Artikel 2013

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Nachgetreten

In der Stuhlkreisrunde „3 nach 9“  durfte sich dieser Tage Stefan Dettl, Sänger der Gruppe „La Brass Banda“, lang und breit zu seinem Vorentscheidungstrauma äußern. Es war mal wieder eine gewohnt heuchlerische Talk-Inszenierung. Denn während sich Moderator Giovanni di Lorenzo nach Leibeskräften mühte, das ach so ungerechte Endergebnis zu skandalisieren – und dabei von einer geifernden und wohl noch aus der letzten Diskussion dort sitzenden Claudia Roth lautstark unterstützt wurde – versuchte Dettl den Ball halbwegs flach zu halten. Wohl wissend, dass das Radiovoting von seiner Fanbase maßgeblich beeinflusst wurde und auch das Televoting allein nicht vor der ach so ignoranten Jury geschützt hätte. Aber der öffentlich-rechtliche Rundfunk verdreht da ganz gerne mal die Tatsachen. Und auch der bajuwarische Barde konnte es nicht lassen, das Hohelied der (bei der Eurovision verpönten) Live-Musik zu preisen und sein Credo „Wettbewerbe und Musik passen einfach nicht zusammen“ runterzubeten. Na, dann kann er ja froh sein, dass ihm das alles, einschließlich Malmö, erspart blieb. Und uns auch!


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Eurovisionaer goes Europe

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Yeah, you can dance, you can jive! Das diesjährige DJ-Set „Remixed 2013“ erfreut so manche ESC-Dancing-Queen quer durch Europa! In den letzten Tagen erschienen u.a. in Großbritannien, Irland und Spanien sehr liebe Hinweise auf des eurovisionaers mixerisches Treiben, für die er sich bei den Bloggern ganz herzlich bedanken möchte. Party for everybody!

Foto: little_fella_dynamics / flickr


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Äpfel und Birnen

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Bereits vor einigen Tagen hat die EBU – wohl auch, um den Dampf aus der von vielen Ländern monierten Punktevergabe zu nehmen – stolz die gesplitteten Ergebnisse des 2013-er Contest veröffentlicht. Erstaunlich, denn so schnell war man in der Genfer Zentrale noch nie! Fans des Wettbewerbs lieben Statistiken und versuchen seit der Wiedereinführung der Jurys als Korrektiv des angeblichen Diaspora- und Nachbarschaftsvotings im Jahr 2009 aus den jeweils separierten Wertungstabellen abzulesen, welche unterschiedlichen Vorlieben Zuschauer und Juroren an den Tag legen (und welche Konsequenzen das auf das Endergebnis hat).

Doch anders als bisher wurde 2013 erstmals ein Ranking erstellt, das alle 26 Finalbeiträge in eine Reihenfolge setzte, welche wiederum erst später in die allseits bekannte Punkteskala 1-12 umgerechnet wurde. Ob nun ein Jurymitglied allen Ernstes begründen kann, warum er oder sie ein Lied auf Platz 18 statt auf 23 setzte, mag ernsthaft bezweifelt werden. Auch haarsträubende Wertungsabsurditäten wie z.B. in Italien, wo Rumänien im Televoting zwar gewann, im Finale jedoch nur einen Punkt erhielt und dementsprechend offensichtlich von der Jury durchgereicht wurde, nähren den Verdacht, dass das neue System nicht so ausgewogen ist, wie es vorgibt zu sein.

Das nun publizierte Splitvoting bezieht sich daher auch nur auf die Gesamtrankings beider Sparten (Zuschauer und Preisrichter) und gibt folglich so gut wie überhaupt keinen Aufschluss darüber, wie die Nationen im Einzelnen abgeschnitten haben. Die totale Vernebelung der Ergebnisse ist wohl mittlerweile auch Sinn und Zweck jeder neuen EBU-Regel, folglich hätte sie sich die Pseudo-Transparenz mit der Herausgabe dieser Abrechnung ebenso schenken können.

