Artikel 2017

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Unsere beiden Songs

Nicht nur Lena Meyer-Landrut wird heute Abend ein Déjà-vu erleben, weiß sie doch, was passiert, wenn die Heavytones einen potentiellen ESC-Song in die Finger kriegen. Doch anders als vor sieben Jahren, als die Combo „Satellite“ in die Mangel nahm und der treue Vorentscheidungszuschauer auf der Basis der Live-Versionen eine schwere Wahl treffen musste, glänzt das dieser Tage nicht nur an dieser Stelle heftig kritisierte Format „Unser Song“ ausnahmsweise mit einer lobenswerten Vorabveröffentlichung aller 2017-er Studioversionen. Der Blogger empfiehlt: reinhören! Denn offensichtlich liegen bei manchen Arrangements Welten zwischen Live- und Studiofassung.

Weiterhin problematisch allerdings bleibt der Umstand, dass heute nur fünf der zehn Lieder überhaupt ihre TV-Premiere erleben werden (dem dösigen NDR-Wertungsmodus sei Dank). Wer die Eurovisionscommunity kennt, der ahnt: Fetter Ärger dürfte vorprogrammiert sein, wenn sich nach der ersten nächtlichen Euphorie morgen herausstellen sollte, dass ein ganz besonderes Juwel erst gar nicht in die Zwischenauswahl kam. Wobei – so dolle ist die Wahl zwischen Pest und Cholera das musikalische und gesangliche (Sonder-)Angebot letztlich nun auch wieder nicht.

Der eurovisionaer wünscht einen hoffentlich KURZweiligen Fernsehabend!


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Präfaktisches Wissen zu „Unser Song 2017“

  • Am 9. Februar geht’s um 20.15 Uhr los.
  • Die gesamt Show dauert 3 Stunden.
  • Die mittlerweile jedem ESC-Fan zwischen Hammerfest und Gibraltar vertraute Barbara Schöneberger moderiert den Wahnsinn in Zahlen.
  • 5 Kandidaten (Yosefin Buohler, Axel Maximilian Feige, Felicia Lu Kürbiß, Isabella „Levina“ Lueen, Helene Nissen) wollen unser Star für Kiew werden.
  • Den gesamten Abend über kommentiert die Jury (Lena Meyer-Landrut, Tim Bendzko, Florian Silbereisen) jeden einzelnen Auftritt, um die Zuschauer zu beeinflussen. Offiziell hat ihre Stimme aber keine Relevanz.
  • Jeder Anruf kostet den entscheidungsfreudigen Zuschauer 14 ct.
  • Die beim Blogger schlecht gelittenen Heavytones begleiten die Sänger und Sängerinnen live im Kölner Studio.
  • In Runde 1 covern die 5 Teilnehmer einen Song ihrer Wahl (egal, ob Eurovision oder sonst ein Kram), 2 sind sofort raus, ehe es überhaupt um den ESC-Beitrag geht.
  • Ab jetzt gibt es 2 brandneue Melodien für Kiew, die der NDR für teures Geld eingekauft hat.
  • Nach voraussichtlich 45 Minuten sackt die Quote der Sendung in den Keller.
  • Die 2 Songs heißen „Wildfire“ und „Perfect Life“.
  • Lindy Robbins, Dave Bassett und Lindsey Ray haben „Perfect Life“ verbrochen. Der Song liegt ihnen besonders am Herzen.
  • Zwischendurch singen die unvermeidliche Ruslana, Conchita und Nicole Grand-Prix-Klassiker
  • Die internationale ESC-Community darf mitwerten, allerdings gilt ihr Votum nur als Empfehlung für den deutschen Televoter.
  • Runde 2: 3 Kandidaten singen den ersten Titel in verschiedenen Versionen, 1 Sänger scheidet aus.
  • Hinter „Wildfire“ stehen die Norwegerin Marit Larsen, Greg Holden und Tofer Brown. Sie behaupten „ihr Lied sei ein kleines Juwel“.
  • Weil Ruslana ewig Lang die Schönheiten der Ukraine lobpreist, wird die Sendezeit um 2 Stunden überzogen. Nicole muss ihren Tisch beim Italiener absagen.
  • Runde 3: 2 Kandidaten singen den zweiten Song.
  • Runde 4: Das Televoting hat entschieden, welcher Sänger mit welchem Song aus Runde 3 und 4 am besten gefallen hat. Diese beiden (Songs oder Sänger) dürfen jetzt im klassischen Superfinale noch einmal ran; der Zuschauer entscheidet, welches Paket ihm am besten gefällt.
  • Nach dem ganzen Theeeee-ater, Theater stehen Titel und Interpret für Kiew fest (sofern er / sie nicht zurückzieht).
  • Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird der Song beim ESC abschmieren und nicht einmal ein Radiohit in Deutschland werden.
  • Nach diesem ausgeklügelten, aber von niemandem mehr nachvollziehbaren Vorentscheidungsmodus streicht der NDR vollends die Segel. Ab 2018 darf sich dann der WDR um den blöden ESC-Scheiß kümmern.
Foto: eurovision.de


