Author Archives: eurovisionaer

  • 0

Kiew im Chaos

Hoppla! Drei Monate vor dem Contest tritt das gesamte ukrainische Produktionsteam um Victoria Romanova und Oleksandr Kharebin zurück. In einer heute gemeinsam veröffentlichten Stellungnahme verweisen sie auf Strukturen innerhalb des nationalen TV-Senders UA:PBC. Dort seien seit der Bestellung des neuen Intendanten Pavlo Hrytsak im Dezember 2016 kreative Prozesse beschnitten und Entscheidungen verzögert worden.

Nahezu gleichzeitig gab UA:PBC auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz bekannt, dass alle Vorbereitung nach Plan verliefen und morgen, 14.02.2017, der (zuletzt mehrfach verschobene) Ticketverkauf starte. Angesichts des Planungschaos ist zu vermuten, dass mit dieser Ankündigung einer Verlegung des Wettbewerbs in eine andere europäische Stadt vorgebeugt werden soll.

Die EBU hat zwischenzeitlich beide Meldungen bestätigt – ohne einen weiteren Kommentar zu den Geschehnissen in der Ukraine abzugeben. Nach Meinung von Experten hat sie zu lange an Kiew fest gehalten, so dass es nunmehr in der Kürze der Zeit schwierig werden dürfte, die Festival-Logistik einem anderen europäischen TV-Sender zu übertragen (wenngleich das ukrainische Fernsehen für genau diesen Fall 15 Millionen Euro an Sicherheiten hinterlegen musste). Möglicherweise werde sie daher auf ein paneuropäisches Produktionsteam drängen, das die Übertragung des Events im Mai gewährleisten soll – es allerdings in Kiew belassen.

Update: Später am Abend erreicht die eh schon aufgelöste Fanschar eine weitere Hiobsbotschaft. Anders als in den Vorjahren erhalten die OGAE-Fanclubs weder Ticketkontigente noch die heißbegehrten Fan-Akkreditierungen, die in den Vorjahren der stalkenden Anhängerschaft Zugang zum Euroclub ermöglichten. Allmählich wird wohl der letzten treuen Seele klar, was die ukrainischen Organisatoren im Schilde führen, indem sie die stets so freudig erregten, fröhlich verkleideten – leider aber auch zumeist erkennbar schwulen – ESC-Maniacos  aus dem Bühnenvorraum verdrängen – sie wollen (wie schon ihre Moskauer Kollegen 2009) ein möglichst heterosexualisiertes, dem eigenen, eingeschränkten Weltbild entsprechend durchchoreografiertes Wettbewerbsszenario erschaffen, welches die werte Bildregie am 13. Mai bitteschön in alle Welt übertragen darf. Danke, liebe EBU, dass du dich von Beginn an auf diese Schmierenkömodie eingelassen und deine treue LGBT-Gefolgschaft verraten und verkauft hast!


  • 0

Italien macht den Affen

Sonntagnacht – Wenige Stunden, nachdem die Siegerpodeste in San Remo verräumt waren, gab die italienische RAI bekannt, dass ihr überraschender Festivalgewinner Francesco Gabbani auch nach Kiew reisen möchte. Diese – von vielen sehnsüchtig erwartete – Nachricht löste in der ESC-Community eine Begeisterung aus, die zuletzt ein Herr Rybak aus Norwegen lange vor dem eigentlichen Contest anno 2009 entfachte.

Gabbani, eigentlich noch ein Neuling der italienischen Musikszene, hat alles, wonach es der gierigen Fanschar in dieser bislang äußerst mittelmäßigen Vorsaison so sehr dürstet: ein Kracher von einem – gar modernen – Lied, das, in eine sympathische Bühnenshow mit origineller Choreo eingebettet, komplett vom Charme und der Präsenz des Sängers getragen wird. Von Dublin bis Moskau überschlagen sich die ESC-Nerds – meistens mit dem richtigen Riecher für solch seltene Fälle ausgestattet – mit Lob. Braucht es da noch einen Hinweis, dass auch der eurovisionaer außer Rand und Band und aus dem Häuschen ist?

