Malmö 2013

Logo 2013Finale: 18. Mai 2013
Ort: Schweden / Malmö Arena / 11.000 Zuschauer
Teilnehmer: 39 Länder
Sieger: Dänemark
Voting: 50% Televoting / 50% Jury
TV-Zuschauer ges.: 54,6 Mio (unbek HF1/ unbek HF2)
TV-Zuschauer Dt.: 8,3 Mio (unbek HF1 / 0,5 Mio HF2)
Interval-Act: Loreen, Petra Mede, Sarah Dawn Finer
Moderation: Petra Mede

leer

Teilnehmer 2013

ALB Albanien Adrian & Bledar Identitet
ARM Armenien Gor Sujyan & The DoriansLonely Planet
AZB Aserbaidschan Farid Mammadov Hold Me
BEL Belgien Roberto Bellarosa Love kills
BUL Bulgarien Elitsa & Stoyan Samo shampioni
DEN Dänemark Emmelie de Forest Only Teardrops
GER Deutschland Cascada Glorious
EST Estland Birgit Oigemeel Et uus saaks alguse
FIN Finnland Krista Siegfrids Marry me
FRA Frankreich Amandine Bourgeois L'Enfer et moi
GEO Georgien Sophie & Nodi Waterfall
GRE Griechenland Koza Mostra & AgathonAlcohol is free
IRE Irland Ryan Dolan Only Love survives
ICE Island Eyþór Ingi Gunnlaugsson Ég á líf
ISR Israel Moran Mazor Rak bishvilo
ITA Italien Marco Mengoni L'Essenziale
CRO Kroatien Klapa s Mora Mizerija
LAT Lettland PeR Here we go
LIT Litauen Andrius Pojavis Something
MAL Malta Gianluca Bezzina Tomorrow
MNE Montenegro Who See Igranka
MAC Mazedonien Esma & Vlatko Pred da se razdeni
MOL Moldawien Aliona Moon O Mie
NL Niederlande Anouk Birds
NOR Norwegen Margaret Berger I feed you my Love
AUTÖsterreich Natalia Kelly Shine
ROM Rumänien Cezar It's my Life
RUS Russland Dina Garipova What if
SNM San Marino Valentina Monetta Crisalide (Vola)
SWE Schweden Robin Stjernberg You
CH Schweiz Takasa You and me
SRB Serbien Moje 3 Ljubav je svuda
SLO Slowenien Hannah Mancini Straight into Love
ESP Spanien El Sueño de Morfeo Contigo hasta el final
UKR Ukraine Zlata Ognevich Gravity
HUN Ungarn ByeAlex Kedvesem
UK Ver. Königreich Bonnie Tyler Believe in me
BLR Weißrussland Alyona Lanskaya Solayoh
CYP Zypern Despina Olympiou An me thimase

Fazit 2013

Die Dänin Emmelie de Forest gewinnt mit “Only Teardrops” den Eurovision Song Contest 2013 im südschwedischen Malmö und sorgt dafür, dass dieser auch 2014 am Öresund verbleibt.

Mit dem wohl längsten Finale der Geschichte des Eurovision Song Contests hat Malmö den gefühlten Münchener Rekord aus dem Jahr 1983 eingestellt und auch beim Intervalact orientierten sich die Skandinavier offenbar an der unvergessenen Marlene Charell. Dennoch, die schwedische Moderatorin Petra Mede war sicherlich nicht die Schwachstelle des diesjährigen Konzeptes, das mit so vielen Neuerungen den Wettbewerb reduzieren und zugleich modernisieren wollte.

Das von Pannen und im Nachhinein von Skandalen durchzogene Voting brachte letztlich nach dreieinhalb Stunden Show ein Ergebnis zu Tage, dass Fans, Wettbüros und uns eurovisionaeren (tja, die Home Edition…) schon seit Wochen bekannt war: Die barfüßige Emmelie aus dem Wald hatte jetzt auch Europa mit ihrem 08/15-Schlager “Only Teardrops” überzeugen können – Loreen hab sie selig! Mutigere Gesangsversuche wie die aus Ungarn und den Niederlanden schafften es dagegen nur ins Mittelfeld. Der Jahrgang 2013 blieb also das, was wir von den Schweden am wenigsten erwartet hätten: mittelmäßig.

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Ergebnisse 2013

Foto: EBU / Dennis Stachel / Sander Hestermann; Grafiken: EBU; eurovisionaer

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Der Weg nach Malmö 2013

Video Albanien | Adrian & Bledar | Identitet

ALB EBU Ergys Lubonja & Ilir Kaso

Adrian & Bledar haben sich im albanischen Vorentscheid Festivali i Këngës zwar haushoch gegen die favorisierte Anjeza Shahini und den DSDS-Pimp Ardian Bujupi durchgesetzt, doch bei aller Sympathie …ihr 80er-Jugorock kackt gewaltig gegen das übermächtige Rona-Erbe ab. Schade, aber es kann halt nicht jedes Jahr in Tirana Feiertag sein. Immerhin verblieb der Gitarrenlastige Beitrag in der Landessprache, auch wenn bis Anfang März emsig an einer gekürzten ESC-Version gewerkelt wurde.

