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Jetzt geht die Party richtig los

Villa Kunterbunt - Wikimedia jdiemerleer
Mittlerweile ist es (fast) jedes Jahr das Gleiche: Kurz nach dem Gewinn beim Eurovision Song Contest füh­len sich die Verant­wortlichen des Siegerlandes als hätten sie eine überdimensio­nale Arschkarte gezo­gen, denn schon im Sommer beginnt tra­ditionell die Suche nach einem geeigneten Austrag­ungsort für die nächste frühjährliche Sause. Vor Jahr­zehnten nämlich hatte irgendjemand in das mehrere Bände umfassen­de Regelwerk der EBU gekritzelt, dass der Sieger auch den gan­zen Schlamas­sel die Organisati­on des Folge­contests am Hals hat. Punkt! Doch damit macht man sich letztlich in der Genfer Chefetage nicht die Hände schmutzig, sollen das doch die Deppen vor Ort erledi­gen.

Was bis Anfang der 2000er-Jahre mehr oder weniger reibungs­los funktionierte (und selten mal wegen aku­ten Geld­mangels oder wichtiger Feiertage außer Kraft gesetzt wurde), wird in den letzten Jahren ein wenig problemati­scher. Denn seitdem die Eurovision über die Jahre immer ge­waltigere Fanscharen und Horden von Medienvertretern an­zog, ging es nicht mehr dar­um, etwas großzügigere Ver­sammlungsräume im Hinterzimmer einer Vorstadt­kneipe eines Kon­gressgebäudes anzumieten. Mit zu­nehmender Po­pularität wurden Delegationen, Are­nen und Pressezen­tren immer größer, die Aufbauten immer gigantischer und die Probendurchläufe immer länger. Gleicherma­ßen wuchs das Verlangen der Be­sucher nach Desi­gnerunterkünften, einem spektakulär­en Rahmenpro­gramm und diversen ande­ren touristischen Kinkerlitz­chen.

Erstmals haben das die Deutschen 2011 zu spüren bekomm­en, als sie es nach monatelanger Recherche wag­ten, die Eurovisi­on ins provinzielle Düsseldorf zu verfrachten, anstatt den Hof­staat im glamourösen Berlin zu empfangen. Auch in diesem Jahr mussten sich die Verantwortlichen des schwedischen Fern­sehens für das beschauliche Malmö ent­scheiden und nicht für die riesige “Friends Arena” oder das liebge­wonnene “Globen” in Stockholm, das dummerweise schon für die Eishockey-WM gebucht war. Und selbst die strebsamen Aserbaidschaner mussten 2012 erst einmal ge­schwind die Vorstadtslums von Baku dem Boden gleich ma­chen und eine neue Halle bauen, um Europa standesgemäß zu bewirten.

Jetzt haben unsere nördlichen Nachbarn, die sich am 18. Mai noch wie Hulle freuten, den Salat. Im ganzen Staate Dä­nemark ist etwas faul kein Ort auszuma­chen, an dem die Anhänger­schaft über zwei lange Wochen gleichermaßen mon­dän feiern und bequem übernachten kann! Solche Proble­me sprechen sich erfahrungsgemäß schnell rum, und schon zetern alle Fans und Offiziellen – das Hor­rorszenario zugiger Som­merhäuschen im platten Jüt­land vor Augen habend – und fordern mindestens eine Millionenstadt für die Austra­gung ihres Lieblingswettbe­werbs. Bekannterma­ßen hat Däne­mark davon nicht so viele, ei­gentlich nur eine, und auch nur, wenn der gesamte Großraum Kopenhagens dazu gezählt wird. Egal – aber ausge­rechnet dort findet sich nun keine wirkliche Bühne, auf die man die eu­ropäischen Möchtegern­stars stellen könnte. Schnell hatte das seit 2001 ungeliebte “Par­ken-Stadion” abgewunken, wo man es sich wegen solch schriller Extravaganzen wie der Eurovi­sion nicht noch einmal mit seinem großzügigsten Geldgeber, dem FC Ko­penhagen, vergrätzen möchte.

Was also tun, wenn offensichtlich nur hingebungsvolle Fans, nicht aber Entscheider aus Politik und Wirtschaft das Unterneh­men Eurovision unterstützen? Nun, für 2014 wird wohl kaum noch ein Weg um das ländliche Herning herum füh­ren, doch danach sollte das Gewinner-ist-gleich-Ausricht­er-Prinzip schnellstens einge­mottet werden. Was danach kom­men könn­te, macht Olympia mit der Vergabe seiner Spiele vor, zelebriert das Ganze im Rahmen einer bunten Show und profi­tiert so von einer langfristigen Planung. Soll die EBU es doch einfach scham­los nachmachen! Dann können die schönsten Städte und größ­ten Lo­cations Europas auf Wo­chen okkupiert, dicke Beste­chungsgeschenke für Funktio­näre eingesackt und schwindeler­regende Werbeverträge abgeschlossen werden. Der Alp­traum, nach Minsk reisen zu müssen, bliebe allen Betei­ligten erspart und sogar Lissabon und Valetta hät­ten endlich einmal eine Chance!

Foto: Wikimedia / jdiemer


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