Der Clou: Was so fröhlich über die Bühne geht, ist in Wahrheit Gabbanis bitterböse und gleichsam kluge Beschreibung unserer modernen Gesellschaft: in der Intelligenz schlichtweg aus der Mode gekommen, Menschlichkeit allenfalls virtuell und Körperlichkeit verpönt bzw. steril sei. Sein Fazit: Die Evolution stolpere, denn während wir, die nackten Affen, in den Untergang tanzten, stünden unsere Vorfahren, die Primaten, bald wieder bereit. Dazu hebt der schöne, schelmische Francesco, stets synchron mit einem gleichermaßen gelenkigen Gorilla, abwechselnd das Bein und fuchtelt wild mit den Händen – so wie mittlerweile halb Italien: das postet seit vergangener Woche landauf, landab Handyvideos mit dem Gabbani-Tanz.

Und Resteuropa wird es ihm in drei Monaten mit einem breiten Grinsen im Gesicht gleich tun. Jede Wette!


  • 0

Die eurovisionaere Playlist 2017 | Vol 1

Gestern hat er sich noch aufgeregt, dass beinahe der Arzt kommen musste, heute spielt er schon wieder mit seinen Lieblingen. Später als sonst listet der eurovisionaer endlich die bislang besten Angebote des aktuellen ESC-Jahrgangs in einer kleinen, seiner Meinung nach feinen Hitparade. Achtung, Insiderinfo: Ungewöhnlich lange hatte der Hausherr mit Kiew und dessen Beiträgen gefremdelt, doch allmählich klappt’s mit den beiden und so kommen sie nun doch noch in der jungen, nach oben weiterhin luftigen Saison zusammen.

Und, jepsipepsi, er hört Euch schon rufen: „Da meckert der lautstark über das deutsche Geplümpel und kommt dann mit so nem Kram um die Ecke!?!“ „Peace, Leute!“ entgegnet er dann tiefenentspannt, den Trinkspruch der heiligen ESC-Gänseliesel Linda Martin auf den Lippen: „It’s just a Song Contest…“

Wie immer gibt’s das (vorerst leider unvollständige) Gedönse als Spotify-Liste

Foto: etv / Grafik: EBU, eurovisionaer

01ESTKoit Toome & LauraVerona
02FINNorma JohnBlackbird
03ITAFrancesco GabbaniOccidentali's Karma
04ICERósinkranz & BærendsenYou and I
05FRAAlmaRequiem
06ESPLeKleinOuch!
07UKRKuznetsovDeep Shivers
08ESTAriadneFeel me now
09LATUpOne by one
10HUNSoulwaveKalandor
11LITGreta ZazzaLike I love you
12ESTThe Alvistar Funk AssociationMake Love not War
13CHTimebelleApollo
14GEOTako GachechiladzeKeep the Faith
15ICESólveig ÁsgeirsdóttirTrust in me
16ICEDaði Freyr PéturssonIs this Love
17BLRNaviHistoryja majho zyccia
18UKRLalikoSugar Whisper
19LAT
Triana ParkLine
20ICEHalldórsson & BorgarsdóttirGet back


  • 2

Hätte – Wäre – Fahrradkette

Man glaubt es kaum, aber selbst die heimische ESC-Blase ist für Überraschungen gut. Setzt sich doch gestern die etwas schnodderig wirkende Isabella Levina Lueen gegen den im Vorfeld favorisierten und deswegen wohl furchtbar unglücklich dreinschauenden Axel Feige durch. Und kann dabei auch noch mehr als passabel singen!

Und doch – glücklich macht sie die deutschen Fans nicht, die nunmehr den schwarz-rot-goldenen Hattrick beim Song Contest befürchten, nachdem sie – auf einer Welle des Defätismus reitend – Deutschland den dritten letzten Platz in Folge prognostizieren.