Foto: EBU / Ergys Lubonja & Ilir Kaso

 

Video Armenien | Gor Sujyan | Lonely Planet

ARM EBU Artur Hovakimyan

Wer hätte gedacht, dass uns eine Zeitreise in die 70er Jahre ausgerechnet nach Armenien befördern würde? Oder dass das weniger in Heimwerkerkreisen beliebte Fachblatt “Metall Hammer” neuerdings über den ESC berichtet? Gor Sujyan macht’s möglich, nachdem er an einem launigen Samstag dem interessierten Publikum von ca. 47 Studiogästen vier Rockballaden vorschrammelte, die auch als 11-minütiges Doom-Metal-Opus hätten durchgehen können. Und so dämmerte es den anwesenden Zuschauern recht früh, dass an diesem Abend kein neues “Qele Qele” zu erwarten war und gerieten – ganz untypisch unpatriotisch – erst beim Pausenact von Gianluca Bezzina halbwegs aus dem Häuschen. Die abschließende Verkündung, dass der vom Black-Sabbath-Gitarristen Tony Iommi komponierte Titel “Lonely Planet” die meisten Stimmen bekam, dürfte deswegen wohl auch die ersten Besucher veranlasst haben, sich umgehend über die Auswanderungsmodalitäten ihres Landes zu erkundigen…

Foto:  EBU / Artur Hovakimyan

 

Video Aserbaidschan | Farid Mammadov | Hold me

AZB EBU Euromedia

Aserbaidschanische Vorentscheidungen sind immer wieder das Einschalten wert, allerdings weniger wegen besonderer musikalischer Highlights. Ganz im Gegenteil: So viele in absolut unverständlichem Englisch vorgetragenen schrägen Töne und sinnfreie Texte gibt es selbst in der hochtrashigen weißrussischen Vorauswahl nicht. Zielsicher hat man sich zum Schluß daher in Baku für Farid Mammadov entschieden, wohl weil er den höchsten Schmuse- bzw. sein Vortrag den niedrigsten Peinlichkeitsfaktor hatte und dem Publikum nicht noch weitere Höllenqualen bereitete. Und wie so oft setzten die Aseris auf harmlosen Konfektionspop aus Schweden, dessen Bühnenpräsentation bis zum jetzt schon sicheren Finaleinzug im Mai entsprechend aufgehübscht und glatt gebürstet werden wird.

Foto: EBU / Euromedia

 

Video Belgien | Roberto Bellarosa | Love Kills

BEL EBU Guy Kokken

Einer der frühesten Vögel sang in dieser Saison ausgerechnet in Belgien! Der schmucke Roberto hatte bereits vor Weihnachten den kompletten Vorentscheidungsstress hinter sich, allerdings schwante auch ihm sehr schnell, dass der damals ausgewählte Song “Love kills” die absolute Katastrophe war noch gehörig überarbeitet werden musste. Als selbst die hingebungsvollsten Eurovisionsnerds meinten, dass sie sich dieses Opus in den kommenden Wochen beim besten Willen nicht schön hören könnten, war guter Rat teuer. Doch Mitte März kam Roberto – nach drei Monaten Klausur – plötzlich mit einer neuen Fassung seines Horrorsongs um die Ecke. Diese überraschte die in einem an  Katastrophen wahrlich nicht armen Jahrgang bescheidener gewordenen Fans so sehr, dass einige prompt von einem nun möglichen Finaleinzug Belgiens sprachen.

Foto: EBU / Guy Kokken

 

Video Bulgarien | Elitsa & Stoyan | Samo Shampioni

BUL EBU V Dudakliev

Tja, wenn du denkst du denkst… Diese alte Schlagerweisheit muss wohl auch der trommelnden Elitsa durch den Kopf gegangen sein, als sie aus Wut über den bulgarischen Wahlausgang nach Programmschluss erst einmal ihre Garderobe zerlegt hatte. In den Tagen zuvor hatte nämlich die gesamte Eurovisionssippschaft noch das von ihr selbst favorisierte “Samo Shampioni” als haushohen Siegertitel vorhergesagt, doch dann kam alles ganz anders. Eine Erklärung mag sein, dass das unzufriedene Volk zur gleichen Zeit auf den Straßen Sofias gegen obszön höhe Strompreise protestierte und somit was Wichtigeres zu tun hatte, als vor der Flimmerkiste zu hocken. Somit entschied eine Handvoll gelangweilter, unpolitischer Televoter über das eigentlich gut gemeinte Vorhaben, den bislang erfolgreichsten Act Bulgariens ein zweites Mal auf die Songcontestbühne zu schicken. Doch dann, ein bulgarisches Wunder: am 11. März teilte der Sender BRT mit, dass der ursprüngliche Siegertitel “Kismet” wegen Copyrightschwierigkeiten zurückgezogen werden müsse, statt dessen rücke .. na, was wohl nach?

Foto: EBU / V. Dudakliev

 

Video Dänemark | Emmelie de Forest | Only Teardrops

DEN EBU Michael Søndergaard

Ende Januar haben die Dänen ob all ihrer sehr gleichtönig nach Dorfdisco klingenden Melodi-Grand-Prix-Vorschläge wohl so laut in den Wald gerufen, dass aus selbigem letztlich ein weiblicher Kasper Hauser erschien und kurzum die muffige Chose gewann. Emmelie, mit vollem Namen Emmelie Charlotte-Victoria de Forest, behauptet von sich selbst, eine Ururenkelin von Queen Victoria zu sein, und geht nun für unsere nördlichen Nachbarn mit “Only Teardrops” in Malmö an den Start. Barfüßig und zerzaust, möglicherweise auch ein wenig streng riechend (aber das wissen wir nicht wirklich), vermischt sie zielsicher diverse eurovisionäre Ingredenzien wie keltische Klänge und rasselnde Trommeln mit vogelscheuchenartiger Loreen-Optik zu einem eingängigen Wettbewerbsbeitrag. Zumindest im beschaulichen Herning hat sie mit diesem erfolgversprechenden Mix alle Möchtegern-Diven haushoch geschlagen. Mal sehen, wie die Rezeptur in Schweden wirkt.

