Tag Archives: Lettland

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Moderne Letten

Justs | Heartbeat

Video Web

Die lettische Vorentscheidung Supernova, erst vergangenes Jahr gegen die zuletzt unerfolgreiche Dziesma ausgetauscht, entwickelt sich zu einem fantastisch funktionierenden Vorentscheidungsformat, das beweist, wie zeitgemäß ESC-Songs sein können. Garantin hierfür ist erneut die Vorjahressiegerin Aminata, deren smarter Zögling Justs 2016 die Fahrkarte nach Stockholm mit dem von ihr verfassten Elektro-Popsong “Heartbeat” locker löste.

Damit sind die Letten glücklicherweise wieder dort gelandet, wo sie mit der famosen Band Brainstorm vor 16 Jahren begonnen hatten. Vergessen ist das unsägliche „I Wanna“-Tralala, das aus unerklärlichen Gründen 2002 den Gesamtsieg davontrug. Um also die immer noch gängige Stigmatisierung „Schlager-ESC-Beitrag“ zu widerlegen, gibt es nur ein Rezept: ausgelutschte Muster aufbrechen und eingängige, intelligente Musik zum Wettbewerb entsenden. Der Newcomer aus Riga hält sich dran, was sich längst auch unter den Festivaljüngern herumgesprochen hat. Dementsprechend gilt der 21-jährige Lette nunmehr als Favorit auf eine europäische Topplatzierung, wenn nicht sogar den Gesamtsieg. Prima!

Bestes Mal: Marie N | I wanna

Letztes Mal: Aminata | Love injected


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Alles gutgegangen

Fantastisch! Der eurovisionaer ist immer noch ein wenig beseelt, denn sein favoritöser Favorit der Saison, „Goodbye to Yesterday“, ist nun offizieller estnischer Kandidat für Wien 2015! Wie erwartet, drohte es wegen der mit gesundem Menschenverstand nicht immer nachvollziehbaren Juryurteile zwischenzeitlich ein wenig eng zu werden, doch im Superfinali des Eesti Laul – der wunderbarsten, weil  songmäßig besten Vorentscheidung Europas – markierten die Televoter eindrucksvoll mit sagenhaften 79,2 % das Revier für Elina Born & Stig Rästa.

Und nun? Glauben wir einem Teil der Fanforen, sind die Gewinner des Song Contest 2015 gefunden, bewegen sich doch die Kommentare in ähnlichen Sphären wie damals bei Rybak (2009) oder Loreen (2012) – es wird nur noch gewettet, wie hoch der Sieg ausfallen wird. Die anderen wiederum prophezeien recht hämisch eine fette Bauchlandung in Wien, weil der Stig zu griesgrämig gucke, die Elina nicht richtig singen könne und überhaupt alles nur ein billiger Abklatsch der niederländischen Common Linnets (2014) sei. Herrje, da das wahrscheinlich jetzt drei Monate so weiter gehen wird, empfiehlt der eurovisionaer den übrigen charmanten GTY-Anhängern, inmitten dieses Gezeters einfach tief durchzuatmen und darauf zu vertrauen, dass Hardcore-Nerds diesen Wettbewerb glücklicherweise noch nie entschieden haben, denn dann hätten wir schon seit Jahren chronische Ohrenverschmalzung. Abgesehen davon: Wenn selbst das in diesem Blog zu einiger Berühmheit gelangte ESC-immune Fräulein Sichtermann interessiert aufhorcht, sind die estnischen Chancen ganz gut nicht von der Hand zu weisen.

Und als wäre eine gute Nachricht nicht genug, erwartet uns gleich noch eine vom Baltikum. Die lettischen Nachbarn verwählten sich in diesem Jahr nämlich ebenfalls nicht und kürten die 22-jährige Aminata Savadogo zur Siegerin ihres nagelneuen „Supernova-Festivals“. Doch selbstverständlich wird auch darüber schon wieder getrutscht, weil sich „Love Injected“ angeblich wie „Euphoria“ anhöre bzw. eigentlich überhaupt keine Melodie habe. Tja, so in sich zerrissen und widersprüchlich ist die eurovisionäre Welt, in ihr kann man es einfach niemandem recht machen, daher verweist der Hausherr bei akuter Eurovisionitis mal ganz dreist auf seine eigene aktuelle Playlist mit den schleimlösenden Lieblingsschlagern der Saison. Ach, übrigens – es gibt noch einen dritten baltischen Kandidaten, der zu allem Überfluß auch noch an diesem eh schon aufregenden Vorentscheidungswochenende aus dem Hut gezaubert wurde: Der litauische Titel „This Time“ gefällt dem Blogger aber nich so dolle, und deswegen setzt er ihm an dieser Stelle auch kein Denkmal keinen Link.