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Wenn der Vitali mit der Ruslana… die Auslosung

Im Rathaus zu Kiew hat die EBU heute in Anwesenheit des Bürgermeisters Vitali Klitschko und der seligen Ruslana die Zuordnung der Kleinen-37, die sich erst über Vorrunden ins grandiose ESC-Finale am 13. Mai 2017 kämpfen müssen, ausgelost. Der Insider spricht vom Allocation Draw. Das erfüllt zwar selten die selbst gesetzten Vorgaben, allzu nachbarschaftliches Wertungsverhalten zu unterbinden (weil immer mal wieder arg befreundete Staaten trotzdem aufeinander treffen), ist aber vom Showfaktor aus betrachtet auf dem besten Wege, so groß wie die Auslosung zur Fußball-WM zu werden.

Und – trotz der bislang erst fünf gesetzten Kiew-Beiträge – animiert sie die Hardcore-Fanschar sogleich, die Glaskugel hervorzuholen und gar düstere Prognosen für so manchen Favoriten zu verkünden. Daran mag sich der eurovisionaer zwar nicht beteiligen, wohl aber fragt er sich, wie sehr sich Deutschland – präziser formuliert der verantwortliche Sender NDR – in der EBU-Führungsetage eingeschleimt haben muss, um jedes Jahr aufs Neue ein automatisches Wertungsrecht für Semifinale 2 zu erhalten. Wenn er zum Schluss dann doch den ganzen unnötigen ESC-Kram (wie Semifinale 1 & 2) lieber wieder auf irgendeinen Spartensender versteckt schiebt und nur die fetten Finalquoten einsacken mag?

Beenden wir den kleinen Blogabend mit dieser offenen Frage.


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Ganz nah dran

Da liegen die Ukrainer angeblich monatelang auf der faulen Haut, auf dass selbst Bild.de schon wettert, dass der Contest den Osteuropäern entzogen gehört, und nun purzeln quasi minütlich Breaking News zum Song Contest 2017 auf uns ein. Gestern das Logo, der Slogan, heute die Bühne, die der ehrenwerte Florian Wieder entworfen hat: Der alte Hase des Zeichenstifts war bereits für das Stage-Design in Düsseldorf, Baku und Wien verantwortlich und zaubert nun laut eurovision.tv die Ukraine in den Mittelpunkt Europas:

The design for 2017 symbolises Ukraine being the centre of Europe in May and allows fans to be as close to the performers as possible. The dynamic stage design, which incorporates multiple media surfaces, will create a unique setting for each act, allowing every performer to shine on the night.

Doch auch das Skizzenpapier ist geduldig: Bleibt abzuwarten, wie er die zugegeben schmucke Präsentationsfläche in die doch eher piefige Kiewer Messehallen verfrachtet.



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Heureka! Der NDR hat gefunden

„Heureka!“ rief der Unterhaltungskoordinator der ARD, Thomas Schreiber, nachdem sich vor wenigen Tagen das im stillen Kämmerlein tagende Gremium des NDR auf die fünf glücklichen, aber bislang unbekannten Kandidaten für den deutschen Vorentscheid 2017 geeinigt hatte.

Hätte ihn doch die plötzliche, freudige Erkenntnis schon Monate zuvor ereilt, als es darum ging, ein neuartiges Konzept für die diesjährige Vorauswahl zu entwickeln! Denn man muss kein notorischer Miesepeter sein, um das Format, was uns nun am 09. Februar erwartet, sagen wir mal mit Argwohn zu betrachten.

