Monthly Archives: Februar 2016

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Die Playlist 2016 | Vol 3

Da kann Christer Björkman noch so oft behaupten, dass der klassische Schlager tot sei: Der eurovisionaer hat sich so richtig einlullen lassen und straft mit vorliegendem Ranking alle Experten Lügen. Wer’s nicht glauben bzw. schwarz-auf-weiß lesen mag, dem sei die ebenfalls aktualisierte Spotify-Playlist ans Herz gelegt.

Playlist leiste 2016

0101LATJustsHeartbeat
0203AUTZOËLoin d’ici
0302ESTLauraSupersonic
0405ESPBareiSay yay!
0500UKRJamala
1944
0600GERElla EndlichAdrenalin
0706ESTGreta PaiaStories untold
0800ROMVanotek feat. The Code si GeorgianI'm coming home
0907LITDonny MontellI've been waiting for this night
1009NORThe Hungry Hearts ft. Lisa DillanLaika
1104HUNKarmapolis & Szécsi BöbeHold on to
1200POLNatalia SzroederLustra
1308IRENicky ByrneSunlight
1400BIH width=Dalal & Deen feat, Ana Rucner & JalaLjubav je
1500ICEGreta SalómeHear them calling
1612GERKeømaProtected
1715LATDvinesSet it on Fire
1511FINSandhjaSing it away
1919GERJamie LeeGhost
2000ESTJuri PootsmannPlay
Foto: facebook.com/sirmais.justs/timeline
Grafik: eurovisionaer


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Jamie-Lee. Da weiß man, was man hat

Der deutsche Televoter hält nicht viel von Experimenten und wählt gerne das, was er schon kennt. Mit ihrem Voice-of-Germany-Gewinnersong „Ghost“ gewinnt Jamie-Lee auch die nationale Vorentscheidung 2016 und wird sich nun in Stockholm alle Mühe geben, mehr als null Punkte für ihr Heimatland einzufahren. Das Ziel erscheint – nicht nur vor dem Hintergrund der kürzlich bekannt gewordenen Regeländerungen der EBU – realistisch.

Foto: EBU / Stijn Smulders

Unser Lied für Stockholm – Die Ergebnisse

Superfinale

  1. 44,48% Jamie-Lee Kriewitz – Ghost
  2. 33,94% Alex Diehl – Nur ein Lied
  3. 21,58% Avantasia – Mystery Of A Blood Red Rose

Vorrunde

  1. 28,78% Jamie-Lee Kriewitz – Ghost
  2. 16,19% Avantasia – Mystery Of A Blood Red Rose
  3. 16,12% Alex Diehl – Nur ein Lied
  4. 11,11% Laura Pinski – Under The Sun We Are One
  5. 09,06% Gregorian – Masters Of Chant
  6. 05,52% Luxuslärm – Solange Liebe in mir wohnt
  7. 05,34% Ella Endlich – Adrenalin
  8. 03,32% Keøma – Protected
  9. 02,93% Joco – Full Moon
  10. 01,63% Woods of Birnam – Lift Me Up (From The Underground)


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Wer wird ULFS?

Es ist soweit. Heute Abend will der NDR das unsägliche Naidoogate vergessen lassen und schickt daher zehn mehr oder weniger etablierte Künstler in das Rennen um das deutsche Ticket für den Eurovision Song Contest 2016.

Aus Erfahrung klug geworden, verzichten die Organisatoren gänzlich auf irgendeine Jury (über die im Anschluss garantiert eine wild gewordene Horde von Social-Media-Usern hergefallen wäre) und legen das Schicksal der Veranstaltung einzig in die Hände der Zuschauer. Diese dürfen per Telefon, SMS und erstmals auch per App für ihre Favoriten abstimmen. Und das gleich zweimal, denn die drei Erstplatzierten werden erneut in ein Superfinale geschickt, über das dann der endgültige Televotingsieger bestimmt wird. Sollte ausnahmsweise alles glatt gehen (jeder Künstler musste eine Erklärung unterschreiben, bloß keinen Kümmert zu machen) ist der Zauber, durch den die unverwüstliche Barbara Schöneberger geleitet, um 22.15 Uhr vorbei.

Und ob dann tatsächlich das Manga-Sternchen Jamie-Lee als glückliche Gewinnerin fest stehen sollte, wie es ihre aufgeregten Fanboys seit Monaten in die Welt krähen, oder doch die Meat-Loaf-Gedächtnis-Bombastnummer – wir werden am Ende dieser beispiellos peinlichen deutschen Vorentscheidungssaison endlich Gewissheit haben und einen Deckel auf das Drama der vergangenen Monate machen dürfen.

