USFD 2014

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Es folgt eine Werbepause

cd 2014leer
Wer sich am diesjährigen Jahrgang nicht satt hören kann, für den gibt es jetzt eine kleine Werbeunterbrechung! Die offizielle CD zum Wettbewerb 2014 mit allen 37 Beiträgen plus Emmelie de Forrests Interval Song „Rainmaker“ wird in den deutschsprachigen Ländern am 11. April erscheinen.
Derweil sieht es in den heimischen Musikcharts nicht so gut für die deutschen Teilnehmerinnen Elaiza aus: Notierten die Sängerinnen die ersten Tage nach der Kölner Vorentscheidung USFD noch auf Platz 1 der Downloadcharts, sind sie mittlerweile selbst in den Top-Ten nicht mehr zu finden. Von einem wirklichen Erfolg im eigenen Land – häufig ein Indikator für ein gutes Abschneiden beim europäischen Song Contest – lässt sich da noch nicht sprechen. Ganz anders die Situation in Norwegen, Schweden, Spanien und den Niederlanden, wo die nationalen Beiträge Spitzenpositionen belegen.

Foto: EBU/DR


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Deutschland: schwarz, beige und hellgrau

schattierungWelch ein Glück, dass ich mich auf diesem Blog seit jeher weniger auf die aktuelle, ergebnisorientierte Berichterstattung konzentriere, denn so blieb genug Zeit, das gestrige bundesdeutsche Voting eine Nacht zu überschlafen. Und nun? Heute? Erst einmal muss ich meine Eindrücke zum schwarzen Freitag und bisherige Vorurteile dem deutschen Michel TED gegenüber revidieren: er wählt ja doch nicht automatisch das, was er kennt! Das war nur eine der großen Überraschungen im Rahmen der deutschen Vorentscheidung 2014.

Santiano, Unheilig und mit Abstrichen gar Madeline Juno, allesamt mit einer breiten Fanbase gesegnet, erreichten ganz offensichtlich nicht das, was sie sich zum Ziel gesetzt hatten. Fräulein Juno nicht, weil sie sich ihrer Songauswahl zu sicher war; die Seemänner, weil sie dann doch nicht massenkompatibel genug waren. Und der Graf? Der musste sich wohl einer Antiwahl stellen, nachdem er weder auf der Bühne, noch in seinen pathosschwangeren Aufsagern besonders sympathisch rüber kam. Zu saft- und kraftlos trotz aller Armeschwingerei. Das hatte das Kölner Publikum vor Ort blitzschnell und messerscharf erkannt, denn innerhalb kürzester Zeit hatte es bereits einen anderen Liebling erkoren.

Die im Feld der gesetzten „Stars“ vermeintlichen Underdogs, die Wildcardgewinner Elaiza, waren es, die die Zuschauer in der Arena mit „Is it right?“ zur Raserei brachten und somit für den daheimgebliebenen TED ein wertvoller Hinweisgeber waren, wen er denn nun im etwas unübersichtlichen Votingmarathon auswählen sollte. Und dass die Sängerin des Mädchentrios gar ukrainisch-polnische Wurzeln hat, mag dieser Tage auch geholfen haben. Allerdings bin ich skeptisch, ob dieses Sammelsurium an Entscheidungskriterien auch für einen internationalen Erfolg in Kopenhagen sorgen wird.

Dort am besten aufgehoben gewesen wäre die andere Newcomerin des Abends, die jedoch leider nicht über den möglicherweise ausschlaggebenenden Wildcard-Vorteil verfügte: MarieMarie! Fehlerfrei in Gesang und Präsentation hatte sie zwei Hammer-Songs am Start, die dem bislang mehr als müden Teilnehmerfeld in Dänemarks Hauptstadt Qualität made in Germany entgegengesetzt hätte. Schade, dass es nur bis ins Halbfinale reichte. Und so mutiert mein Fazit zum diesjährigen deutschen Vorentscheid USFD von ursprünglich „rabenschwarz“, über die im Netz vielfach kritisierte Wildcardauswahl als die schon sprichwörtliche „Schattierung desselben beige„, hin zu einem ambivalenten „hellgrau“, was das nun vorliegende Ergebnis betrifft. Naja, richtig bunt kann es dann aber vielleicht 2015 werden…

Grafik: eurovisionaer


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So wird in Deutschland abgestimmt