Foto: EBU / Michael Søndergaard

 

Video Deutschland | Cascada | Glorious

GER EBU Lina Schuetze

Nun haben die sich im Netz tummelnden Cascada-Nervensägen doch Recht behalten! Geiz is geil! Billig will ich! Da ist “Glorious” nur die logische Folge und wir bekommen endlich, was wir längst verdienen. Schade eigentlich, aber so läuft nun mal Demokratie. Die Großraumdisco-Diva Natalie Horler hat in der deutschen Vorentscheidung ihr Ding abgespult und das Televoting für sich entschieden. Selbst die am Tag danach viel gescholtene Jury hat da nichts mehr ausrichten können, denn auch sie setzte den Euphoria-Klon noch auf Rang drei. Die könnten wir höchstens verklagen, weil sie unsere geliebte Betty Dittrich komplett ignorierte (ja, ja, Herr Bendzko….deutsche Texte…LOL), dafür aber immerhin den Blitzkids zu….sagen wir mal, 15 Sekunden Ruhm verhalf. Oder sollte das “Experten-Kollektiv” lediglich das nervtötende Brass-Gebläse verhindern?

Foto: EBU / Lina Schuetze

 

Video Estland | Birgit Oigemeel | Et uus saaks alguse

EST EBU Kalle Veesaar

Anders als das verplaybackte schwedische Melodifestivalen beweist das Eesti Laul seit Jahren, wie spannend und modern der Eurovision Song Contest sein könnte, wenn die Esten bloß einen Arsch in der Hose hätten. 2013 war es die Punkcombo Winny Puhh, die förmlich danach schrie, nach Malmö geschickt zu werden. Das Problem war nur – wie so oft – dass die schnarchnasige Jury verdammt taube Ohren hatte und uns somit einen fernsehhistorischen Moment der Sonderklasse in Malmö verweigerte. Ganz klar, wer so wenig Eier wie die Esten hat, sollte für mindestens drei Jahre in den Song-Contest-Kerker geworfen werden! Um dem zu entgehen, hat sich das baltische Völkchen in vorauseilendem Gehorsam allerdings schon selbst bestraft. Sie entschieden sich für eine 80er-Jahre-Gedächtnisballade, bei der dem wohlgesonnensten Fan nicht nur die Füße einschlafen.

Foto: EBU / Kalle Veesaar

 

Video Finnland | Krista Siegfrids | Marry me

FIN EBU Ville Paul Paasimaa

Abgesehen von den Gastgebern hatten sich bereits Mitte Februar alle Skandinavier entschieden, wen sie am 18.05.2013 in die Malmö Arena schicken wollen. Sieben Jahre nach Lordi haben die Finnen jedoch offensichtlich alle Lust verloren, Europa weiter mit Masken und anderen skurrilen Einfällen zu überraschen. Titel, Show und auch Interpretin orientieren sich sehr an der frühen Madonna, doch was dabei herauskam, zeichnete sich eher durch einen extrem Trash-Faktor denn durch Ideenreichtum aus. Und das war selbst den campsten Eurofans zu dick aufgetragen. Eine eurovisionäre Rückkehr nach Helsinki sollte nicht nur 2014, sondern zur Strafe auch für die folgenden fünf Jahre vollends ausgeschlossen sein.

Foto: EBU / Ville Paul Paasimaa

 

Video Frankreich | Amandine Bourgeois | L’Enfer et moi

FRA EBU GERARD BEDEAU FTV

Nach der Anggun-Pleite des Vorjahres haben die Franzosen ohne Rücksicht auf Verluste ihr Eurovisionsdepartment gewaltig ausgemistet und aufgräumt. Und da sie sich wohl kaum auf einen Televotingentscheid ihres für schlechten Geschmack bekannten Publikums verlassen wollten, nominierten sie mal wieder im Hinterzimmer eine Künstlerin, die bei drei nicht schnell genug auf dem Baum war. Amandine Bourgeois nennt sich die Unsportliche; sie hat nicht nur einen wunderbaren Namen, sondern auch einen interessanten Soulrock-Song, der in der besten Tradition der französischen (ebenfalls ganz undemokratisch bestimmten) Eurovisionsperlen der frühen Neunziger steht. Das könnte eine Überaschung werden.

Foto: EBU / Gerard Bedeau / FTV

 

Video Georgien | Nodi & Sophie | Waterfall

GEO EBU Kikala Studio

Der nimmermüde Kompositionsroboter und uneheliche Sohn von Ralph Siegel, Thomas G:son, der im Vorjahr wohl mal einen lichten Moment hatte und uns das göttliche Euphoria schenkte, trieb auch 2013 wieder sein Unwesen in diversen nationalen Vorentscheidungen. Die Georgier, für Kitsch und Pathos offenbar besonders anfällig, beauftragten den Maestro bereits vor Jahresfrist ein pompöses Werk für das recht farblose Duo Nodi & Sophie zu verfassen und prompt bekamen sie eine Ballade geliefert, die sich in höchste Höhen aufschwingt und nach dem Einsatz der gesamten in und um Malmö verfügbaren Pyrotechnik förmlich schreit. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob uns “Ell & Nikki 2.0” einen erneuten Ausflug in den Kauskasus unterjubeln werden…

Foto: EBU / Kikala Studio

 

Video Griechenland | Koza Mostra | Alcohol is free

GRE EBU ERT

Auch wenn die Griechen weiterhin zum Sündenbock der gesamten EU gemacht werden, schert sie das selbst offenbar sehr wenig, solange noch genug Ouzo im Kühlschrank ist. Der floss wohl auch ordentlich bei der Koza-Mostra-Produktion, so dass die Kilttragenden Herren bei der Gelegenheit gleich auf die Idee kamen, das Bürgerrecht auf freien Alkohol für alle einzufordern. Die pfiffige Ska-Nummer ist wie so oft in griechisch gesungen und mit landestypischen Folkloreelementen versetzt. So soll es nach den Statuten der EBU auch sein. Derweil sich Europa also mit belangloser 0815-Discomucke unterbietet, sind die Hellenen euovisionäre Musterschüler. Wenn das in Malmö nicht belohnt wird….