Wie kann das passieren? Es liegt nicht an Levina. Verglichen mit ihren vier Mitstreitern, die allesamt besser in einer Karaokebar, denn in einer Vorentscheidung aufgehoben gewesen wären, musste sie ganz einfach glänzen. Es war nämlich die erste Runde mit den Coversongs (und hier irrte sich der eurovisionaer im Vorfeld ganz böse), die wir rückblickend als Glücksfall bezeichnen dürfen. Dort wagte sich Levina an Adeles überlebensgroßes „When we were young“ heran und empfahl sich dem geneigten Publikum für höhere Contest-Ehren.

Doch dann musste sich die tapfere Bewerberin durch die beiden vom NDR zur Wahl gestellten Songs für Kiew quälen und das Drama nahm seinen Lauf. Herr Schreiber hätte es die Kombattanten fünfzig mal singen lassen können – „Wildfire“ und „Perfect Life“ waren und sind mit keinem Arrangement der Welt ESC-Hits, sondern allemal ganz okaye Albenfüller. Und dass die so ganz und gar nicht funky aufspielende Heavytones-Kapelle ihr Scherflein zur Katastrophe beitrug – schmeißen wir schnell das Mäntelchen des Schweigens drüber (schließlich hat sich der Blogger an anderer Stelle schon weiß Gott genug über deren mehr als überflüssige Anwesenheit aufgeregt).

Am Tag danach wird in den Fanforen wild diskutiert. Hätte sie doch bloß und wäre doch nicht – alles Makulatur. Selbst wenn der NDR plötzlich eine Überarbeitung des Titels andeutet (und so sein eigenes Konzept vollends in Frage stellen würde) – es wird nichts helfen. An dem Song ist nach ESC-Maßstäben nichts mehr zu retten, mag er auch genug Radioeinsätze und ausreichend Downloads generieren. Wieder einmal wird eine recht interessante Sängerin mit seicht dahinplätscherndem 08/15-Pop ins Verderben nach Kiew geschickt werden.

Gäbe es nicht Wichtigeres auf der Welt, einem jahrzehntelangen Fan wie dem eurovisionaer könnte es die Tränen in die Augen treiben. Schafft es der verantwortliche NDR doch schon seit Jahren, den ESC-Karren mit voller Wucht gegen die Wand zu fahren. Alljährlich werden andere, nicht den Hauch von Innovation versprühende Formate erprobt, werden die ach so wichtigen Major-Plattenfirmen hofiert und kübelweise durchschnittliche Radiomucke über die stets hoffenden Fans ausgeschüttet. Währenddessen hat es sich eine kleine Clique in der Redaktion des NDR ganz kuschelig gemütlich gemacht, zaubert sie doch seit gefühlten Ewigkeiten den immer gleichen deutschen ESC-Eintopf auf den Tisch. Den öden Warm-Upper von der Reeperbahn, das wenig Varianten kennende Kommentar-Gemurmel des einstmals ehrenwerten Herrn Urban, die Abschiebehaft der Song-Contest-Semis auf irgendwelche Spartenkanäle. Und. Und. Und.

Es reicht. Den Verantwortlichen – und damit leider auch der smarten Levina – ist für Kiew kein Glück zu wünschen, damit dieses Gemurkse endlich mal ein Ende hat. Denn eins hat das gestrige Vorentscheidungsfanal eindrucksvoll bewiesen: der ESC verfügt in diesem Land – auch außerhalb der Kölner Fernsehstudios – über ein eigentlich beachtliches Potenzial: über eine wunderbar enthusiastische, treue Fanbase; über Social-Media-Kanäle, die randvoll mit eurovisionären Diskussionen sind; selbst über eine heimische Presse, die (erinnern wir uns an die Lena-Euphorie) nur darauf wartet, ein Eventfeuerwerk wie zum Beispiel im festivalverwöhnten Schweden zu entzünden. Diese Reserven wird die bestehende NDR-Mannschaft niemals nutzen.