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Tschuldigung….verwählt

verwählt flickr miraleer
Erst allmählich haben ESC-Nerds quer durch Europa den gestrigen Supersamstag des – in diesem Jahr zeitlich deutlich nach hinten verschobenen – Vorentscheidungsmarathons verdaut. Spanien, Lettland, Ungarn und Mazdedonien trafen am Samstagabend ihre Wahl für Kopenhagen, mehr oder weniger allen wird seitdem der letzte Platz vorhergesagt. Was ist passiert?

Mit dem Blick auf die eigene kleine eurovisionäre Playlist ist es ganz einfach: meine Favoriten haben nicht gewonnen. Die ungarische Bogi ist – trotz einiger Parallelen – kein weiblicher ByeAlex geworden, wohl auch, weil das Stimmchen etwas dünn und der Text ebenso mager war. Dennoch ist der Budapester Wahlmodus genial: erst sucht sich eine Jury nach unendlich langem Gequatsche die vier Beiträge aus, für die sich keiner schämen müsste, dann erst darf das Volk ran. Hat die letzten Jahre vorzüglich geklappt und auch 2014 dürfte das Finale winken. Andras Kallay Saunders‘ Song „Running“ ist musikalisch auf der Höhe der Zeit und punktet gar textlich, da es eine Message gibt (die Europa am 10. Mai aber wohl kaum jemand zur Kenntnis nehmen wird). Könnte also was werden!

Spanien tut das, was es im Zweifel eigentlich immer macht. Es entscheidet sich – nicht erst seit der von vielen so heiß geliebten Pastora – einfach für die Frau, die am lautesten und längsten schreien kann. Dann nämlich rasen die spanischen Fans und der Mitteleuropäer fühlt sich eher in einer Stierkampfarena denn in einem Fernsehstudio. Ist also diese erfolgversprechende Grundzutat erst einmal vorhanden, wird der Rest, sprich das Lied an sich, schnell zur Nebensache: dementsprechend ist das spanglische „Dancing in the Rain“ von der niedlichen, Castingshow-erfahrenen Ruth Lorenzo nichts wirklich Neues. Das übliche iberische Pathos halt. Tja, und die eurovisionäre Favoritin Brequette wußte zwar ebenso um die Vorlieben des Publikums, schrie jedoch vielleicht eine Sekunde kürzer, die allerdings kostete sie den Sieg. Denn anders als bei den klugen Ungarn besagen die spanischen Regularien, dass bei einem Gleichstand von Jury- und Televotingergebnis halt der Zuschauerliebling zum Song Contest fährt. Punkt.

Ähnlich verhält es sich bei den Letten, die sich – trotz durchgängig ganz guter Vorschläge – traditionell für den skurrilsten entscheiden. Das ist in diesem Jahr „Cake to bake“ (ja, Kopenhagen wird offensichtlich ein Backparadies…), das betont nerdig und lässig vorgetragen wurde. Prompt fallen die Balten drauf rein und denken sich, das könnte mal wieder klappen. Könnte es tatsächlich, wenn die Wogen zu Hause geglättet sind, dass der Sänger Jöran Steinhauer eigentlich Deutscher ist und nun auf Lette macht. Aber das holt seine knuffige Backgroundsängerin mit dem unmöglichen Minikleid und der schlabberigen Frisur dreimal wieder raus. Und genau das ist möglicherweise die Mischung, die am Finalabend im Mai die Feier- und Bierlaunigen Zuschauer lieben werden. Schade trotzdem, dass die in Tracht erschienene Olga (seit Wochen in der Playlist ganz oben) dagegen etwas hüftsteif wirkte und gar das gestrige Superfinale verpasste. Egal, nach Malta und Island werden wir also in Kopenhagen einen weiteren „Back-to-Basic“-Beitrag hören, offensichtlich ein Trend in 2014.

So. Und zum Schluss präsentierte man der staunenden Menge in Skopje, was für einen langweiligen Titel die Euro-Funktionäre für die landesweit beliebte Tijana Dapčević hinter verschlossenen Türen ausgesucht hatten. „To the Sky“ ist ein harmloses Popliedchen, das weitestgehend auf landestypische Elemente verzichtet, und bei dem einem die Sängerin schon jetzt leid tun kann. Chance vertan! Mal sehen, wo sich Europa kommendes Wochenende so verwählen wird…

Foto: flickr/mira


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2014 kann kommen!

