Der Wahnsinn geht los!

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Der Wahnsinn geht los!

ampelUnd Wien dreht durch, sollte man glauben. Sofern der eurovisionaer auf einige (wenige?) verklemmte Zeitgenossen hören würde. Wie nämlich die internationale Presse berichtet (also weniger die, deren Vertreter seit heute um die dicksten Pressebags oder Teilnehmer-CDs rangeln), hat die Stadt Wien anlässlich des Eurovision Song Contests einige ihrer Fußgängerampeln mit schwulen bzw. lesbischen Pärchen verziert.

Eine kleine, feine Idee, die die Ösis da hervorzaubern – doch auch in der LGBT-Community gibt es nun einige, die das so gar nicht gutheißen. Sie wähnen, die österreichischen Veranstalter – und mit ihr die EBU – wolle den Wettbewerb verschwulisieren, was mittel- bis langfristig dazu führen werde, dass wiederum die straighte Gemeinschaft dem ESC den Rücken zukehren und dieser sein Standing verlieren werde.

Herrje, entfährt es da dem eurovisionaer, der Untergang des Song-Contest-Abendlandes sähe aber anders aus. Zum Beispiel, wenn die geschlechtsneutralen, grauseligen Italo-Tenöre 2015 tatsächlich gewinnen sollten. Und man muß es ja nun nicht unbedingt bei jeder Gelegenheit auf dem Silbertablett drapieren, aber wo wäre denn der ESC heute, wenn nicht die Homos Mitte der Neunziger den Laden am Laufen gehalten hätten? Damals wollte schließlich niemand mehr irische Balladen hören, die Einschaltquoten waren europaweit im Keller, von CD-Verkäufen oder Chartnotierungen ganz zu schweigen.

1998 dann hatten die Briten beim ESC in Birmingham die fabelhafte Idee, den Hallenton ein wenig aufzudrehen und so ganz sachte auf die verbliebenen treuen, schwulen Fans zuzugehen. Deren Begeisterung hat dem Wettbewerb in den Jahren danach erst neues Leben eingehaucht und einen Hype generiert, der den Song Contest mittlerweile für alle Zuschauer – egal, welch sexueller Orientierung zugehörig – wieder zum TV-Event des Jahres werden ließ. Der männliche Showbesucher mit Landesflagge gehört seitdem zum festen Repertoire gelungener Zwischenschnitte und auch die im Fernsehen übertragene Londoner Sause zum 60. Geburtstag wäre wohl eher eine Art Staatsbegräbnis, denn eine rauschende Party geworden.

Wenn nun also zwei Kerle respektive zwei Frauen signalisieren, dass man die Wiener Straßen gefahrlos überqueren darf, ist das eine verspielte Geste der Anerkennung, die niemand überinterpretieren, aber auch nicht unter den Teppich der gesellschaftlichen Belastbarkeit kehren sollte. Danke!

Foto: Reuters


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