Dem eurovisionaer war’s zu kompliziert, daher hier ganz dreist übernommen die Erläuterung des NDR zum USFD-Abstimmungsmodus 2014: Jeder der acht Teilnehmer wird am 13. März in der Show „Unser Song für Dänemark“ zunächst einen Song auf der Bühne in der Lanxess Arena in Köln performen. Das Publikum wählt dann vier Acts, die in die zweite Runde kommen. In dieser präsentieren die vier übrig gebliebenen Kandidaten ein zweites Lied und die Zuschauer entscheiden, welchen der acht Songs aus der ersten und zweiten Runde es für ESC-tauglich hält. Im Finale stehen dann die zwei Kandidaten, deren Songs die meisten Stimmen erhalten haben – und noch einmal wird das Publikum zur Jury: Im Stechen entscheidet es endgültig über den Siegertitel. Das Erste und EinsPlus übertragen die Show ab 20.15 Uhr, moderiert wird das Ganze von der fabelhaften Barbara Schöneberger. Und zu Besuch schneien Emmelie de Forest, Adel Tawil und incredibilmente Emma Marrone vorbei.

Interpret Titel 1 Titel 2
GER Das gezeichnete Ich Wenn du da bist Echo
GER Elaiza Is it right? Fight against myself
GER Madeleine Juno Like Lovers do Error
GER MarieMarie Cotton Candy Hurricane Candy Jar
GER Oceana Thank you All Night (snippet)
GER Santiano Fiddler on the Deck Niemals untergehen (snippet)
GER The Baseballs Mo Hotta Mo Betta Goodbye Peggy Sue
GER Unheilig Als wär’s das erste Mal Wir sind alle wie eins


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Elaiza

Is it right | Fight against myself

Elaiza facebook ben wolfElaiza (sprich: Ela-i-sa), das sind drei junge Freundinnen, so unterschiedlich, wie die Instrumente, die sie spielen: Die Sängerin/ Pianistin Ela, Yvonne Grünwald am Akkordeon (von denen sie ganze 15 besitzt) und Kontrabassistin Natalie Plöger. Zusammen verbinden Elaiza Traditionen des osteuropäischen Folk mit modernen Popmelodien zu einer einzigartigen Ohrwurm-Mischung. Neo-Folklore nennt das Trio selbst seinen außergewöhnlichen Roots-Pop-Crossover. Genau wie ihre neue Wahlheimat Berlin lebt auch der facettenreiche Sound Elaizas vom Kontrast und liefert immerzu kreative Energie: Mal melancholisch, mal dramatisch und bittersüß, um im nächsten Moment funkensprühend und mitreißend gute Laune zu verbreiten. Und dass die Gruppe auch ohne die Technik des modernen digitalen Tonstudios authentisch und anspruchsvoll klingt, hat sie 2013 erfolgreich im Rahmen eines „Direct-to-Disc“-Aufnahmeverfahrens demonstriert. Innerhalb dieser besonderen Schallplattenproduktion spielen die Musiker ihre Songs pur ein, ohne die Möglichkeit zu schneiden oder nachzubearbeiten.

Foto: Elaiza Facebook/Ben Wolf

Sie sind die Gewinnerinnen des dem diesjährigen Vorentscheid vorgeschalteten Talent-Wettbewerbs – und da Elaiza ihrem musikalischen Können nach eher in der Profi-Liga spielen, stürzen sich auch gleich die Plattenfirmen drauf. Zugegebenermaßen erbringen gerade diese Neulinge genau den Musik-Mix, den Eurovisionäre so gerne hören. Ein wenig Folklore, eingängiger Pop und eine für Mainstreamer abstruse Instrumentierung. Passt eigentlich alles – aber hat der NDR die Creme-de-la-Creme der deutschen Musikszene so lange zum Mitmachen überredet, um letztlich dann doch Nobodys das Ticket nach Kopenhagen in die Hand zu drücken?


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The Baseballs

Mo Hotta Mo Betta | Goodbye Peggy Sue

The_Baseballs_-_by_René_KeijzerKreischalarm – The Baseballs liefern nicht nur originalgetreuen Rockabilly, in Köln sorgen sie sicherlich ob ihres schmucken Aussehens auch für so manch pochendes Herz der (vorwiegend) männlichen Eurovisionsfans. Die drei Bandmitglieder, Sam aus Reutlingen, Digger aus Rheine im Münsterland und Basti aus Magdeburg, lernten sich in der Gemeinschaftsküche eines Proberaumkomplexes in Berlin kennen und blieben kurzerhand zusammen, um fortan aktuelle Charterfolge in ihren eigenen Sound umzusetzen. Mit Erfolg – quer durch Europa erreichten die Buddies seit ihrer „Umbrella“-Version 2009 hohe Chartnotierungen, und das gar im Mutterland der Popmusik, im Vereinigten Königreich.