Foto: pixabay


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Das war’s

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Bereits am Morgen nach dem großen Finale verabschiedet sich Malmö vom Eurovision Song Contest, indem es eiligst alle WE-ARE-ONE-Flaggen einfährt und stolz per Banner auf das nächste Großereignis der Stadt hinweist. Die Ausstellung „24 Spaces“ für nicht-kommerzielle Kunstaktionen (ist das nicht ein Pleonasmus?) trägt den Untertitel „A Cacophony“.  Treffender als mit dieser Losung hätte das diesjährige europäische Wettsingen kaum ausklingen können…

Lag es daran, dass die Schweden nicht nur vieles anders, sondern auch alles besser machen wollten? Einiges hat funktioniert, wie zum Beispiel die Einbindung der Fans, indem SVT sie auf den aus der Not geborenen Stehplätzen zur lebendigen Kulisse werden ließ, die den wunderbaren Catwalk umrahmte. Und den abzuschreiten offensichtlich jeder Künstler vertraglich verpflichtet wurde… Auch die so genannten Postcards – die Filme, die während des Bühnenumbaus zwischen den Auftritten eingespielt werden – waren eine Wohltat, da sie anders als noch in Baku ganz untouristisch und nichtnationalistisch daher kamen und den Fokus auf die Künstler legten.

Doch sonst? Das pompöse und endlos lange Opening mit dem jeweils von Fahnenträgern angeführten Einmarsch der Nationen zur eigens komponierten feierlichen Hymne? Die Eurovision wird endlich zur Gesangsolympiade! Das aber heizt den stets latent vorhandenen Nationalstolz einiger Länder erst recht an und steht im krassen Gegensatz zum angeblich unpolitischen Selbstverständnis der Veranstaltung. Die Moderatorin? Erstmals seit Jahren war sie wieder alleinig für den gesamten Abend verantwortlich. Schwierig jedoch, wenn man sich dann gerade mit ihr als Gastgeberin nicht so richtig anfreunden kann. Die Bühne? Unspektakulär reiht sie sich in die der Vorjahre ein. Ob nun 2013 Projektoren statt LEDs eingesetzt werden, erschließt sich dem unbedarften Zuschauer nicht wirklich. Die Beiträge? Nun gut, dafür können die Schweden bis auf eine Ausnahme nichts. Die Pausenacts? Viel zu viele. Darunter eine selbstverliebte 50er-Jahre Revue der Gastgeber, mit der Resteuropa wohl wenig anfangen konnte, und eine für alle Nicht-Anglomaniacs häufig unkomische Pseudo-EBU-Botschafterin. Und letztlich ein chaotisches Voting, dem wohl nicht nur die oft zitierte finnische Hausfrau nicht immer folgen konnte.

public viewingleer
Schade. Eigentlich mag ich den Song Contest sehr. Und gerade von den eurovisionsverrückten Schweden hatte ich – sagen wir mal – mehr Impulse erwartet. Doch anders als beim geerdeten Rudelgucken in der Malmöer Innenstadt macht das Zuschauen am Fernseher keinen rechten Spaß mehr. Seelenlos ist vielleicht die passendste Beschreibung der 2013-er Ausgabe. Mehr oder weniger routiniert haben die Skandinavier ihre Hausaufgabe heruntergespult und verschämt am nächsten Tag weggeräumt.

Die in diesem Jahr erstmals angewendete selbstgebastelte Startreihenfolge, die 2009 geschehene Wiedereinführung und der seitdem alljährlich wachsende Einfluß der Jurys sowie die immer mehr dem gleichen Muster folgenden Musikbeiträge sind nur einige Beispiele für ein stetig geglättetes und kommerzialisiertes Format, bei dem Marktanteile und Profit, weniger jedoch Experimentierfreude und (skurrile) Eigenart im Vordergrund stehen. Insofern haben die EBU und Schweden als Gastgeber alles richtig gemacht. Und ich träume weiter.

Fotos: eurovisionaer


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Mal wieder durchgemogelt?

AZBAzerbaijan – twelve Points! Das haben wir vergangenen Samstag zehnmal gehört. Abgesehen von den üblichen Verdächtigen Russland und Georgien kamen sie ebenso wieder aus Bulgarien, Malta und Litauen. Insbesondere die Höchstwertung aus der baltischen Republik sorgt dieser Tage für Aufmerksamkeit, nachdem einen Abend vor dem großen Finale ein litauisches Video auftauchte, dass einen angeblichen Deal zu Gunsten Aserbaidschans dokumentierte. Dabei sollen größere Geldbeträge denjenigen versprochen worden sein, die im Gegenzug am Samstag – und mit entsprechenden SIM-Karten versorgt – für den kauskasischen Staat anrufen.