Oder, wie es die stets loyale Barbara Schöneberger gestern ganz nebenbei richtig formulierte: Macht den Eurovision Song Contest endlich richtig groß in Deutschland!


  • 0

Unsere beiden Songs

Nicht nur Lena Meyer-Landrut wird heute Abend ein Déjà-vu erleben, weiß sie doch, was passiert, wenn die Heavytones einen potentiellen ESC-Song in die Finger kriegen. Doch anders als vor sieben Jahren, als die Combo „Satellite“ in die Mangel nahm und der treue Vorentscheidungszuschauer auf der Basis der Live-Versionen eine schwere Wahl treffen musste, glänzt das dieser Tage nicht nur an dieser Stelle heftig kritisierte Format „Unser Song“ ausnahmsweise mit einer lobenswerten Vorabveröffentlichung aller 2017-er Studioversionen. Der Blogger empfiehlt: reinhören! Denn offensichtlich liegen bei manchen Arrangements Welten zwischen Live- und Studiofassung.

Weiterhin problematisch allerdings bleibt der Umstand, dass heute nur fünf der zehn Lieder überhaupt ihre TV-Premiere erleben werden (dem dösigen NDR-Wertungsmodus sei Dank). Wer die Eurovisionscommunity kennt, der ahnt: Fetter Ärger dürfte vorprogrammiert sein, wenn sich nach der ersten nächtlichen Euphorie morgen herausstellen sollte, dass ein ganz besonderes Juwel erst gar nicht in die Zwischenauswahl kam. Wobei – so dolle ist die Wahl zwischen Pest und Cholera das musikalische und gesangliche (Sonder-)Angebot letztlich nun auch wieder nicht.

Der eurovisionaer wünscht einen hoffentlich KURZweiligen Fernsehabend!


  • 1

Präfaktisches Wissen zu „Unser Song 2017“

  • Am 9. Februar geht’s um 20.15 Uhr los.
  • Die gesamt Show dauert 3 Stunden.
  • Die mittlerweile jedem ESC-Fan zwischen Hammerfest und Gibraltar vertraute Barbara Schöneberger moderiert den Wahnsinn in Zahlen.
  • 5 Kandidaten (Yosefin Buohler, Axel Maximilian Feige, Felicia Lu Kürbiß, Isabella „Levina“ Lueen, Helene Nissen) wollen unser Star für Kiew werden.
  • Den gesamten Abend über kommentiert die Jury (Lena Meyer-Landrut, Tim Bendzko, Florian Silbereisen) jeden einzelnen Auftritt, um die Zuschauer zu beeinflussen. Offiziell hat ihre Stimme aber keine Relevanz.
  • Jeder Anruf kostet den entscheidungsfreudigen Zuschauer 14 ct.
  • Die beim Blogger schlecht gelittenen Heavytones begleiten die Sänger und Sängerinnen live im Kölner Studio.
  • In Runde 1 covern die 5 Teilnehmer einen Song ihrer Wahl (egal, ob Eurovision oder sonst ein Kram), 2 sind sofort raus, ehe es überhaupt um den ESC-Beitrag geht.
  • Ab jetzt gibt es 2 brandneue Melodien für Kiew, die der NDR für teures Geld eingekauft hat.
  • Nach voraussichtlich 45 Minuten sackt die Quote der Sendung in den Keller.
  • Die 2 Songs heißen „Wildfire“ und „Perfect Life“.
  • Lindy Robbins, Dave Bassett und Lindsey Ray haben „Perfect Life“ verbrochen. Der Song liegt ihnen besonders am Herzen.
  • Zwischendurch singen die unvermeidliche Ruslana, Conchita und Nicole Grand-Prix-Klassiker
  • Die internationale ESC-Community darf mitwerten, allerdings gilt ihr Votum nur als Empfehlung für den deutschen Televoter.
  • Runde 2: 3 Kandidaten singen den ersten Titel in verschiedenen Versionen, 1 Sänger scheidet aus.
  • Hinter „Wildfire“ stehen die Norwegerin Marit Larsen, Greg Holden und Tofer Brown. Sie behaupten „ihr Lied sei ein kleines Juwel“.
  • Weil Ruslana ewig Lang die Schönheiten der Ukraine lobpreist, wird die Sendezeit um 2 Stunden überzogen. Nicole muss ihren Tisch beim Italiener absagen.
  • Runde 3: 2 Kandidaten singen den zweiten Song.
  • Runde 4: Das Televoting hat entschieden, welcher Sänger mit welchem Song aus Runde 3 und 4 am besten gefallen hat. Diese beiden (Songs oder Sänger) dürfen jetzt im klassischen Superfinale noch einmal ran; der Zuschauer entscheidet, welches Paket ihm am besten gefällt.
  • Nach dem ganzen Theeeee-ater, Theater stehen Titel und Interpret für Kiew fest (sofern er / sie nicht zurückzieht).
  • Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird der Song beim ESC abschmieren und nicht einmal ein Radiohit in Deutschland werden.
  • Nach diesem ausgeklügelten, aber von niemandem mehr nachvollziehbaren Vorentscheidungsmodus streicht der NDR vollends die Segel. Ab 2018 darf sich dann der WDR um den blöden ESC-Scheiß kümmern.
Foto: eurovision.de


