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Politisch korrekte Ukrainer

Jamala | 1944

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Vorsicht, es folgt ein Politikum! Um seinen diesjährigen Song-Contest-Vertreter zu bestimmen, hatte das ukrainische Fernsehen eine Art öffentlichen Schauprozess organisiert, als dessen oberste Richterin die unbarmherzige Ruslana verpflichtet, und das Spektakel unter dem Decknamen “ESC-Vorentscheidung” viereinhalb Stunden lang per Youtube-Stream live in alle Welt übertragen.

Dem dreiminütigen Vortrag der Einreichungen nämlich schloss sich jeweils ein durchschnittlich halbstündiges Tribunal an, in dessen Verlauf wahlweise Kleiderfragen, nationale Symbole oder die politische Einstellung der Kandidaten ausgiebig hinterfragt bzw. ausdiskutiert wurden, während die betroffenen Künstler den Redefluss der Juroren möglichst demütig über sich ergehen lassen mussten.

Es gewann schließlich der Beitrag “1944“, in dem dessen Autorin und Sängerin Jamala ihren Schmerz um die Vertreibung ihrer tartarischen Großeltern von den Krim in eben besagtem Jahr durch Stalinrussland zum Ausdruck bringt. Das Perfide daran: Der damals und auch heute verhasste Aggressor wird in dem Liedtext nicht explizit erwähnt, lediglich die Jahreszahl stellt Kontext und Aktualitätsbezug her. Und über den wird – so viel ist schon jetzt sicher – beim Festival des politischen Liedes im Mai in Stockholm ausreichend geredet werden. Ukrainisches Kalkül Anno 2016.

Fest steht – Parolen wie das billig-banale “Tick-Tock” waren gestern. Nach einjähriger Abstinenz möchte die Ukraine nunmehr den paneuropäischen Contest weniger als völkerverbindendes Event, denn als Bühne für den unbändigen Zorn auf den verhassten Nachbarn mißbrauchen nutzen. Da wäre das “Love Manifest” des Sängers SunSay von der Message her versöhnlicher gewesen. Doch dessen Wahl verbot sich leider von selbst, wie Inquisitorin Ruslana durch beharrliches Nachfragen herausfand: Er gab vor laufenden Kameras zu, Freunde in Russland zu haben. Und die vom eurovisionaer 2011 noch so heiß geliebte Jamala muss es nun ausbaden. Na, bravo!

Bestes Mal: Ruslana | Wild Dances

Letztes Mal: Mariya Yaremchuk | Tick Tock


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Noch nicht in diesem Jahrhundert angekommen

Um seinen diesjährigen Song-Contest-Vertreter zu bestimmen, hatte das ukrainische Fernsehen für den 21.02. eine Art öffentlichen Schauprozess organisiert, als dessen oberste Richterin die unbarmherzige Ruslana verpflichtet, und das Spektakel unter dem Decknamen „ESC-Vorentscheidung“ viereinhalb Stunden lang per Youtube-Stream live in alle Welt übertragen.

Dem dreiminütigen Vortrag der Einreichungen nämlich schloss sich jeweils ein durchschnittlich halbstündiges Tribunal an, in dessen Verlauf wahlweise Kleiderfragen, nationale Symbole oder die politische Einstellung der Kandidaten ausgiebig hinterfragt bzw. ausdiskutiert wurden, während die betroffenen Künstler den Redefluss der Juroren möglichst demütig über sich ergehen lassen mussten.

Es gewann schließlich der Beitrag „1944„, in dem dessen Autorin und Sängerin Jamala ihren Schmerz um die Vertreibung ihrer tartarischen Großeltern von den Krim in eben besagtem Jahr durch Stalinrussland zum Ausdruck bringt. Das Perfide daran: Der damals und auch heute verhasste Aggressor wird in dem Liedtext nicht explizit erwähnt, lediglich die Jahreszahl stellt Kontext und Aktualitätsbezug her. Und über den wird – so viel ist schon jetzt sicher – beim Festival des politischen Liedes im Mai in Stockholm ausreichend geredet werden. Ukrainisches Kalkül Anno 2016.

Fest steht – Parolen wie das billig-banale „Tick-Tock“ waren gestern. Nach einjähriger Abstinenz möchte die Ukraine nunmehr den paneuropäischen Contest weniger als völkerverbindendes Event, denn als Bühne für den unbändigen Zorn auf den verhassten Nachbarn mißbrauchen nutzen. Da wäre das „Love Manifest“ des Sängers SunSay von der Message her versöhnlicher gewesen. Doch dessen Wahl verbot sich leider von selbst, wie Inquisitorin Ruslana durch beharrliches Nachfragen herausfand: Er gab vor laufenden Kameras zu, Freunde in Russland zu haben.

Foto: Jamalamusic.com


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...