Mehr und mehr Fernsehstationen geben noch kurz vor Weihnachten die Namen preis, die in den ersten Wochen des neuen Jahres um den Titel des nationalen Song-Contest-Vertreters kämpfen werden. Kaum zu glauben, aber viele von ihnen hören sich ausgesprochen gut an! Beispiel gefällig? Seit Malmö bin ich vom Kedvesem-Virus infiziert, also wären da zuallererst die Ungarn, die ihrem Stil mit nachfolgendem Kleinod treu bleiben könnten:

PeR, Lettlands Vertreter 2013, versuchen das Kunststück – wie bereits berichtet – in Kopenhagen erneut an den Start zu gehen. Nach dem Dilemma vom Malmö, als das Duo mit „Here we go“ das Finale eindeutig verpasste, dürfte dieses Vorhaben ausschließlich unter dem Label Valentina Monetta gelingen mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Scheitern verurteilt sein – hörenswert ist das, was sie sich nun ausgedacht haben, aber allemal! Zwar werden sich Eurotrashliebhaber mit Schaudern abwenden, doch die werden aus Schweden, Weißrussland und einigen anderen Ecken Europas eh noch vortrefflich bedient werden. (Video zwischenzeitlich wieder gesperrt).

Na, und bei diesem ersten Blick auf frische Wettbewerbsbeiträge fernab des 08-15-Schlagertralalas dürfen die Esten natürlich nicht fehlen! Seit Winny Puhh wissen wir zwar tief im Innersten, dass die Balten ihre schrägsten “Eesti Laul”-Beiträge selbstverständlich niemals in ein europäisches Finale schicken werden, dennoch schaffen sie es jedes Jahr, für eine bunte Konkurrenz ohne Fremdschämfaktor zu sorgen. Heißer Kandidat für die eurovisionäre Playlist 2014 ist auf jeden Fall schon mal das entschiedene „Maybe, Maybe“.


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Alle Jahre wieder…

button kobnhavn neu2…beginnt die Vorentscheidungssaison. Quer durch Europa rüsten die Sendeanstalten für den Eurovision Song Contest und stellen einem zugegebenermaßen kleinen, aber gierigen Publikum ihre Auswahlliste an Liedern und / oder Interpreten vor, die im Mai kommenden Jahres für eurovisionäre Furore sorgen sollen.

Natürlich werden die erfolgsverwöhnten Schweden ihre eurovisionären Anhänger erneut durch eine Reihe an Vorrunden und Second-Chance-Absurditäten quälen. Jene alljährliche Vorentscheidungsprozedur, die mittlerweile zum heimischen Kulturgut wie Knäckebrot und Pippi Langstrumpf gehört, kommt 2014 übrigens sehr retro daher. Neben Alt-Veteranen wie Dr. Alban und Alcazar gehen mal wieder Melodifestivalen-Lieblinge wie Shirley Camp, Sanna Nielsen und Linda Bengtzing an den Start, was bei eingefleischten Fans vor lauter Vorfreude schon jetzt für nasse Höschen sorgt. Überraschenderweise reiht sich in diese Riege von Schlagerbelanglosigkeiten übrigens auch eine leibhaftige Eurovisionssiegerin ein: Helena Paparizou will es noch einmal wissen, oder – wie Insider behaupten – sie sieht sich genötigt, ihren Schallplattenvertrag in dem mello-fanatischen Land zu erfüllen.

Solche Sorgen wüssten die Schweizer sicher gerne ihr eigen, denn trotz einer unüberschaubaren Anzahl von Bewerbern, die fleißig ihre Videos auf das Portal des SRF geladen hatten, verbreiten die finalen sechs Kandidaten unseres Nachbarlandes nur Langeweile und Einfallslosigkeit. Ein Finaleinzug scheint trotz der kleinen Semi-Starterfelder schon jetzt – gelinde gesagt – sehr ungewiss.

Dafür kann man aber jedes Jahr mit den Letten rechnen (wenngleich sie nie die Klasse ihrer estnischen Nachbarn erreichen…). Sie wählen zwar selten Songs aus, die im Finale punkten könnten, verfügen in ihrer Vorauswahl aber zumeist über Liedvorschläge, die sehr gefällig daherkommen. Und das will ja bei manchen Eurovisionsbeiträgen, die mitunter an Körperverletzung grenzen, schon was heißen. Hin und wieder bringen sie gar die eine oder andere akustische Perle in ihrem Angebot unter. So freut sich der Eurovisionär zu diesem frühen Zeitpunkt (verschrobene Mitmenschen würden auch „heuer“ dazu sagen) z.B. über das nette „Cake to bake“ und natürlich über „Revelation“, das in Insiderkreisen den Malmöer Stage-Divern PeR zugeschrieben wird. Endgültige Gewissheit wird es hierüber am 07. Januar geben, wenn LRT die dziesma-Liste um die Namen der Interpreten ergänzt.

Und auch in Weißrussland und Malta war man schon fleißig mit Selektieren beschäftigt, aber mit denen hab ich nicht so viel am Hut  …was sag ich…weitere Infos gibt es hier.


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...