Foto: EBU / ERT

 

Video Irland | Ryan Dolan | Only Love survives

IRE EBU RTE

Na, da werden sich die Schweden mit ihrer selbstgestrickten Startreihenfolge aber ziemlich anstrengen müssen, die ganzen Euphoria-Klone des Jahrgangs 2013 so zu verteilen, dass keinem Zuschauer auffällt, wie dreist alle bei der Vorjahressiegerin abgekupfert haben. Selbst die Iren – abgesehen von den Turbo-Twins Jedward – bislang ein Garant für die klassisch-schnarchige Eurovisionsballade, üben sich nun im Loreen-Soundalike-Wettbewerb. Das dabei nichts Gescheites herauskommen kann, liegt auf der Hand. Und so quält sich (und uns) der keltische Barde Ryan Dolan durch ein nicht endenwollendes Gejaule, gegen das sich selbst die gute Cascada wie ein Muster an Originalität ausnimmt.

Foto: EBU / RTE

 

Video Island | Eyþór Ingi Gunnlaugsson | Ég á líf

ICE EBU Bernhard Kristinn

Für Eyþór Ingi Gunnlaugsson dürfte es in Malmö mit dem Finale schwierig werden, es sei denn, er darf mit Eurovisionsnostalgikern in diversen Länderjurys rechnen. Die zuweilen hilfreichen Bonuspunkte für die Optik scheinen jedoch vollends ausgeschlossen, auch wenn es offensichtlich in Reykjavík und Umgebung die höchste Dichte an langhaarigen Männern in ganz Europa gibt. Nach der Pleite des Vorjahres könnte also auch der Durchgang 2013 eine haarige Angelegenheit für die Isländer zu werden.

Foto: EBU / Bernhard Kristinn

 

Video Israel | Moran Mazor | Rak bishvilo

ISR EBU Tom Marshak

In den letzten Jahren haben sich die Israelis zumeist mit einer internen Vorauswahl über Wasser gehalten, Grund genug, 2013 endlich mal wieder den roten Teppich auszurollen und eine traditionelle Kdam zu veranstalten. Doch irgendwie stand die von Beginn an unter keinem besonders guten Stern: Einige Teilnehmer meckerten, die Jury sei nicht ganz koscher; eine machte gar auf Nicole Diva und blieb dem Finale ganz fern (wahrscheinlich, um mit ihren Kindern Pizza zu essen); zu allem Übel waren die Einschaltquoten mager und die vermeintlich besten Einsendungen wurden schon in der Vorrunde rausgeschmissen. Die im bunten Reigen schräger Töne verdiente Siegerin des Finales Moran Mazor macht im direkten Vergleich zu Dana International sicher nicht die beste Figur, hat aber ein Organ, das ihren Konkurrenten das Fürchten lehrte. Am Ende einer bizarren Punktewertung einem Nervenzusammenbruch nahe und in Tränen aufgelöst, schaffte sie es nur mit letzter Kraft eine hässliche Trophäe in die Luft zu strecken. Doch für ihre Reise nach Schwedavien hat die neue Nana Mouskouri einen Mördersong im Gepäck, der zwar famos startet, dann allerdings nach zwei Minuten in den eurovisionären Niederungen verflacht. Für Malmöer Verhältnisse trotzdem ein Juwel!

Foto: EBU / Tom Marshak

 

Video Italien | Marco Mengoni | L’essenziale

ITA EBU Giuseppe La Spada

Traditionell gehen die Italiener mit einem San-Remo-Teilnehmer an den Start, in diesem Jahr schicken sie gar ihren Sieger Marco Mengoni. Der wollte schon immer zur Eurovision, ob nun, um seine internationale Karriere zu pushen oder einfach, um neue Freunde zu finden. Egal. Einzig ein passendes Lied, mit dem er die Ragazzi so richtig in Wallung bringt, hatte er noch nicht. Und nachdem zwischenzeitlich mindestens vier verschiedene Songs im Gespräch waren, war es dann am 18.03.2013 soweit: Die Italiener legten beim Organisationsmeeting für Malmö als letzte Nation eine CD auf den Tisch: “L’essenziale”, der Sieger-Song von San Remo sollte nun auch im europäischen Finale für Furore sorgen.