Foto: René Keijzer

Ok, optisch sind die Baseballer – mal abgesehen von den öligen Schmachtlocken – bestimmt ein Hingucker. Akustisch jedoch törnt mich der 50er-Jahre-Sound nun gar nicht an. Auch wenn sie sich mittlerweile von ihrem Coversong-Image lösen, zu ausgelutscht erscheint der Versuch, die gute alte Zeit ins Jetzt zu transportieren, gerade weil vieles doch sehr werkgetreu bleibt und eine wirkliche Fusion von Alt und Neu wohl doch nicht angestrebt wird. Also, als hunky male Pin-Ups sicherlich top, musikalisch jedoch wirkt das Ganze so miefig wie ein jahrzehntelang nicht gewaschener Petticoat.


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Madeline Juno

Like Lovers do | Errors

Madeline Juno Pressefoto - CMS Source Universal MusicBlutjung und doch musikalisch längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Ihrer Plattenfirma nach zu urteilen schickt sich die achtzehnjährige Madeline Juno an, die glaubwürdige Stimme einer neuen Generation zu werden. Beide Vorentscheidungssongs sind auf Soundtracks vertreten, „Fuck Ju Goethe“ brachte ihr den Durchbruch in Deutschland und nun ist sie die Stimme in „Pompeii“. An ihrem Erstlingswerk „The Unkown“ bastelte die Newcomerin, die ihre Musik gerne als „Heart-Core“ bezeichnet, über vier Jahre lang.

Foto: CMS Source Universal Music

Tja, das sind die Märchen, die große internationale Plattenfirmen wahr machen. Zweifelsfrei macht Fräulein Juno wunderschöne Musik – wie so viele andere junge Damen ihres Alters weltweit. Dementsprechend schwer ist sie von anderen Singer / Songwriterinnen zu unterscheiden. Das ist ganz niedlich im Rahmen des Eurovision Song Contests, quasi eine zeitgemäße Nicole, die jedoch Gottseidank nicht auch noch vom Frieden der Welt singt. Und doch – warum werde ich das Gefühl nicht los, dass es bei ihrer Vorentscheidungsteilnahme einzig und allein darum geht, das Debütalbum zu promoten? Sorry, das war gemein – aber ehrlich!


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Das Gezeichnete Ich

Weil du da bist | Echo

Das gezeichnete Ich 3 - Bella LieberbergGottfried Benn war offenbar Pate des Berliner Komponisten und Mulitinstrumentalisten, als er schrieb: „Es gibt nur zwei Dinge: Die Leere und das gezeichnete Ich“. Weniger geheimnisvoll ist die Musik des ehemaligen Funke-Leadsängers, der wie schon seine Mitbewerberin MarieMarie Liveerfahrungen durch Tourneen mit den Pet Shop Boys und A-Ha einbringt und sich im Umfeld dieser „Altstars“ einige musikalischen Inspirationen einholte. Damit nicht genug: Festivalluft durfte er auch schon schnuppern! Beim Bundesvision Song Contest vertrat er Brandenburg und erreichte dort mit dem Song „Du, es und ich“ einen respektablen Platz 5. Was damals seinen Bekanntheitsgrad nicht spürbar steigerte, soll nun mit der Teilnahme an der deutschen Vorentscheidung 2014 und der zeitgleichen Veröffentlichung des Albums „Hinter allen Dingen“ nachgeholt werden.

Foto: Bella Lieberberg

Dem Berliner Musiker kann man höchstens vorwerfen, ausgerechnet der abgeschmackten Veronica Ferres eine Rolle in seinem neuesten Video „Weil du da bist“ angeboten zu haben. Doch wahrscheinlich hat ihn irgendein böser Manager dazu belatschert. Davon abgesehen ist sein Auftreten und seine Musik wohltuend unprätentiös, das alleine macht ihn im Umfeld des Eurovision Song Contests zum liebenswerten Exoten. Und vielleicht verhilft gerade das Henry François Funke dem Sänger ohne richtigen Namen zu einem fetten Überraschungserfolg. Mir wäre es sehr recht.


