Der NDR hat gefunden

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Der NDR hat gefunden

„Heureka!“ rief der Unterhaltungskoordinator der ARD, Thomas Schreiber, nachdem sich vor wenigen Tagen das im stillen Kämmerlein tagende Gremium des NDR auf die fünf glücklichen, aber bislang unbekannten Kandidaten für den deutschen Vorentscheid 2017 geeinigt hatte.

Hätte ihn doch die plötzliche, freudige Erkenntnis schon Monate zuvor ereilt, als es darum ging, ein neuartiges Konzept für die diesjährige Vorauswahl zu entwickeln! Denn man muss kein notorischer Miesepeter sein, um das Format, was uns nun am 09. Februar erwartet, sagen wir mal mit Argwohn zu betrachten.

Nach den internationalen Pleiten in 2015 und 2016 (Deutschland stand bekanntermaßen zweimal in Folge auf dem letzten Platz des Tableaus) sollte alles besser werden. Vergessen war der hochnotpeinliche und letzten Endes gescheiterte Versuch, mit Xavier Naidoo einen Etablierten der nationalen Musikszene zu verpflichten. Vergessen ebenso die über mehrere Jahre praktizierte Einbindung der Major-Plattenfirmen, die die Veranstaltung vornehmlich dazu missbrauchten, Alben- oder Ticketverkäufe ihrer Künstler zu pushen, an der Marke ESC aber wenig Interesse zeigte.

Da war es naheliegend, in Erinnerungen an die glorreichen Tage zu schwelgen, als ein junges Mädchen aus Hannover die gesamte Nation in einen Song-Contest-Freundentaumel versetzte. Bääääm! – schon war die Lösung für 2017 geboren: Eine Castingshow soll’s richten. Nicht der allseits bekannte Künstler, sondern das eigentliche Herzstück des Wettstreits – das Liedgut – rückt in den Mittelpunkt der heimischen Vorbereitung. Grundsätzlich löblich.

Mittlerweile wissen wir, dass der NDR ganze zwei Songs auf dem europäischen Markt ersteigerte. Diese ZWEI Songs werden jene nun ausgewählten Talente am 9. Februar in unterschiedlichen Versionen zu Gehör bringen. That’s it – eine Formel, die einen anstrengenden Fernsehabend verspricht.

Hinzu kommt, dass – schaut man sich in einem Anfall von Masochismus die schauderlichen Speed-Dating-Interviews auf eurovision.de an – es zwar keinem der Finalkandidaten an gesanglichen Qualitäten mangelt, wohl aber an einer ordentlichen Portion Persönlichkeit. Und machen wir uns nichts vor, gerade Individualität war es, mit der das eher durchgeknallte Fräulein Lena damals in Köln und später in Oslo für Aufmerksamkeit sorgte.

2017 dagegen verspricht biedere bundesdeutsche Normalität und keine Wiederholung des 2010er Glücksgriffs. Einzig die erstmals in einer nationalen Vorausscheidung eingesetzte Eurovisions-App könnte noch für Überraschungen sorgen. Mit ihr dürfen im Netz zuschauende ESC-Fans aus ganz Europa zwar nicht mit entscheiden, wohl aber ein hoffentlich profundes Meinungsbild abgeben.

Mögen sie uns also einen glorreichen Ausweg aus diesem absehbar wenig glamourösen Vorentscheidungsdilemma weisen!

Grafik: eurovisionaer


1 Comment

Hätte – Wäre – Fahrradkette – eurovisionaer

Februar 10, 2017at 6:31 pm

[…] schmeißen wir schnell das Mäntelchen des Schweigens drüber (schließlich hat sich der Blogger an anderer Stelle schon weiß Gott genug über deren mehr als überflüssige Anwesenheit […]

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