Alex Diehl – Nur ein Lied
… beweist, wie schnell man in den erlauchten Kreis deutscher Vorentscheidungsteilnehmer aufgenommen werden kann. Als spontane Reaktion auf die Terroranschläge in Paris hatte der bayerische Singer-/Songwriter im November letzten Jahres sein Nicole-Gedächtnis-Rührstück „Nur ein Lied“ geschrieben, flugs mit der Handykamera aufgenommen und auf Facebook hochgeladen.

Avantasia – Mystery of a blood red rose
… reklamieren handgemachte Rockmusik für sich, versteigern sich dann aber eher in Bombastklänge, an denen der selige Jim Steinman seine helle Freude hätte. Sänger Tobias Sammet ist der Kopf der erfahrenen Band, die bereits internationale Charterfolge aufweisen kann. Ob das Experiment gelingt, die Rockfraktion mit dem ESC zu versöhnen, wird sich zeigen. Möglicherweise erleben wir lediglich eine moderne Variante von Dschingis Khan.

Ella Endlich – Adrenalin
… war eingefleischten Schlagerfans bislang als studierte Musicalkünstlerin und Interpretin der Titelmelodie des Films „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ bekannt. Nun aber hat sie offensichtlich nachsitzen und pausenlos Helene-Fischer-Hits anhören müssen, denn ihren Beitrag „Adrenalin“ kann sie seitdem nicht mehr von „Atemlos“ unterscheiden. Dem Publikum heute Abend wird es wahrscheinlich ähnlich gehen.

Gregorian – Masters of chant
… wurde aus der NDR-Schublade „Irgendwas mit Verkleidung“ gezogen. Nach den Priestern, Seeleuten, Mittelaltergaucklern und Mongolen werden nun halt Mönche auf die Bühne geschoben. Dem eurovisionaer unbegreiflich, können sie mit diversen Gold- und Platinauszeichnungen gar auf stattliche Erfolge als Coverband bekannter Hits verweisen. Dem Himmel sei dank, dass sie für die heutige Entscheidung keinen weiteren Chartbuster verwursten dürfen, sondern – den ESC-Regeln entsprechend – ein eigenes Chorwerk an den Start bringen müssen.

Jamie-Lee Kriewitz – Ghost
… ward hochgelobt und gewann im Dezember den Wettbewerb „The Voice Of Germany“. Überraschenderweise schaffte sie im Anschluss mit ihrem Siegertitel „Ghost“ nur Platz 11 der heimischen Verkaufscharts und tourt seitdem mit der Voice-Clique durch Deutschland. Das erklärt vielleicht, warum sie für den ESC keinen neuen Song eingereicht hat. Oder fehlt der 17-jährigen Künstlerin vielleicht doch ein längerer Atem?

Joco – Full moon
… sind zwei studierte Schwestern, die vorgeben, Indie-Pop zu machen und gleichsam damit angeben, ihr im vergangenen Jahr erschienenes Debut-Album „Horizon“ in den Abbey Road Studios London aufgenommen zu haben. Das dürfte in der ESC-Welt allerdings nur lahmes Schulterzucken hervorrufen, folglich gilt ihr Titel „Full Moon“ schon im Vorfeld als Aspirant auf den letzten Platz.

Keøma – Protected
… ist ein deutsch-australisches Duo, dessen Debüt-Album ebenfalls soeben erschienen ist. Gitarre, Bass, Synthies und Gesang sind die Grundzutaten ihrer Musik, mit der sie ein weltoffenes und modernes Deutschland repräsentieren wollen. „Protected“ ist wunderschön chillig und folglich für nächtliche Autofahrten hervorragend geeignet, es dürfte jedoch leider im bunten ESC-Angebot hoffnungslos untergehen. Oder?

Laura Pinski – Under the sun we are one
… ist das neue Mäuschen von Ralph Siegel, der erstmals seit 2005 wieder zu einer deutschen Vorentscheidung eingeladen wurde. Das findet der eurovisionaer ganz lieb vom NDR, auch wenn das musikalische Schaffen des Grand-Prix-Urgesteins mittlerweile niemanden mehr vom Hocker haut. So auch das gewohnt hymnisch-sülzige Tralala „Under the sun we are one“, das die Düsseldorferin, die – man glaubt es kaum – angeblich gar schon einmal im Supertalent-Finale stand, heute zum besten geben will.

