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Moderne Letten

Justs | Heartbeat

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Die lettische Vorentscheidung Supernova, erst vergangenes Jahr gegen die zuletzt unerfolgreiche Dziesma ausgetauscht, entwickelt sich zu einem fantastisch funktionierenden Vorentscheidungsformat, das beweist, wie zeitgemäß ESC-Songs sein können. Garantin hierfür ist erneut die Vorjahressiegerin Aminata, deren smarter Zögling Justs 2016 die Fahrkarte nach Stockholm mit dem von ihr verfassten Elektro-Popsong “Heartbeat” locker löste.

Damit sind die Letten glücklicherweise wieder dort gelandet, wo sie mit der famosen Band Brainstorm vor 16 Jahren begonnen hatten. Vergessen ist das unsägliche „I Wanna“-Tralala, das aus unerklärlichen Gründen 2002 den Gesamtsieg davontrug. Um also die immer noch gängige Stigmatisierung „Schlager-ESC-Beitrag“ zu widerlegen, gibt es nur ein Rezept: ausgelutschte Muster aufbrechen und eingängige, intelligente Musik zum Wettbewerb entsenden. Der Newcomer aus Riga hält sich dran, was sich längst auch unter den Festivaljüngern herumgesprochen hat. Dementsprechend gilt der 21-jährige Lette nunmehr als Favorit auf eine europäische Topplatzierung, wenn nicht sogar den Gesamtsieg. Prima!

Bestes Mal: Marie N | I wanna

Letztes Mal: Aminata | Love injected


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Irischer Bitchfight zu später Stunde

Traditionell verstecken die Iren ihre Eurosongauswahl in der piefigen “Late Late Show”, die alljährlich einer immer gleichen Dramaturgie folgt: Mit fachkundigen Gästen, garantiert eine ist seit gefühlten 351 Jahren Linda Martin, wird über die fünf auf der kleinsten Bühne der Welt präsentierten Beiträge gelabert, als gäbe es kein Morgen mehr. Dabei werden die Chancen im internationalen Wettbewerb bis ins kleinste Detail ausgelotet, das Studiopublikum signalisiert danach durch müdes Klatschen sowas wie Zustimmung, und dazwischen werden Klassiker der guten alten Zeit wie „Making your Mind up“ eingespielt. Kurz vor Mitternacht dann, wenn wahrscheinlich auch der letzte Mitbürger sanft entschlummert ist und Dauergast Linda ein seit Jahren gleiches Medley zum Besten gegeben hat, wird die oder der Unglückliche präsentiert, die oder der sich bis Ende Mai die Schmach der längst nicht mehr erfolgsverwöhnten Insulaner antun darf…

So kuschelig und schön hätte es auch 2014 werden können, ja wenn… ein Mentor nicht plötzlich mittendrin einem der Gäste – Louis Walsh – Voreingenommenheit zu einem der wettbewerbenden Künstler unterstellt hätte. Wort für Wort steigt erkennbar die Galle bei unserer Euro-Blasphemie witternden Linda hoch und schwupp… plötzlich gehen die irischen Gäule mit ihr durch! Sie geht ab wie eine verpuffte Rakete, rast durchs Studio auf den bösen Störenfried zu, die Arme in die Hüfte stemmend und beschimpft ihn wiederum als kleinen Wicht. Köstlich! Das Klatschvieh johlt vor Freude ob dieser erfrischenden Ablaufänderung und binnen Sekunden herrscht eine Stimmung wie in einem südosteuropäischen Parlament unter Vorsitz von Silvio Berlusconi.

Leider geht schnell danach wieder alles seinen altbekannten Gang, Provinzen und Televoter verteilten ihre Punkte und ein weiterer, bei weitem nicht so temperamentvoller irischer Song wird gefunden: Can-linn feat. Casey Smith singt Heartbeat in Kopenhagen, aber wer wird sich daran noch erinnern?


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...