Nach den internationalen Pleiten in 2015 und 2016 (Deutschland stand bekanntermaßen zweimal in Folge auf dem letzten Platz des Tableaus) sollte alles besser werden. Vergessen war der hochnotpeinliche und letzten Endes gescheiterte Versuch, mit Xavier Naidoo einen Etablierten der nationalen Musikszene zu verpflichten. Vergessen ebenso die über mehrere Jahre praktizierte Einbindung der Major-Plattenfirmen, die die Veranstaltung vornehmlich dazu missbrauchten, Alben- oder Ticketverkäufe ihrer Künstler zu pushen, an der Marke ESC aber wenig Interesse zeigte.

Da war es naheliegend, in Erinnerungen an die glorreichen Tage zu schwelgen, als ein junges Mädchen aus Hannover die gesamte Nation in einen Song-Contest-Freundentaumel versetzte. Bääääm! – schon war die Lösung für 2017 geboren: Eine Castingshow soll’s richten. Nicht der allseits bekannte Künstler, sondern das eigentliche Herzstück des Wettstreits – das Liedgut – rückt in den Mittelpunkt der heimischen Vorbereitung. Grundsätzlich löblich.

Mittlerweile wissen wir, dass der NDR ganze zwei Songs auf dem europäischen Markt ersteigerte. Diese ZWEI Songs werden jene nun ausgewählten Talente am 9. Februar in unterschiedlichen Versionen zu Gehör bringen. That’s it – eine Formel, die einen anstrengenden Fernsehabend verspricht.

Hinzu kommt, dass – schaut man sich in einem Anfall von Masochismus die schauderlichen Speed-Dating-Interviews auf eurovision.de an – es zwar keinem der Finalkandidaten an gesanglichen Qualitäten mangelt, wohl aber an einer ordentlichen Portion Persönlichkeit. Und machen wir uns nichts vor, gerade Individualität war es, mit der das eher durchgeknallte Fräulein Lena damals in Köln und später in Oslo für Aufmerksamkeit sorgte.

2017 dagegen verspricht biedere bundesdeutsche Normalität und keine Wiederholung des 2010er Glücksgriffs. Einzig die erstmals in einer nationalen Vorausscheidung eingesetzte Eurovisions-App könnte noch für Überraschungen sorgen. Mit ihr dürfen im Netz zuschauende ESC-Fans aus ganz Europa zwar nicht mit entscheiden, wohl aber ein hoffentlich profundes Meinungsbild abgeben.

Mögen sie uns also einen glorreichen Ausweg aus diesem absehbar wenig glamourösen Vorentscheidungsdilemma weisen!

Grafik: eurovisionaer


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… eurovisionaere Weihnachten

Von der bequemen Couch, wo zwischen Spritzgebäck und Festtagsbraten der wahre Weihnachtsfrieden wartet, herunter gerollt, hat der ansonsten kommode eurovisionaer einen kleinen Xmas-Mix ausgekramt und wünscht auf diesem Wege allen Lesern entspannte Feiertage und ein glückliches Jahr 2017!

ESC Remixed – Christmas Edition Vol. 2

Tracklist
01 Morland & Debrah Scarlett – A Monster like me(Oslo Philharmonic Choir Version)
02 Amaury Vassili – Sognu
03 Paul Mauriat – Apres toi
04 A Friend in London – New tomorrow (accoustic Version)
05 Dina Garipova – What if (Xmas Version)
06 Greta Salóme – Hear Them Calling (acoustic Version)
07 Lordi – Hard Rock Hallelujah (Brass Version)
08 Alban Skenderaj & Miriam Çani – Ende ka shprese
09 Margaret Berger – I Feed You My Love (Macho Collective Remix)
10 Jamie Lee – Ghost (acoustic Version)
11 Victor Silverster & Orchestra – Save your Kisses for me
12 Lindsay Dracass – No Dream impossible (orchestral Version)
13 ZOË – Loin d’ici (Album Version)
14 Didrik Solli-Tangen & Oslo Fagottkor – My Heart is yours
15 Ell & Nikki – Running Scared (Acoustic Version)
16 Paul Mauriat – L’oiseau et l’enfant
17 Walter & Kazha – The War is not over
18 Dima Bilan – Believe (Violin Solo)
19 Milk & Honey – Hallelujah (Trilingual Version)
20 Rita – Dancing in the streets (English version)
21 Adolf Fredriks Musikklasser – Euphoria
22 Regina – Bistra voda
23 Aarzemnieki – Cake to bake
24 ByeAlex – Kedvesem (Orchestra Version)
25 Kristina – Horehronie (accoustic Version)
26 Sandra Nurmsalu – Kui tuuled pöörduvad
27 Ellen Benediktsson – Songbird
28 Marie Bergman & Roger Pontare – Stjärnorna

Grafik: EBU / eurovisionaer


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Anstoß

Huch! Während die treuen Lokalradios im Lande unverdrossen ihren heimlichen ESC-Sieger 2016 Frans rauf und runter dudeln, schrauben fleißige ESC-Funktionäre derweil hinter den Kulissen bereits an der nächsten Song-Contest-Ausgabe, die bekanntermaßen im Mai kommenden Jahres in Kiew ausgetragen werden soll.