Foto: EBU / Giuseppe La Spada

 

Video Kroatien | Klapa s Mora | Mizerija

CRO EBU Dario Njavro

Na, die Eurovision bildet! Hätten wir sonst je erfahren, dass Klapa Volksmusik-Gruppen bezeichnet, deren unbegleiteter, polyphoner Gesang sich in der südkroatischen Region Dalmatien besonderer Beliebtheit erfreut? Zwei Fliegen mit einer Klapa schlagen, dachten sich wohl die Verantwortlichen des kroatischen Senders HRT und stellten mangels besserer Ideen eine “Superklapa” zusammen, die nun ganz Europa beglücken und den heimischen Tourismus ordentlich ankurbeln soll. Mmh, nichts gegen landestypische Elemente, aber für diese Nummer hätte die EBU vielleicht besser den Grand Prix der Volksmusik wiederbeleben sollen, denn mit zeitgenössischer Musik hat das nun gar nichts zu tun. Urlaubsromantik hin oder her, in Malmö werden sich die sechs strammen Herren schätzungsweise wie ne Jungfrau aufm Straßenstrich fühlen, doch gerade deswegen steht zu befürchten, dass diverse Jurys auf den Song abgehen werden wie Schmidts Katze. Und schwupps sind wir in die eurovisionären Untiefen der Neunziger zurückgebeamt! Das ist fürwahr eine Misere!

Foto: EBU / Dario Njavro

 

Video Lettland | PeR | Here we go

LAT EBU Linda Rutule

Please Explain the Rhythm, das sind PeR. Mit zwei Beiträgen in die diesjährige Eirodziesma gestartet, haben sich die Zuschauer in geistiger Umnachtung oder wegen zu viel Ventspils leider für den schwächeren Song entschieden. “Sad Trumpet” hätte in Schweden sicherlich für Aufsehen gesorgt, “Here we go” kam da eher wie ein mittelmäßiger Mitgröhlschlager daher. Ist aber immer noch besser als 2/3 dessen, was uns Europa 2013 sonst so auftischen mochte.

Foto: EBU / Linda Rutule

 

Video Litauen | Andrius Pojavis | Something

LIT EBU Oksana Točickaja okto-lt

Litauen ist sich eigentlich für eine musikalische Peinlichkeit auf dem eurovisionären Parkett nie zu schade, denke mensch nur an die nervtötende Evelina Sašenko oder den Krawallsong “We are the Winners”. In diesem Jahr haben sich die Balten etwas zurückgenommen. Andrius Pojavis hört sich ein wenig wie Aha an und ist offenbar der Meinung, dass ihm Zylinderhüte besonders gut stehen. Wie gesagt, da haben seine Vorgänger weitaus größere Verbrechen begangen.

Foto: EBU / Oksana Točickaja, okto.lt

 

Video Malta | Gianluca Bezzina | Tomorrow

MAL EBU KRIS MICALLEF

Malta suchte sein Eurovisionsglück zeitgleich mit den Isländern am 02. Februar und bescherte uns damit zwei neue Songs für Malmö aus völlig entgegengesetzten Ecken Europas. Doch während sich die 319575 Isländer in ihrer wunderschönen Harpa auf eine eher langweilige Zeitreise in eine Vorentscheidung der 80er träumten und aus aller dargebotenen Ödnis sich für das vermeintlich kleinste Übel entschieden, hatten die 417608 Malteser trotz Mehrzweckhalle einen richtig aufregenden Abend. Gianluca Bezzina gewann dort dank der internationalen Jury, die 7/8 der Abstimmung ausmachte, knapp vor dem Televoting-Favoriten Kevin Borg. Und das obwohl eurovision-dot-tv bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Wertung eigentlich ein ganz anderes Ergebnis verkündete. Egal, denn ob es nun an dem wohl in Malta Aufsehen erregenden Norwegerpullover lag, oder einfach daran, dass der Rest der Konkurrenz die seit Jahren altbekannte Eurovisionsleier anstimmte – die Mittelmeerinsel hat endlich mal wieder die Chance auf eine Top-10-Platzierung im Finale.

Foto: EBU / Kris Micallef

 

Video Mazedonien | Esma & Lorenzo | Pred da se razdeni

MAC EBU Marko Markovski

Nach einer endlos lang erscheinenden Vorentscheidungssaison, die bis zum 27.02.2013 eine musikalische Katastrophe nach der anderen hervorbrachte, wendete sich just an dem Tag das Blatt mit der Präsentation des diesjährigen Beitrags aus Skopje. Die Eurofanboys nahmen “Imperija” mit der gleichen Begeisterung wie geifernde Hunde ein rohes Stück Fleisch auf. Und recht hatten sie! Madame Redžepova, die auch The Queen of the Gypsies genannt wird, und der 42 Jahre jüngere Lozano aka Vlatko Lozanoski ergänzten sich in dem Mix aus Ethno und Elektro so fabelhaft, dass es gar nicht weh tat, und hätten damit für die bislang erfolgreichste Teilnahme Mazedoniens sorgen können. Hurra! Wenige Tage später folgte dieser Euphorija die Ernüchterung, da der Song aus nicht genauer definierten Gründen – vermutlich nach einem großen Gemecker zu Hause und wegen Stress mit den griechischen Nachbarn – wieder zurückgezogen wurde. Kurz vor Toreschluss wurde dann der Gemeinde “Pred da se razdeni” präsentiert, allerdings stieß der Beitrag auf wenig Gegenliebe bei den Fans, die sich nun wiederum “Imperija” zurückwünschten…

Foto: EBU / Marko Markovski

 

Video Moldau | Aliona Moon | O mie

MOL EBU Y Scutaru

Offensichtlich war die verunglückte Wahl des Nachbarlandes Rumänien nicht spurlos an den Moldawiern vorüber gegangen, denn auch sie gaben sich mit ihrer Entscheidung für Malmö recht borderlinig. Auf dem schmalen Grat zwischen Peinlichkeit und Pathos könnte es dieses Jahr für Aliona Moon trotz einer guten Stimme sehr rutschig werden. Immerhin wurde der englischsprachige Text mit der unterirdischen Titelzeile “The Maya were not so wrong” kurzfristig zurückgezogen und durch die rumänische Version ersetzt. Möglicherweise damit kaum noch jemand diesen Quatsch versteht…