Luxuslärm – Solange Liebe in mir wohnt
… kommen aus Iserlohn, was die Band, die sich gerne wie Silbermond anhören möchte, verdächtig unhip erscheinen lässt. Doch immerhin haben die Musiker um Sängerin Jini Meyer bereits eine ECHO-Nominierung, die „1LIVE Krone“ sowie den vierten Platz beim Bundesvision Song Contest im Gepäck, da müssen sie sich wohl auch nicht mehr vor dem ESC fürchten. Und selbst wenn es in der Vorentscheidung schief gehen sollte, so wird der exponierte Fernsehauftritt für gehörige Promotion des gerade veröffentlichten neuen Albums sorgen. Danke Universal für so viel Uneigennützigkeit!

Woods of Birnam – Lift me up (from the Underground)
…ist ein Projekt des Schauspielers Christian Friedel (u. a. „Das weiße Band“) und Musikern der Gruppe Polarkreis 18, dem One-Hit-Wonder aus dem Jahr 2008. Ausgerechnet Til Schweiger haben sie ein wenig Bekanntheit zu verdanken, gehörten sie doch zum Soundtrack seines Films „Honig im Kopf“. Auf ewig lässt sich davon aber wohl auch nicht leben und so wagen sich die intellektuellen Softrocker zum deutschen Song Contest. Allerdings – eine Direktnominierung wäre in diesem Fall wohl sinnvoller gewesen, denn für den internationalen ESC durchaus kompatibel, dürften sie entsprechend der Televoting-Gewohnheiten der bundesdeutschen Fernsehzuschauer die erste ULFS-Runde nicht überstehen.

Grafik: eurovisionaer


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Noch nicht in diesem Jahrhundert angekommen

Um seinen diesjährigen Song-Contest-Vertreter zu bestimmen, hatte das ukrainische Fernsehen für den 21.02. eine Art öffentlichen Schauprozess organisiert, als dessen oberste Richterin die unbarmherzige Ruslana verpflichtet, und das Spektakel unter dem Decknamen „ESC-Vorentscheidung“ viereinhalb Stunden lang per Youtube-Stream live in alle Welt übertragen.

Dem dreiminütigen Vortrag der Einreichungen nämlich schloss sich jeweils ein durchschnittlich halbstündiges Tribunal an, in dessen Verlauf wahlweise Kleiderfragen, nationale Symbole oder die politische Einstellung der Kandidaten ausgiebig hinterfragt bzw. ausdiskutiert wurden, während die betroffenen Künstler den Redefluss der Juroren möglichst demütig über sich ergehen lassen mussten.

Es gewann schließlich der Beitrag „1944„, in dem dessen Autorin und Sängerin Jamala ihren Schmerz um die Vertreibung ihrer tartarischen Großeltern von den Krim in eben besagtem Jahr durch Stalinrussland zum Ausdruck bringt. Das Perfide daran: Der damals und auch heute verhasste Aggressor wird in dem Liedtext nicht explizit erwähnt, lediglich die Jahreszahl stellt Kontext und Aktualitätsbezug her. Und über den wird – so viel ist schon jetzt sicher – beim Festival des politischen Liedes im Mai in Stockholm ausreichend geredet werden. Ukrainisches Kalkül Anno 2016.

Fest steht – Parolen wie das billig-banale „Tick-Tock“ waren gestern. Nach einjähriger Abstinenz möchte die Ukraine nunmehr den paneuropäischen Contest weniger als völkerverbindendes Event, denn als Bühne für den unbändigen Zorn auf den verhassten Nachbarn mißbrauchen nutzen. Da wäre das „Love Manifest“ des Sängers SunSay von der Message her versöhnlicher gewesen. Doch dessen Wahl verbot sich leider von selbst, wie Inquisitorin Ruslana durch beharrliches Nachfragen herausfand: Er gab vor laufenden Kameras zu, Freunde in Russland zu haben.

Foto: Jamalamusic.com


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Revolution in Eurovisionia

Alles neu macht der Mai – zumindest, wenn das schwedische Fernsehen verantwortlich ist. Wie die EBU heute voller Stolz verkündet, steht uns die gewaltigste Neuerung der ESC-Geschichte bevor. Das Voting, der wahre Kult des traditionsreichen Festivals, wie Peter Urban nicht müde wird zu erklären, soll nach vierjähriger interner Diskussion komplett umgekrempelt werden.

