Vorentscheidungsabend im Februar ist so ähnlich wie eine Bundesliga-Konferenz-Schaltung auf SKY, allerdings mit dem Unterschied, dass man Kommentar und Bildregie selbst übernehmen muss. Erfahrene Super-Samstag-Zuschauer haben da wohl über die Jahre ein feines Näschen entwickelt, wann es wo gerade langweilig wird und – schwupps – beamen sie sich mit einem Mausklick mal eben von Tallinn nach Budapest. Ungeübte aber bleiben zu lange beim isländischen Werbeblock hängen oder lauschen den Fachurteilen der estnischen Experten, von denen sie letzten Endes doch kein einziges Wort verstehen.

Egal, Elina & Stig sind großartig und segeln sicher in die nächste Runde, womit man nicht unbedingt rechnen durfte, kennt man mittlerweile doch das zuweilen recht spleenige Abstimmungsverhalten eben jener – die übrigen elf Monate des Jahres wahrscheinlich arbeitslosen – Juroren in Estland. Ortswechsel: Im isländischen Kinosaal wird im Ssssuperfinali eine schamlose, jedoch freudestrahlende Emmelie-de-Forrest-Kopie auserkoren, nach Wien zu reisen, wenngleich es bessere, weil ESC-untypische Töne gab. Aber auch schlimmere… Apropos: Den schwedischen Schlagerkarneval hält der eurovisionaer nur wenige Minuten aus und klickt dann völlig entnervt das Streaming-Fenster weg. Informationsbegierige Leser dieses Blogs seien an fachkundigere, weil nicht so voreingenommene Berichterstatter verwiesen.

Bleibt also noch das italienische Festival della Canzone! Mit seinen unzähligen Interviews, Werbeunterbrechungen, Interviews, Gastauftritten, Interviews und bunt eingestreuten Schnelldurchläufen garantiert es alljährlich einen Showspaß bis in die frühen Morgenstunden. Da der eurovisionaer den munteren Abend allerdings mit mehreren Gläschen Rotwein begossen hatte, kann er auch hier nur bedingt einer gewissen Chronistenpflicht nachkommen. Er beschränkt sich daher auf das Wesentliche: Italien erklärt irgendwann weit nach Mitternacht den Knödeldreier Il Voro, der nunmehr als die jungen Tumore in die ESC-Geschichte eingehen wird, zum Sieger. Na denn Prost!


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Die eurovisionaere Playlist 2015 | Vol.3

Nachdem die „Lex Australia“ in den vergangenen 48 Stunden für reichlich Aufregung in der nun gar nicht mehr so kleinen ESC-Welt gesorgt hat, zog sich der eurovisionaer mal still und leise zurück, um seine verspielte Playlist der Saison zu überdenken. Was seinen innig geliebten Favoriten betrifft (der übrigens kommenden Samstag die erste Vorrunde überstehen muss), hat sich da nix geändert, doch dahinter gibt es ganz passable – Dieter Thomas hab sie selig! – Neuvorstellungen, die das Feld ein wenig aufmischen. (Fortsetzung folgt).

playlist 2015-01

Pos  VW Nation Interpret Titel
01 01 est Elina Born & Stig Rästa Goodbye to Yesterday
02 02 fin Satin Circus Crossroads
03 05 lat Aminata Savadogo Love injected
04 04 ch Plutonic (ft. Luke Girvan) Will It Feel Like Forever
05 00 lat Voltaj De la capat
06 06 hun Passed Mesmerize
07 00 rom Băieţii Dragoste în lanţuri
08 07 est Karl-Erik Taukar Päev korraga
09 00 ger Fahrenhaidt Frozen Silence
10 18 den Anne Gadegaard Suitcase
11 03 ice Sunday Fjaðrir
12 09 GER Alexa Feser Glück
13 08 mol Olea Roshe Nu
14 11 lat Framest Ziema
15 15 lit Demo Artist Factory Hearts
16 19 lat Katrina Bindere Run to you
17 16 hun Bogi World of Violence
18 00 ita Nek Fatti avanti amore
19 14 ger The Helmut Bergers Melodia
20 13 fra Liza Angell N’oubliez pas
Grafik: eurovisionaer


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Je suis Oh-Stralia!

OH_STRALIABreaking News in Eurovisionia! Australia darf entgegen des gesamten EBU-Regelwerks ein einziges Mal nicht nur zuschauen, sondern auch mitsingen, segelt direkt ins Finale und darf in zwei Semis werten! Das ist zu viel für die eurovisionäre Fan-Seele, die lauthals „Skandal!“ schreit, weil ihre kleine Welt aus den Fugen gerät, als gäbe es auf diesem Planeten nichts Wichtigeres zu reklamieren …

So what? Jon O-la-la hat schon recht, wenn er zur größten europäischen Party so richtige Partyanimals einlädt, die an der traditionsreichen Sause offensichtlich Spaß wie Bolle haben. Die nicht verkniffen nach nachbarschaftlichen Verhältnissen, sondern nach individuellem Geschmack werten. Für die der Wettbewerb nicht alljährliches Pflichtprogramm ist, das der NDR man mal eben runterspult. Die nicht allein deswegen dabei sind, weil sie ein scheinbar anderweitig nicht zu befriedigendes nationales Ego zur Schau stellen müssen.