Ähnliche Vorwürfe gab es bereits letztes Jahr, als sich Verantwortliche des zypriotischen TV-Senders CyBC wunderten, dass dem aserbaidschanischen Beitrag acht Punkte aus Zypern zuteil wurden, obschon die Jury dem Song keine Stimme gab. Eine Beeinflussung des Televotings scheint in bevölkerungsärmeren Staaten, gerade wenn diese nicht am Finale teilnehmen und daher über wenig Zuschauerresonanz verfügen, besonders erfolgversprechend zu sein. Bis heute ist nicht bekannt, ob die EBU den damaligen Fall untersuchen ließ.

Am vergangenen Sonntag, kurz nachdem das zuvor erwähnte Video publik wurde, gingen nun die Aseris selbst in die Offensive: Sie reklamieren nun ebenfalls Unstimmigkeiten beim Malmöer Voting, weil nämlich der Bruderstaat Russland am Samstag keine Punkte aus Baku erhalten hatte, obschon die Jury angeblich „eine hohe Punktezahl“ an die russische Sängerin vergeben habe. Der (für seine Nähe zur Demokratie nicht gerade bekannte) Präsident Aliyev solle nun höchtspersönlich eine erneute Stimmenauszählung vorantreiben. Zur gleichen Zeit bevölkern aserbaidschanische „Fans“ diverse Internetforen und werfen den armenischen Anhängern vor, sie hätten das Video fingiert, um dem Nachbarstaat zu schaden.

Das liest sich in der Summe wie ein gelungener Kindergeburtstag, könnte dem Wettbewerb letztlich aber erheblich schaden, zumal man westlich von Berlin nicht müde wird, alljährlich Schiebung und Nachbarschaftshilfe hinter den eigenen schlechten Platzierungen zu vermuten. Dennoch ist es erstaunlich, dass die EBU heute offiziell nochmals die Richtigkeit der aserischen Punktevergabe bestätigte und darüber hinaus die Manipulationsvorwürfe kommentierte, wo sie doch sonst derartige Meldungen einfach aussitzt:

„Sollten wir Beweise dafür finden, dass Regeln gebrochen wurden, einschließlich versuchter Power-Votings, werden wir unverzüglich das tun, wozu wir unseren Mitgliedern gegenüber verpflichtet sind: die Marke Eurovision Song Contest zu schützen.“

Ob den Worten Taten folgen, werden wir sehen. Sollte sich der Stimmenkauf jedoch bewahrheiten, ist die Lösung des Problems ganz einfach: die Aseris – und alle anderen, die es ihnen gleichtun – in hohem Bogen vor die Tür setzen!

Update: Mittlerweile nimmt die Auseinandersetzung immer skurrilere Formen an. Nun hat sich auch Weißrussland zu Wort gemeldet. Dessen Präsident Alexander Lukashenko zweifelt ebenfalls an der Rechtmäßigkeit der Ergebnisse, da sein Reich aus Russland keinen einzigen Punkt erhalten habe. Allmählich wird immer deutlicher, welche Vorstellungen einige osteuropäische Länder von einem fairen Wettbewerb tatsächlich haben. Die EBU sitzt in der Falle, wenn sie nicht schnellstens alle nationalen Wertungen veröffentlicht und das Verhältnis zwischen Televoting und Juryabstimmung transparent macht. Daran, dass der Eurovision Song Contest nicht allein munteres Wettsingen, sondern seit Jahren auch zu einer politischen Bühne verkommen ist, wird das jedoch nichts ändern.

Grafik: eurovisionaer


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Danke Lena!

…da regt sich dreiviertel Deutschland über den Landrutschen Verhaspler auf und vergisst, dass wir uns mit unseren 12-Punkten an lovely Hungary endlich mal als äußerst geschmackssicher outen. Und ganz nebenbei relativieren wir so unsere diesjährige Vorliebe für Dorfdiscomukke (mit der – wie wir seit Samstag wissen – eh ziemlich alleine in Europa dastehen…). Bravo!