Wie immer, wenn hinter verschlossenen Türen bis aufs Blut verhandelt wird, entsteht dabei ein Regelungetüm, dessen tatsächliche Folgen nicht so einfach zu erklären sind. Die EBU hat daher sogleich eine filmische Gebrauchsanweisung produziert, die sich fortan bitte jeder ESC-Fan mindestens einmal täglich zu Gemüte führen sollte:

Was der eurovisionaer von der nahezu perfekten Metamorphose vom Eurovision Song Contest zum Euro-Mello hält… dazu demnächst an dieser Stelle mehr.

Grafik: EBU


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Bescheidenheit war gestern – die Bühne 2016

Optische Täuschungen soll sie erlauben und die Künstler nahezu aufsaugen – die Schweden machen mal wieder Unmögliches möglich und lassen den Rest der Eurovisionswelt nur noch staunen. Heute stellte SVT die Entwürfe der ESC-Bühne 2016 vor, zugleich erläuterte der Produzent der Mega-Show, Sven Stojanovic, ganz unbescheiden, worum es sich bei diesem Glücksfall der Fernsehgeschichte eigentlich handelt:

„It’s really a great looking stage, giving us something that we haven’t seen before. In a way the stage gives us almost unlimited possibilities but at the same time forcing us to think in a new way. Creatively it’s both challenging and inspiring“.

Grafik: EBU / Frida Arvidsson & Viktor Brattström


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Die Playlist 2016 | Vol 2

Die zweite Playlist der Saison 2016 wird von einem neuen Favoriten angeführt und hat auch sonst recht wenig mit dem vorherigen Ranking Ende Januar zu tun. Damit verspricht die Stockholmer Ausgabe doch allmählich ein munterer ESC zu werden als ursprünglich gedacht. Wenn das wahre Leben bloß so wäre, wie sich der rosarote eurovisionaer das erträumt…

Und wer keine Lust hat, Youtube-Videos zu klicken, mag den Spotify-Shuffle starten, muss dann aber beispielsweise auf den Spitzenreiter verzichten…

Playlist leiste 2016

0100LATJustsHeartbeat
0201ESTLauraSupersonic
0300AUTZOËLoin d’ici
0402HUNKarmapolis & Szécsi BöbeHold on to
0500ESPBareiSay yay!
0604ESTGreta PaiaStories untold
0703LITDonny MontellI've been waiting for this night
0806IRENicky ByrneSunlight
0900NORThe Hungry Hearts ft. Lisa DillanLaika
1012BELAdilIn our nature
1114FINSandhjaSing it away
1213GERKeømaProtected
1309ICEKarlottaÓstöðvandi
1410GERAvantasiaMystery of a blood red rose
1500LATDvinesSet it on Fire
1605FINGušani BrothersPoom Poom
1715BELTom FrantzisI'm not lost
1808ESTGo Away BirdSally
1917GERJamie LeeGhost
2007DENMuri & MarioTo stjerner
Foto: facebook.com/sirmais.justs/timeline
Grafik: eurovisionaer


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Jejejejejeje!

Das könnte endlich mal was werden! Bárbara Reyzábal González-Aller, die sich erfreulicherweise einfach Barei nennt, hat am Montagabend die heimische Vorentscheidung mit dem für spanische Verhältnisse recht untypischen Kracher „Say yay!“ souverän gewonnen. Keine große Gesten, kein iberisches Pathos, kein über gefühlte zwanzig Minuten lang gezogener Schrei – konträr zum sonst gerne bevorzugten Muster grazilen Diventums stampfte sich die 33-jährige in ihren Winterchucks über die Studiobühne und bewies, dass sie eine ordentliche Portion Pfeffer im Arsch hat.

Messerscharf erkannt hatten das sogleich zwei zu Rate gezogene Jurys (TVE wollte sein Schicksal wohl partout nicht mehr alleinig in die Hände der launischen Televoter legen), die der Sängerin Top-Wertungen gaben. Und wenn die zappelige Barei ähnlich aufgedreht die Globen Arena rockt, dürfte ihr auch eine Stockholmer Top-Ten-Platzierung nicht zu nehmen sein. Den leiderprobten, heißblütigen spanischen ESC-Anhängern wäre es wirklich zu wünschen!

Foto: TVE


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...