Es geht schon wieder los

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Es geht schon wieder los

Während in der Fanblase Auslosungen, Slogans und Logo-Entwürfe mit großem Eifer diskutiert werden, plagt den eurovisionaer unübersehbar eine große ESC-Müdigkeit. Stoisch hat er zum munteren Treiben rund um die Lissabonner Saison geschwiegen, obschon ihm letztendlich der Triumph der israelischen Diva vor einigen Monaten in Portugals Hauptstadt ein Lächeln entlockt hatte.

Die sich anschließende PED überstand er schadlos und genoss statt dessen einen Jahrhundertsommer. Selbst, als die Tage wieder kürzer wurden, hielt sich sein Verlangen, nach ersten Vorentscheidungssongs der Saison zu fahnden, in Grenzen. Sicher, die politisch korrekte Entscheidung für Tel Aviv und damit gegen Jerusalem vernahm er mit Erleichterung. An hektischen Reiseplanungen für den Mai 2019 beteiligte er sich dennoch nicht.

Unter dem Motto „Dare to dream“ will sich die ESC-Community demnächst dort also treffen. Und so schön es ist, wenn man zu träumen wagt, so leer und reproduzierbar sind doch die Ausführungen der ESC-Offiziellen, wenn sie von ihrem diesjährigen Claim schwärmen. Könnte er nicht genauso gut ein brandneues SUV-Modell, eine besonders unsinnige Versicherungsleistung oder die beste jemals getestete Matratze bewerben?

Der ursprünglich so bizarre ESC hat es über die Jahre geschafft, zum formatierten Allgemeingut zu mutieren. Eingebettet in eine immer gleiche Abfolge von Medienevents lockt er mit der Suche nach Austragungsorten, Slogans und Moderatoren, zelebriert eine sinnfreie Insignienübergabe und lässt seine Kandidaten über rote Teppiche stolzieren. Seine TV-Shows gleichen mittlerweile wie ein Ei dem anderen, egal ob in Kiew, Lissabon oder nun eben Tel Aviv. Und zum Sieger des Abends wird mittlerweile längst nicht mehr das beste Lied gewählt, wenn es keine Botschaft zu gesellschaftlichen Aufregern wie „Metoo“ (Netta), Tagespolitik (Jamala) oder Diversity (Conchita) transportiert.

Ach, was waren das für Zeiten, als sich in Brighton Agnetha in ihre blaue Pumphose quälte, Celines Frisörin in Dublin streikte und Lena Meyer-Landrut für Oslo eine extra Lage tiefroten Lippenstift auflegte. Oder als sich Marie Myriam einfach auf eine Londoner Bühne stellte und sang.

Eine ähnlich wehmütige Erinnerung erfasste den Blogger, als er vor kurzem den Beitrag einer jungen Französin entdeckte, die sich im Rahmen einer nationalen Vorentscheidung um ein Ticket nach Tel Aviv bewarb. Selbstverständlich blieb sie hinsichtlich medialer Aufmerksamkeit und Trashfaktor chancenlos, aber was soll‘s, solange es noch solche Momente gibt, die ein flirrendes Licht ins eurovisionäre Einheitsgrau zaubern? Und so ergab sich recht unverhofft eine kleine, aber feine Gelegenheit, diesem vor sich hin dümpelnden Blog ein wenig Leben einzuhauchen.

In diesem Sinne: Good Evening Europe!

Grafik: eurovision.tv


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Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...