Die Streber unter ihnen kommen in dieser jungen Saison aus Zypern und den Niederlanden. Hat man sich dort doch bereits voller Stolz entschieden, wer in knapp sieben Monaten die Landesfahnen in der Ukraine vertritt! Andere vom Glück weniger begünstigte Fernsehredaktionen wiederum – wie beispielsweise die deutsche – werkeln emsig an Erfolg versprechenden Vorentscheidungskonzepten. Lediglich ganz wenige – so die Dauergäste vom fünften Kontinent – sind noch nicht aus ihrem eurovisionären Dornröschenschlaf erwacht.

Während die Tage also wieder dunkler und kürzer werden, darf die zuletzt von pathologischen Stimmungsschwankungen gebeutelte ESC-Seele frohlocken. Und selbst der jüngst ebenfalls schwächelnde Haus-und-Hof-Blogger bastelt plötzlich putzmunter an einem verheißungsvollen ersten Überblick für die kommenden Wochen.

Übrigens: Wer sich, gerade mal der PED entronnen, sogleich dem Wertungswahnsinn hingeben möchte, kann dieses kurzerhand beim OGAE Video Contest tun, der von fürsorglichen Fanbeauftragten aus Deutschland organisiert wird. Bis zum 31. Oktober dürfen dort mehr oder minder gelungene Musikclips aus allen Herren – und selbstverständlich auch Damen – Ländern durch die Voting-Mangel genommen werden.

Mögen die Spiele beginnen!

Update: Jon Ola Sand höchstpersönlich hat heute die Starterliste 2017 bestätigt. Erneut nehmen 43 Länder teil, selbst die verschlafenen Australier sind aus süßen Träumen aufgewacht und schmieden nun Reisepläne für Kiew.

Foto: eurovisionaer / Pixabay – CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) 


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Zurück in die Zukunft

Hoppla, da bahnt sich ja eine Sternstunde der deutschen TV-Unterhaltung an! Thomas Schreiber höchstpersönlich hat den Fluxkompensator angeschmissen und beamt sich als ehrwürdiger Dr. Emmett Brown aus der aus bundesdeutschen Sicht eurovisionsseligen Lena-Meyer-Landrut-Ära punktgenau zum 09. Februar 2017. Dann nämlich findet, wie der NDR gestern voller Stolz mitteilte, die nationale Vorentscheidung „Unser Song 2017“ statt.

Sie wird, wie der Sender auf seinem Sprachrohr eurovision.de offenherzig zugibt, als ein „Zurück zur Castingshow“ überschrieben und passt damit hervorragend zur reaktionären gesellschaftspolitischen Stimmung des Landes, wo man in anderen Kontexten ebenfalls wehmütig an die Zeit zurückdenkt, als alles noch besser war. In Eurovisionssprech übersetzt heißt das: Nach zwei letzten Plätzen im internationalen Vergleich besinnen wir uns auf unser glorreiches Jahr, als sich das forsche Fräulein aus Hannover in einem Heer mitstreitender Trantüten von Woche zu Woche in die Herzen der Zuschauer sang und letztlich gar den ESC-Pott nach Hause brachte. Damals im Frühsommer 2010, waren das noch goldene Zeiten!

Und um auch den letzten Depp in diese Wohlfühlatmosphäre vergangener Tage zu versetzen, muss die deutsche ESC-Ikone, die sich zuletzt nur noch Sorgen um ihre schönen Haare machte, erneut ran. Nicht als Sängerin, so weit geht die treue Verbundenheit dann doch nicht. Aber als Mentorin, die nunmehr im Vorfeld des Castings auch das letzte deutsche Talent von der heimischen Youtube-Kamera weg ins altbekannte Kölner Studio zerren soll.