Foto: EBU / Y. Scutaru

 

Video Montenegro | WhoSee? | Igranka

MNE EBU Risto Bozovic

Großartig! Nach dem Rambo-Amadeus-Experiment gibt Montenegro sich auch in diesem Jahr nicht feige und nominierte die im Lande sehr bekannten Hiphopper “Who see?”. Diese wurden 2012 von MTV Europe zum “Best Adria Act” gewählt und verfügten dementsprechend daheim über eine gehörige Prominenz. Da jedoch Rappen erfahrungsgemäß bei der Eurovision nie besonders gut ankam, haben sich die beiden mit Nina Žižić weibliche Verstärkung ins Boot geholt. Das Ergebnis war für Song-Contest-Verhältnisse zumindest ein recht modernes Stück Musik und stand damit im krassen Gegensatz zu den vielen Juryfreundlichen Traditionsballaden des Jahres 2013. Ach, wenn doch alle Nationen so risikofreudig an das europäische Wettsingen herangingen, dann wäre unser Lieblingswettbwerb weitaus unterhaltsamer!

Foto: EBU / Risto Bozovic

 

Video Niederlande | Anouk | Birds

NL EBU Pablo Delfos

I’m not going to Malmö to do parties and I will not participate in any parties and promo-tours before contest. I see no benefit in that. I see it like vacation for 2 weeks, when I will have lots of fun!

Anggun würde nach ihrem letztjährigen Desaster den ersten Teil dieses Zitats von Anouk sicherlich sofort unterschreiben, bei der zweiten Behauptung bin ich persönlich ein wenig skeptisch, schließlich erscheint es beim Hören des Beitrags “Birds” so gut wie ausgeschlossen, dass diese Frau überhaupt Spaß haben kann. Dementsprechend serviert Anouk auch keinen holländischen Happy-Sound, sondern respektable Eurovisionskunst, die schon allein wegen der Zeilen “Birds falling down the Rooftops, out of the Sky like Raindrops” einen klassischen Contestmoment 2013 verspricht. Die in den vergangenen Jahren arg gebeutelten Niederländer ziehen also eine Nummer aus dem Hut, die sich – insbesondere vor dem Hintergrund der leidigen Liedertauscherei in diesem Jahr – kaum eine andere Nation getraut hätte. Bravo!

Foto: EBU / Pablo Delfos

 

Video Norwegen | Margaret Berger | I feed you my Love

NOR EBU Ida Bjørkvik

Die Norweger geben sich ein wenig stilsicherer als im Vorjahr, auch wenn die Björk-Synthies der ersten Strophe so laut sind, dass sich selbst das singende Fräulein Berger zwischendurch nur noch genervt ans Ohr fassen kann. Ebenfalls mit einem schäbigen Namen geschlagen, der bei weitem nicht so glamourös klingt wie z.B. “Loreen”, ragt sie jedoch unter den bislang feststehenden Beiträgen meterhoch hinaus, was sich bereits bis in die verschlafenen britischen Wettbüros herumgesprochen hat.

Foto: EBU / Ida Bjørkvik

 

Video Rumänien | Cezar | It’s my Life

ROM EBU

Jetzt spricht der Ober-Eurolehrer: Bislang habe ich mich wirklich bemüht, bei manchen Einsendungen nachsichtig zu sein, da diese möglicherweise einen landestypischen Geschmack treffen, den nicht jeder nachvollziehen kann. So viel Toleranz kann ich bei Rumänien nicht mehr walten lassen: Diese Lachnummer ist einfach nur Schrott – und mehr sollte dazu nicht gesagt werden.

Foto: EBU

 

Video Russland | Dina Garipova | What if

RUS EBU

Was wäre, wenn die Russen den Eurovisionssieger 2013 stellen würden? Nicht nur, dass die 2009-Moskauer Ausgabe in Punkto Protz und Pomp – zudem im olympischen Sochi-Jahr – in den Schatten gestellt werden dürfte. Auch sollte sich bei der Gelegenheit der gesamte Katalog anti-homosexueller Gesetzgebung Russlands bestens auf dessen Wirksamkeit überprüfen lassen. Passend zu diesen Horrorvisionen erscheint die am Reißbrett entstandende schwedische Auftragsproduktion in ihrer offensichtlichen Kalkuliertheit so vorhersehbar, dass bereits Minuten nach deren offizieller Veröffentlichung erste Plagiatsvorwürfe im Netz auftauchten. Kein Wunder, soll doch die 0815-Allerweltsballade vornehmlich auf Jury-Stimmenfang gehen. Pfui!

Foto: EBU

 

Video San Marino | Valentina Monetta | Crisalide

SNM EBU Augusto Betiula

Da galt es wohl etwas wieder gut zu machen, denn Ralph Siegel nebst Interpretin Valentina Monetta durften mussten nach der Vorjahrespleite noch einmal für San Marino ran. Das Ergebnis hört sich wie ein Nicole-Hitmedley auf italienisch an, denn irgendwie wollte der Altmeister wohl gleich zwei Songideen einbringen. Aber anders als bei dem uns den Angstschweiß auf die Stirn treibenden Facebook-Beitrag ist die allgemeine Resonanz auf “Crisalide” in Eurovisionskreisen recht positiv. Wahrscheinlich nur, weil die meisten eine noch schlimmere Geschmacksverirrung als 2012 erwartet hatten. Wenn es Ralph jetzt noch verboten wird, den Oh-Uh-Bühnenauftritt zu konzipieren, könnte es mit dem ersten Finaleinzug San Marinos was werden.