  • 0

Wenn der Vitali mit der Ruslana… die Auslosung

Im Rathaus zu Kiew hat die EBU heute in Anwesenheit des Bürgermeisters Vitali Klitschko und der seligen Ruslana die Zuordnung der Kleinen-37, die sich erst über Vorrunden ins grandiose ESC-Finale am 13. Mai 2017 kämpfen müssen, ausgelost. Der Insider spricht vom Allocation Draw. Das erfüllt zwar selten die selbst gesetzten Vorgaben, allzu nachbarschaftliches Wertungsverhalten zu unterbinden (weil immer mal wieder arg befreundete Staaten trotzdem aufeinander treffen), ist aber vom Showfaktor aus betrachtet auf dem besten Wege, so groß wie die Auslosung zur Fußball-WM zu werden.

Und – trotz der bislang erst fünf gesetzten Kiew-Beiträge – animiert sie die Hardcore-Fanschar sogleich, die Glaskugel hervorzuholen und gar düstere Prognosen für so manchen Favoriten zu verkünden. Daran mag sich der eurovisionaer zwar nicht beteiligen, wohl aber fragt er sich, wie sehr sich Deutschland – präziser formuliert der verantwortliche Sender NDR – in der EBU-Führungsetage eingeschleimt haben muss, um jedes Jahr aufs Neue ein automatisches Wertungsrecht für Semifinale 2 zu erhalten. Wenn er zum Schluss dann doch den ganzen unnötigen ESC-Kram (wie Semifinale 1 & 2) lieber wieder auf irgendeinen Spartensender versteckt schiebt und nur die fetten Finalquoten einsacken mag?

Beenden wir den kleinen Blogabend mit dieser offenen Frage.


  • 0

Ganz nah dran

Da liegen die Ukrainer angeblich monatelang auf der faulen Haut, auf dass selbst Bild.de schon wettert, dass der Contest den Osteuropäern entzogen gehört, und nun purzeln quasi minütlich Breaking News zum Song Contest 2017 auf uns ein. Gestern das Logo, der Slogan, heute die Bühne, die der ehrenwerte Florian Wieder entworfen hat: Der alte Hase des Zeichenstifts war bereits für das Stage-Design in Düsseldorf, Baku und Wien verantwortlich und zaubert nun laut eurovision.tv die Ukraine in den Mittelpunkt Europas:

The design for 2017 symbolises Ukraine being the centre of Europe in May and allows fans to be as close to the performers as possible. The dynamic stage design, which incorporates multiple media surfaces, will create a unique setting for each act, allowing every performer to shine on the night.