Denn aus dreißig Freiwilligen siebt eine Fachjury – beteiligt ist übrigens Raab-TV – Anfang Dezember die fünf Glücklichen aus, die sich an jenem eurovisionären Turning-Point, dem besagten 09. Februar, im Rahmen einer dreistündigen TV-Show, welche selbstverständlich von Madame Schöneberger verkalauert wird, dem Urteil der Fernsehzuschauer stellen dürfen. Untermalt werden die musikalischen Auftritte der ESC-Aspiranten von der seit der Raabs-Frühverrentung arbeitslos gewordenen Schaudercombo „The Heavytones“. Und zwischendurch wird ein braves Dreiergremium – eben jene Frau Meyer-Landrut, Volksmusikausverkäufer Florian Silbereisen sowie Softpopbubi Tim Bendzko – nichtssagende Kommentare absondern, die aufgrund ihrer Belanglosigkeit allerdings nicht in die Bewertung einfließen dürfen.

Fehlt noch das Wichtigste: unser Lied! Da wird es in der Presseinfo etwas schwammig. Laut NDR ermittelt besagte Hausjury aus den Einreichungen nationaler und internationaler Produzenten verschiedene Vorschläge und würfelt diese unter den Bewerberinnen aus. Oder so ähnlich. Geht es nach Herrn Schreiber ist der Winnersong jedenfalls so maximalcool wie „If I were sorry“, den 2017 ein hochnäsiger Oberschulhipster aus Berlin-Friedrichshain ins Mikro murmelt. Voila!

Es ist ein Graus, die Eurovisionsredaktion übertrifft sich alljährlich mit innovativen Konzepten, doch ewig neunmalkluge Fans wie der eurovisionaer nölen ohne Unterlass. Zugegeben – auf ein schrilles Indieteilnehmerfeld nach Art des Eesti Lauls zu hoffen, wäre zu viel verlangt, ist sich doch die deutsche Künstlerszene zu fein für den ESC. Direktnominierung ist auch doof, also bleiben nur die Castingsternchen. Und wer weiß, vielleicht ist unter ihnen ja tatsächlich ein zweiter Glücksfall. Vielleicht bewahren uns die via Votingapp zugeschalteten internationalen Fans als „Stimmungsbarometer“ vor dem Schlimmsten. Und vielleicht flutscht dem für seinen eintönigen Geschmack stadtbekannten Vorab-Komitee zufällig mal ein Knallersong in die Endrunde. Schon wäre die deutsche ESC-Welt wieder heil.

Aber bitte: die Heavytones, die es mühelos schaffen, wirklich jeden guten Song kaputt zu arrangieren? Die dauerpräsente Barbara Schöneberger, deren Moderationsdrops im nunmehr vierten Jahr in Folge gelutscht sein dürfte? Eine Expertenjury, die keine Funktion hat? Die Brainpoolstudios, die den Charme eines mies organisierten Abiballs versprühen?

Nein danke, das ist nicht der längst überfällige Neuanfang und es steht zu befürchten, dass der hochintelligente Fluxkompensator den Schwindel durchschauen und die erfolgreiche Zeitreise ganz einfach verweigern wird.

Grafik: eurovisionaer


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Kiew 2017 – eine schwere Geburt

Endlich! Die quengelnde ESC-Community darf aufatmen, denn nach gefühlten achtunddreißig ergebnislosen Versuchen hat sich der ukrainische TV-Sender NTU heute dazu durchgerungen, den Song Contest 2017 im schmucklosen International Exhibition Centre der Hauptstadt Kiew zu veranstalten.

Und doch bleiben mit dem nun getroffenen Beschluss eine Menge Fragen offen, die das Drama der vergangenen Wochen immer wieder aufs Neue anheizten: Gab es hinter den Kulissen Stress mit der EBU, die die notwendige Überdachung des Chernomorets Stadium in Odessa längst einem Schweizer Investor versprochen hatte? Oder war die langwierige Entscheidungsfindung doch eher in landestypischen Politmauscheleien begründet? So wortreich die Osteuropäer auch gerne argumentieren, wir werden es vorerst wohl nicht erfahren.

Doch Vorsicht – wer jetzt erleichtert aufatmet, sollte sich lieber darauf einstellen, dass uns auch die nächsten Monate noch so einige ukrainische Extravaganzen den ach so empfindlichen ESC-Nerv rauben werden. Da bleibt nur zu wünschen: Keep calm and love Eurovision!


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...