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Oceana

Thank you | All Night

oceana2012, als Deutschland im Halbfinale der Europameisterschaft ausschied, wurde Oceana erstmals dem heimischen Publikum mit der Public-Viewing-Hymne „Endless Summer“ zum Begriff. Der Song wurde im Radio rauf und runter gespielt und letztlich mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Zuvor war die Deutsch-Amerikanerin eher im Ausland zu einer international anerkannten Sängerin gereift und notierte Spitzenplätze in den Hitparaden Russlands, Ungarns und Rumäniens. So viel zu den Propheten im eigenen Land. Mittlerweile hat sich die 32-jährige von den lockeren Gute-Laune-Beats verabschiedet, seitdem sie einige Songs in Los Angeles unter der Regie von Star-Produzent Dre Harris (Alicia Keys, Robin Thicke) aufgenommen hat. Ihre beiden Vorentscheidungsbeiträge gehören dazu. Deren internationale Sounds will sie nach eigenen Worten im Rahmen einer äußerst energiegeladenen Performance dem Kölner Vorentscheidungspublikum am 14. März um die Ohren blasen und sich so vom Mainstream-Europop absetzen.

Foto: Embassy of Sound

Die Songs, die Oceana für deutsche Vorauswahl gemeldet hat, mögen internationalen Maßstäben gerecht werden, ob sie im Rahmen des Song Contests zünden, wird sich zeigen. Ein Liveauftritt ohne Clipästhetik könnte trotz aller choreographischen Vorhaben schnell langweilig und monoton wirken, auch fehlt beiden Beiträgen eine unmittelbar funktionierende Hook. Stardom in Europa und dem Rest der Welt werden daher voraussichtlich nicht reichen, um in der Lanxess-Arena in die zweite Runde einzuziehen…


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Santiano

The Fiddler on the Deck | Wir werden niemals untergehen

Santiano - Michael MeyDer Musikstil von Santiano vermischt verschiedene Musikgenres: traditionelle, internationale Volkslieder, Popmusik, Rock’n’Roll oder Irish Folk, das Ergebnis lässt sich am besten mit dem Begriff Shanty Rock beschreiben. Ob im „Chor“ kräftig und stimmgewaltig bei den Uptempo Nummern oder gefühlvoll in den Balladen – der Band ist gelungen, eine fast vergessene Musiktradition neu verpackt aufleben zu lassen. Dass diese Rezeptur ein breites Publikum erreichen kann, hätte vor zwei Jahren, als sich die Seemänner zusammen fanden, wohl auch keiner gedacht. Im Line-Up zu USFD sind sie nun allerdings neben dem Grafen der zweite national erfolgreiche Act, der auf Nummer-1-Alben, Platinauszeichnungen und einen Echo-Gewinn 2013 verweisen darf.

Foto: Michael Mey

Santiano könnten beim Zuschauer ähnliche Assoziationen wecken, wie wir sie letztes Jahr bei Cascada erlebt haben – sowas wird Europa mögen! Die deutsche Vorentscheidungshistorie ist voll mit Beispielen, wie oft in der Vergangenheit das gewählt wurde, was andere mögen könnten. Was dann aber ebenso häufig nicht der Fall war. Mal ganz unbefangen das zu nehmen, was einem selbst gefällt, ist leider die Ausnahme. Ich kann mir die Shantyfreudigen Seefahrer daher nicht auf der Kopenhagener Bühne vorstellen, dennoch – es steht zu befürchten, dass sie in Köln für einen der ersten vier Plätze gut sein werden.


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MarieMarie

Cotton Candy Hurricane | Candy Jar

Die Harfenistin und Songwriterin aus München wirkt mit ihren kupferroten Locken wie ein Wesen aus einer anderen Welt. In ihrem Elektro-Folkpop fügt MarieMarie akustische Instrumente mit Computersounds zusammen. Dieser Mix gefällt auch anderen: Die Pet Shop Boys und Bryan Ferry waren derart beeindruckt, dass sie MarieMarie als Support für ihre Konzerte einluden. Das ist eines der sichtbaren Ergebnisse einer Selbstfindungsreise, die begann, als sie vom renommierten Berklee College of Music in Boston zurück nach Deutschland kam. Sie warf alles über Bord, was sie einengte und ihrer Kreativität im Wege stand: stimmliche Vorbilder wie Kate Bush, Klangmuster – und sogar die meisten ihrer Kompositionen. Zwei sind allerdings für die deutsche Vorentscheidung 2014 übrig geblieben.

Foto: Alexander Rapp

Was auf den ersten Blick bizarr und wenig kompatibel mit dem Song Contest wirkt, erweist sich als der ganz große Geheimtip dieser Saison. Ein zeitgemäßer und unglaublich eingängiger Sound mit allem, was einen guten Popsong ausmacht. Dennoch dürfte die Münchnerin in dem mit größeren Namen gespickten Vorentscheid höchstens Außenseiterchancen haben, denn in Deutschland wählt der Televoter halt gerne, was er schon kennt.


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...