Doch auch das Skizzenpapier ist geduldig: Bleibt abzuwarten, wie er die zugegeben schmucke Präsentationsfläche in die doch eher piefige Kiewer Messehallen verfrachtet.



  • 1

Der NDR hat gefunden

„Heureka!“ rief der Unterhaltungskoordinator der ARD, Thomas Schreiber, nachdem sich vor wenigen Tagen das im stillen Kämmerlein tagende Gremium des NDR auf die fünf glücklichen, aber bislang unbekannten Kandidaten für den deutschen Vorentscheid 2017 geeinigt hatte.

Hätte ihn doch die plötzliche, freudige Erkenntnis schon Monate zuvor ereilt, als es darum ging, ein neuartiges Konzept für die diesjährige Vorauswahl zu entwickeln! Denn man muss kein notorischer Miesepeter sein, um das Format, was uns nun am 09. Februar erwartet, sagen wir mal mit Argwohn zu betrachten.

Nach den internationalen Pleiten in 2015 und 2016 (Deutschland stand bekanntermaßen zweimal in Folge auf dem letzten Platz des Tableaus) sollte alles besser werden. Vergessen war der hochnotpeinliche und letzten Endes gescheiterte Versuch, mit Xavier Naidoo einen Etablierten der nationalen Musikszene zu verpflichten. Vergessen ebenso die über mehrere Jahre praktizierte Einbindung der Major-Plattenfirmen, die die Veranstaltung vornehmlich dazu missbrauchten, Alben- oder Ticketverkäufe ihrer Künstler zu pushen, an der Marke ESC aber wenig Interesse zeigte.

Da war es naheliegend, in Erinnerungen an die glorreichen Tage zu schwelgen, als ein junges Mädchen aus Hannover die gesamte Nation in einen Song-Contest-Freundentaumel versetzte. Bääääm! – schon war die Lösung für 2017 geboren: Eine Castingshow soll’s richten. Nicht der allseits bekannte Künstler, sondern das eigentliche Herzstück des Wettstreits – das Liedgut – rückt in den Mittelpunkt der heimischen Vorbereitung. Grundsätzlich löblich.

Mittlerweile wissen wir, dass der NDR ganze zwei Songs auf dem europäischen Markt ersteigerte. Diese ZWEI Songs werden jene nun ausgewählten Talente am 9. Februar in unterschiedlichen Versionen zu Gehör bringen. That’s it – eine Formel, die einen anstrengenden Fernsehabend verspricht.

Hinzu kommt, dass – schaut man sich in einem Anfall von Masochismus die schauderlichen Speed-Dating-Interviews auf eurovision.de an – es zwar keinem der Finalkandidaten an gesanglichen Qualitäten mangelt, wohl aber an einer ordentlichen Portion Persönlichkeit. Und machen wir uns nichts vor, gerade Individualität war es, mit der das eher durchgeknallte Fräulein Lena damals in Köln und später in Oslo für Aufmerksamkeit sorgte.

2017 dagegen verspricht biedere bundesdeutsche Normalität und keine Wiederholung des 2010er Glücksgriffs. Einzig die erstmals in einer nationalen Vorausscheidung eingesetzte Eurovisions-App könnte noch für Überraschungen sorgen. Mit ihr dürfen im Netz zuschauende ESC-Fans aus ganz Europa zwar nicht mit entscheiden, wohl aber ein hoffentlich profundes Meinungsbild abgeben.

Mögen sie uns also einen glorreichen Ausweg aus diesem absehbar wenig glamourösen Vorentscheidungsdilemma weisen!

Grafik: eurovisionaer


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...