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Schluss mit lustig

Während sich die Reference-Group letzten Monat ob der Vorbereitungen 2012 etwas wortkarg gab und der homo-, metro-, heterosexuelle Eurovisionssieger Eldar Qasimov dagegen nicht müde wird zu beteuern, dass dem schwul-lesbischen ESC-Stammpublikum in Baku keine Gewalt drohe, blättere ich in einem aserbaidschanischen Reiseführer, der mir vor wenigen Tagen von den Herren P. und V. geschenkt wurde.

Nicht nur, dass die Landeswährung Manat derzeit exakt einem Euro entspricht und von Robert Kalina entworfen wurde, der bereits – richtig! die uns vertrauten europäischen Scheinchen designt hatte – auch erfahre ich, dass die Luft in der kosmopolitisch anmutenden Hauptstadt insbesondere nahe der schillernden Uferpromenade nach Smog, Salz und Öl rieche. Selbst das Kapitel Sex (ja, das gibt es in diesem bereits 2009 aufgelegten Kompendium auch, ohne dass die Autoren wohl damals ahnten, wie wissbegierig sich heutzutage mancher Leser darauf stürzt….) klärt auf, dass die Gesellschaft zwar recht konservativ sei, jedoch in der Umgebung vom Europa-Hotel von selbiger gelegentlich Transvestiten gesichtet wurden. Generell dürften (wohl auch in anderen Hotels, so interpretiere ich das mal) gleichgeschlechtliche Paare, die ein Bett teilten, weniger Aufmerksamkeit erregen als ein unverheiratetes heterosexuelles Pärchen. Und letztlich sei gar die Kriminalitätsrate eine der niedrigsten Europas, wenngleich in der Region Nagorny Karabach schon ein wenig Vorsicht geboten sei.

Während also meine westeuropäisch geprägte Seele sich allmählich mit dem Gedanken eines südkaukasischen Traumurlaubs anfreundet, beginnen nun die Aseris jedoch – oder besser gesagt ihre politische Führung – den ganzen Träumereien ein jähes Ende zu bereiten. Natürlich geht es dabei um den Konflikt mit Armenien, genauer gesagt um die Herausgabe von Gebieten in der oben erwähnten Region Berg-Karabach, die der Nachbar seit 17 Jahren besetzt hält. Notfalls wolle man das Gebiet mit Gewalt befreien, sagte Präsident Ilcham Aliyev bei einer Militärparade zum “Tag der Streitkräfte“ am 26. Juni 2011 und redete sich damit weder in die Herzen der seit Jahren verhandelnden EU noch in die der für den Songcontest zuständigen EBU. Da hört dann sicherlich der Spass auf. Dem geneigten Fan sei daher mal zur Abwechslung neben dem den Sommer überbrückenden Studium der Wertungstabellen der 60er Jahre auch diese Seite (mittlerweile leider gelöscht) empfohlen, die einen guten Einblick in die derzeitig mehr als angespannte Lage gibt.


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...