Foto EBU / Augusto Betiula

 

Video Schweden | Robin Stjernberg | You

SWE EBU Rickard Frantzén

Auch wenn es die ESC-Anoraks nicht hören wollen: Das schwedische Melodifestivalen 2013 war einfach nur schlecht und hatte kaum mehr als sinnfreies Luftballonwedeln und peinliche Autotuning-Patzer zu bieten. Aus einer Riege schlecht gesungener, mittelmäßiger 0815-Beiträge gewann ein jaulender Niemand, der sich nahtlos in das Arsch-auf-Eimer-Line-up des diesjährigen Eurovision Song Contest einreiht und eigentlich dem Gastgeber SVT die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte. Und die zur gleichen Zeit, nur an einem anderen Ort aus der musikalischen Gruft entstiegene Agnetha Fältskog beweist, dass sie es auch mit 63 Lenzen immer noch tausendmal besser kann als das gesamte junge MF-Pack zusammen.

Foto: EBU / Rickard Frantzén

 

Video Schweiz | Takasa | You and me

CH EBU SRF Oscar Alessio

Dass die Heilsarmee ausgerechnet die Eurovision als Vehikel einer neuen PR-Kampagne auserkoren hatte, konnte schon als schlechter Scherz durchgehen. Es war leider die Wahrheit. Mit einem Allerweltsschlager hatte die wohl am Reißbrett konstruierte Combo die scheinbar völlig verzweifelten Schweizer um den kleinen Finger gewickelt, und die mussten die Suppe nun auslöffeln. Die EBU mochte nämlich keine Uniformen auf der Bühne und den Namen fand sie auch doof. Und während die Freikirchler unter diesen teuflischen Bedingungen zuerst von einem Auftritt im Schwulen-Mekka Malmö absehen wollten, stimmten sie letzten Endes doch allen Auflagen zu, um ihre Mission im Namen des Herrn zu vollenden. Die für ihre Schnelligkeit nicht gerade bekannten Eidgenossen mussten danach lediglich drei schlappe Monate grübeln, dann entschieden sie sich – wahrscheinlich im Rahmen eines christlichen Kreativworkshops – für die mehr als peinliche Formel “Takasa” (The Artists fomerly known as Salvation Army). Da hatten sich alle Gottlosen zu früh gefreut. Hallelujah!

Foto: EBU / SRF / Oscar Alessio

 

Video Serbien | Moje 3 | Ljubav je svuda

SRB EBU Slobodan Saric Photopress RTS

Heiliger Bimbam, was uns die Serben in diesem Jahr andrehen wollen, wäre wohl selbst bei einer von der Oberstufe selbstorganisierten Abi-Veranstaltung durchgefallen. Weder die albernen Kostüme noch der grauenerregende Gesang erlauben ein anderes Urteil als dieses: Die Ex-Jugos übertreffen selbst den Trashfaktor ihrer 80er Beiträge um ein Vielfaches und wollen scheinbar auf gar keinen Fall gewinnen. Das aber hätten wir doch auch irgendwie anders regeln können…

Foto: EBU / Slobodan Saric Photopress RTS

 

Video Slowenien | Hannah Mancini | Straight into Love

SLO EBU Klemen Razinger

Seit mittlerweile 20 Jahren nehmen die Slowenen am Eurovisionszirkus teil, ohne allerdings dermaßen zu profitieren wie ihre ex-jugoslawischen Nachbarn. Bislang ist ein siebter Platz das beste Ergebnis für die Alpenrepublik. Zu Beginn der 2013-er Saison hatten die Verantwortlichen daher wegen gleichermaßen chronischer Erfolglosigkeit und Finanzknappheit überlegt zu pausieren. Doch dann haben sie wohl noch einmal das Porte­mon­naie durchgezählt und sich für eine Discount-Teilnahme entschieden. Ohne Vorauswahl einigte sich RTVSlo intern auf die US-Amerikanerin Hannah Mancini. Somit blieb uns zwar vermaledeites Englisch erspart, jedoch nicht die uninspirierte Disconummer “Straight into Love”. Straight und Eurovision, das passt ja nun gar nicht zusammen…

Foto: EBU / Klemen Razinger

 

Video Spanien | El Sueño de Morfeo | Contigo hasta el final

ESP EBU Pedro Castro

Im Grunde genommen haben die Spanier dieses Jahr alles richtig gemacht. Mit El Sueño de Morfeo haben sie eine halbwegs zeitgemäße Formation mit Charterfolgen verpflichten können, die nicht den klassischen Euroschlager bedient und gar folkloristische Elemente in ihre Musik einfließen läßt. Das Problem ist nur, dass das Trio in keinen der drei zur Auswahl stehenden Beiträge eine zündende Idee einbringen konnte. Warum es also jetzt gerade “Contigo hasta el final” geworden ist, weiß daher wohl so recht niemand. Trotzdem: die naheliegende Formel “Morpheus = Schnarchsong” greift nicht, nur sich weil der kleine nette Popsong dem derzeit gängigen Eurovisionsmuster widersetzt. Allerdings ist zu befürchten, dass – rein ergebnisorientiert – die leisen Spanier in Malmö sang und klanglos untergehen und sich am Ende mal wieder auf der rechten Tabellenhälfte wiederfinden werden.