Und die die Kosten, an denen sie sich wohl oder übel beteiligen müssen, nicht bejammern, wie so mancher, der in den vergangenen Jahren bzw. Monaten wegen genau dieser seinen Rückzug erklärte. Ein kurzer Exkurs: Kürzlich wurde bekannt, dass Spanien, immerhin Mitglied der elitären Big-5 und daher einer der größten Einzahler, für den Wiener Contest 356.000 Euro bezahlen muss (kleinere Staaten wie z.B. Rumänien steuern angeblich knapp über 100.000 Euro bei). Dafür füllen die Spanier, wie alle anderen Mitspieler auch, über sieben Stunden Sendezeit und erzielen aller Wahrscheinlichkeit nach am fernsehheiligen Samstagabend eine mega Einschaltquote. Ein Vergleich aus deutschen Landen – „Wetten, dass“ kostete ca. 2 Mio. Euro. Auch auf die kleineren, schwächeren Länder der EBU heruntergebrochen, handelt es sich beim ESC also entgegen aller Gerüchte um ein relativ kostengünstiges Programm, das zudem Eventcharakter hat, für Schlagzeilen sorgt und die heimische TV-Nation einbindet und aufwühlt. Wollen wir also bei der Wahrheit bleiben: Wer da nicht mitspielen mag, ist mittlerweile EU-Mitglied hat einfach keine Lust mehr, anstatt – wie vorgeschoben – keine ausreichenden finanziellen Mittel. Nun aber wird genau diese Karte gezogen: Bulgarien, Kroatien, Bosnien und andere müssten zu Hause bleiben, weil die EBU bestimmte Nationen – noch dazu außereuropäische! – in Hinterzimmern hofiere.

Das ist kleinkariert gedacht und verkennt die Werte, die die Show seit ihren Anfängen in den 50er Jahren hoch hält: sich für einen Abend im Mai vor den Fernsehern europa- (und nun halt welt-) weit zu versammeln, in einem kleinen Wettbewerb zu messen, fremde Kulturen besser zu verstehen und einfach einmal ohne Grenzen im Kopf zu denken. Natürlich ist das ein Ideal, das der Wirklichkeit nicht immer standhält. Natürlich werden auch die Aussies allein aus purem Nationalstolz ihr Bestes geben wollen. Aber jetzt den Spielverderber rauskehren, auf Regeln pochen, die angeblich nicht mehr gehalten werden, das zeugt von platter Rechthaberei und einfältiger Intoleranz. Beides gibt es im wahren Leben schon zur Genüge und allein daher hat es nach Ansicht des eurovisionaers bei seinem Lieblingsfestival nun rein gar nichts zu suchen.

Die EBU hat in den vergangenen Jahrzehnten häufig genug an starren, dösigen Regeln festgehalten und so zum Beispiel die wunderbare Amina 1991 um einen mehr als verdienten Sieg gebracht. Ist es nicht schön, dass selbst die Funktionäre jetzt im 60. Jubiläumsjahr die Freude am Spielen für sich entdeckt haben und – ganz altersweise – ein wenig nachsichtiger werden?

Grafik: eurovisionaer


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Sydney, may we have your Votes, please?

Das isn Ding! Wie eurovision.tv heute bestätigte, wird Australien beim kommenden Song Contest 2015 mitsingen, mitvoten und mitfiebern. Grund hierfür sei ausnahmsweise der 60. Geburtstag der alten Lady Eurovision, für den die EBU – offensichtlich grad in Champagnerlaune – mal alle Augen feste zudrückt. Nun hat sich der eurovisionaer ja schon oft genug – und nicht grundlos – über diesen Genfer Bürokratenhaufen aufgeregt, dass es endlich einmal an der Zeit ist, die heutige Entscheidung uneingeschränkt zu loben: wunderbar! Und sehr sympathisch obendrein, wenn deren Chef Jon Ola Sand erklärt: „Es ist unsere Art zu sagen, lasst uns die Party zusammen feiern!“

Australien wird ohne Umweg über ein Semifinale als siebtes gesetztes Land (neben Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Österreich) direkt im Finale starten, was dieses auf beinahe unüberschaubare 27 Teilnehmer anwachsen lässt. Allerdings soll die spontane Einladung lediglich für dieses Jahr gelten – es sei denn, das Land Down Under würde in Wien auch noch den Sieg einfahren: Dann wiederum wäre Australien ebenfalls in 2016 startberechtigt, müsste den Wettbewerb jedoch – schon allein wegen der Zeitverschiebung und der Reisekosten für den ESC-Tross – gemeinsam mit einem europäischen Partner auf dem alten Kontinent veranstalten.

Den Aussies, die als besonders ESC-verrückt gelten und das Wochenende um das Grand Final recht putzig als “Happiest Weekend of the Year” bezeichnen, ist die Freude über die Ausnahmeregelung von Herzen zu gönnen. Und vor dem Hintergrund, dass zum Beispiel die Iren nach Veröffentlichung ihrer Vorentscheidungsbeiträge gerade überlegen, ob es schicker ist, gleich im Semi auszuscheiden, als Letzter im Finale zu werden, das Mello der Schweden nur noch ein einziger Plastikmüllhaufen ist und auch sonst viele Nationen eher ESC-müde zu sein scheinen, kann ein frischer Wind dem in die Jahre gekommenen Song Contest nur gut tun. Danke EBU und Welcome Australia!

Übrigens schwillt dem eurovisionaer der Kamm, wenn er so hört, was Hardcore-Fans von diesen Breaking News halten: „Je suis Oh-Stralia!“


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...