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Die Eurovision zieht 14 km weiter…

Die Dänin Emmelie de Forest gewinnt mit „Only Teardrops“ den Eurovision Song Contest 2013 im südschwedischen Malmö und sorgt dafür, dass dieser auch 2014 am Öresund verbleibt.

Emmelie de Forrest gweinnt den ESC 2013
Foto: Sander Hestermann / EBU

Mit dem wohl längsten Finale der Geschichte des Eurovision Song Contests hat Malmö den gefühlten Münchener Rekord aus dem Jahr 1983 eingestellt und auch beim Intervalact orientierten sich die Skandinavier offenbar an der unvergessenen Marlene Charell. Dennoch, die schwedische Moderatorin Petra Mede war sicherlich nicht die Schwachstelle des diesjährigen Konzeptes, das mit so vielen Neuerungen den Wettbewerb reduzieren und zugleich modernisieren wollte. Mehr dazu hier.

Das von Pannen und im Nachhinein von Skandalen durchzogene Voting brachte letztlich nach dreieinhalb Stunden Show ein Ergebnis zu Tage, dass Fans, Wettbüros und uns Eurovisionären (tja, die Home Edition…) schon seit Wochen bekannt war: Emmelie aus dem Wald hatte jetzt auch Europa mit ihrem 08/15-Schlager „Only Teardrops“ überzeugen können. Loreen hab sie selig! Mutigere Gesangsversuche wie die aus Ungarn und den Niederlanden schafften es dagegen nur ins Mittelfeld. Der Jahrgang 2013 blieb also das, was wir von den Schweden am wenigsten erwartet hätten: mittelmäßig.

Wertung ESC Finale 2013Grafik: eurovisionaer (Quelle: EBU)


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Europa wählt sich besoffen… das zweite ESC-Semifinale!

Malmö außer Rand und Band – und wie der eurovisionaer gestern persönlich feststellen konnte, an der Pforte zum Schlagerhimmel! Anders als am Dienstag platzten in diese Glückseligkeit jedoch einige Semifinalergebnisse, die nicht nur Beobachter vor Ort den Kopf schütteln bzw auf die Tischplatte schlagen ließen. Armenien und Rumänien drinnen, aber Israel und San Marino draußen? Offensichtlich gab es zwischen Hammerfest und Gibraltar doch zu viel „Alcohol for free“. Naja, dem Schlagerfestivalspaß tut das keinen Abbruch …

AZB Farid Mammadov Hold me
FIN Krista Siegfrids Marry me
MAL Gianluca Bezzina Tomorrow
ICE Eyþór Ingi Gunnlaugsson Ég á líf
GRE Koza Mosta feat. Agathonas Alcohol is free
ARM Gor Sujyan Lonely Planet
HUN ByeAlex Kedvesem
NOR Margaret Berger I feed you my Love
GEO Nodi & Sophie Waterfall
ROM Cezar It’s my Life


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…und wo ist Montenegro?

Neben den Big-6 stehen nun die ersten Finalisten für Samstag fest:

EST Birgit Õigemeel Et uus saaks alguse
DEN Emmelie de Forest Only Teardrops
RUS Dina Garipova What if
UKR Zlata Ognevich Gravity
NL Anouk Birds
LIT Andrius Pojavis Something
BLR Alyona Lanskaya Solayoh
MOL Alina Moon O mie
IRE Ryan Dolan Only Love survives
BEL Roberto Bellarosa Love kills


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Heute Abend – Semifinale 1

Nach gefühlten drei Monaten aufgeregter Probenblogs diverser Fanboys, die gerade jede Minute vor Ort in Malmö genießen, ist es um 21.00 CET nun endlich so weit – das erste, nach Meinung des eurovisionaers weitaus schächere Semi des Jahres 2013 geht über die schwedische Bühne. Allerdings wird es bei der Auswahl der 10 Finalisten Überraschungen in einem Feld von nur 16 Teilnehmern wohl kaum geben. Egal, der Höhepunkt der Saison ist nahezu erreicht! Allen Eurovisionären wünscht der Blogger – wo auch immer – einen spannenden Abend!


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