Foto: EBU / Ruben Fernandez

 

Video Ver. Königreich | Bonnie Tyler | Believe in me

UK EBU BBC

Das Mutterland des Pop hat sich allerspätestens im vergangenen Jahr mit seiner bizarren Engelbert-Auswahl in ein Abseits geschossen, aus dem es auch 2013 nicht herauskommt. Nun gut, die diesjährige Teilnehmerin Bonnie Tyler ist immerhin satte 15 Jahre jünger als der olle Hump, aber wirklich frisch ist weder sie selbst noch ihr Beitrag “Believe in me”. Der scheint, wie findige Fans schnell recherchiert haben, wohl eher eine abgelehnte Einsendung aus der 74er “Song for Europe”-Vorauswahl für Olivia Newton-John zu sein. Es ist wie verhext, in den 80ern, als sie mit furiosen Steinman-Epen charten konnte, wollte sie nicht, und heute kann sie nicht… Egal, mittlerweile ist die Eurovision wohl gut genug, um zumindest für zwei Monate in die Schlagzeilen zu kommen. Wer wills ihr verübeln, aber die Strategie der BBC ist kaum nachvollziehbar, denn so wie es Deutschland vor drei Jahren vorgemacht hat, hätte auch das Jukehh mit hunggggrrrrigen Talenten alle Chancen den Wettbewerb endlich mal wieder zu gewinnen. Naja, offensichtlich ist die Beeb noch nicht verzweifelt genug…

Foto: EBU / BBC

 

Video Ukraine | Zlata Ognevich | Gravity

UKR EBU Alena Dobrova

Während die von uns Eurovisionären seit 2011 hochverehrte, geliebte und vergötterte Jamala wohl hoffentlich niemals mehr einen Fuß durch die für immer beschmutzte ukrainische Eurovisionspforte gehen wird, hat es die damals ebenfalls geschmähte Zlata 2013 doch tatsächlich noch einmal gewagt und prompt wurde sie – wahrscheinlich wegen des schlechten Gewissens der bösen TV-Oberen – mit einem Kübel Goldregen überschüttet! Nun durfte sie also zwei Jahre nach der gar heftigen Schmach endlich erleben, was es heißt, die Schönste und Beste im ukrainischen Lande zu sein! Von dieser plötzlichen Zuneigung förmlich überwältigt, stellte die fotogene Sängerin (s. links) erst im Momente höchster Glückseligkeit fest, dass sie gar kein passendes Liedgut herbei gebracht hatte. Egal – die nächsten Wochen verbrachte sie damit, an ihrer recht chaotischen Disney-Ballade zu schrauben was das Zeug hielt, um ihre Förderer auf ewig von ihrer Sangeskunst zu überzeugen.

Foto: EBU / Alena Dobrova

 

Video Ungarn | ByeAlex | Kedvesem

HUN EBU Máté Nagyistók

Anders als die Esten haben sich die Ungarn von ihrer hinterweltlerischen Jury nicht belatschern lassen und schicken nun einen Beitrag ins eurovisionäre Rennen, der sich mal ausnahmsweise keiner herkömmlichen Wettbewerbsmuster bedient. Der im schrillen Eurovisionsland ganz nerdig daherkommende ByeAlex flüstert sich durch ein ohne Pomp und Pathos auskommendes Liebeslied, das aller Voraussicht nach in Schweden grandios untergehen wird, weil es einfach zu klein ist. Szurkolunk Alex!

Foto: EBU / Máté Nagyistók

 

Video Weißrussland | Alyona Lanskaya | Solayoh

BLR EBU BRTC

Kurz nach ihrer Wahl im Dezember 2012 ließ Frau Lanskaya verlauten, dass sie gar nicht daran denke, mit ihrer schäbigen, unoriginellen Disconummer “Rhythm of Love” nach Schweden zu reisen und nun auf der Suche nach wettbewerbsfähigen Songs sei. Wie gut, dass Minsk in diesem Jahr sein alljährliches Vorentscheidungsdrama rechtzeitig begonnen hatte! Nachdem also die anspruchsvolle Alyona in den folgenden Monaten den gesamten Kontinent nach halbwegs verwertbarem Material abgegrast hatte, präsentierte sie Anfang März triumphierend einen Happysound-Schlager der übelsten Sorte. Prompt erinnerte sich der ausrichtende Sender BRTC an die “I love Belarus”-Peinlichkeit, schlug die Hände überm Kopf zusammen und erbat sich einige Tage Bedenkzeit, bis … ja, bis schließlich mit Berufung auf ungenannte Quellen aus dem Präsidentenpalast die Botschaft kam, dass Lukaschenko höchstpersönlich dem Cha-Cha-Fieber verfallen sei … und somit war der Drops gelutscht.

Foto: EBU / BRTC

 

Video Zypern | Despina Olympiou | An me thimase

CYP EBU Giorgos Kalfamanolis

Wie viele andere Teilnehmerstaaten ist auch Zypern pleite und folglich ebenso der staatliche Fernsehsender CyBC. Da sollte man meinen, dass es Wichtigeres gäbe als zum Wettsingen zu fahren. Pustekuchen – Nikosia ist dabei, wenn auch natürlich kein Geld für eine schmucke Vorentscheidung locker zu machen war. Und beim Lied haben die Insulaner ebenfalls gespart, denn sie fanden in irgendeiner verstaubten Kiste im Keller der Sendeanstalt wohl noch Einsendungen aus den frühen Achtziger Jahren. Einmal feste drüber pusten und schon ist der Beitrag 2013 fertig. Den etwas muffigen Geruch kriegen sie bis zum Mai auch noch weg.

Foto: EBU / Giorgos Kalfamanolis

 

Blogartikel 2013


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...