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Das letzte Ultimatum

rausschmissleer
Klare Worte aus Genf! Die Reference Group der EBU gibt heute bekannt, dass TV-Sender künftig für maximal drei Jahre vom Eurovision Song Contest ausgeschlossen werden können, sollten Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe für deren Heimatland entdeckt werden. Mehr oder weniger direkt verwarnt ist somit Aserbaidschan, dessen Televotingmanipulation in Litauen im letzten Jahr offensichtlich nach längerer Prüfung bewiesen wurde, ohne dass eine direkte Verbindung zur verantwortlichen Fernsehstation ictimai-TV gezogen werden konnte. Fortan muss eine solche „Mittäterschaft“ also nicht mehr zwingend nachgewiesen werden, um Länder zu sanktionieren. Richtig so! Nachdem bereits im vergangenen September schärfere Regeln für die Besetzung der Juries festgezurrt wurden, ist nunmehr ein weiterer Schritt zu mehr Song-Contest-Gerechtigkeit gemacht worden. Und ein Vorgang, der auch dringend notwendig ist, will der Wettbewerb seine Glaubwürdigkeit zumindest in Grundsätzen behalten. Immer neue Berichte um Stimmenkäufe und Juryabsprachen beherrschten die Presseberichterstattung der letzten Jahre, parallel hierzu wurden in verschiedenen Teilnehmerstaaten mehr und mehr Rufe laut, aus dem „Schummel-Grand-Prix“ auszusteigen.

Ob sich die Betroffenen von der „neuen Härte“ der EBU beeindrucken lassen, oder ob sie weiter versuchen werden, mit faulen Tricks das Ergebnis für ihren Beitrag zu beeinflussen, wird sich schon in wenigen Monaten in  Kopenhagen zeigen. Und natürlich ebenso, ob die bislang eher harmoniebedürftige EBU dann auch konsequent ist und Ernst mit dem nun angedrohten Rausschmiss macht!

Grafik: eurovisionaer


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Mal wieder durchgemogelt?

AZBAzerbaijan – twelve Points! Das haben wir vergangenen Samstag zehnmal gehört. Abgesehen von den üblichen Verdächtigen Russland und Georgien kamen sie ebenso wieder aus Bulgarien, Malta und Litauen. Insbesondere die Höchstwertung aus der baltischen Republik sorgt dieser Tage für Aufmerksamkeit, nachdem einen Abend vor dem großen Finale ein litauisches Video auftauchte, dass einen angeblichen Deal zu Gunsten Aserbaidschans dokumentierte. Dabei sollen größere Geldbeträge denjenigen versprochen worden sein, die im Gegenzug am Samstag – und mit entsprechenden SIM-Karten versorgt – für den kauskasischen Staat anrufen.

Ähnliche Vorwürfe gab es bereits letztes Jahr, als sich Verantwortliche des zypriotischen TV-Senders CyBC wunderten, dass dem aserbaidschanischen Beitrag acht Punkte aus Zypern zuteil wurden, obschon die Jury dem Song keine Stimme gab. Eine Beeinflussung des Televotings scheint in bevölkerungsärmeren Staaten, gerade wenn diese nicht am Finale teilnehmen und daher über wenig Zuschauerresonanz verfügen, besonders erfolgversprechend zu sein. Bis heute ist nicht bekannt, ob die EBU den damaligen Fall untersuchen ließ.

Am vergangenen Sonntag, kurz nachdem das zuvor erwähnte Video publik wurde, gingen nun die Aseris selbst in die Offensive: Sie reklamieren nun ebenfalls Unstimmigkeiten beim Malmöer Voting, weil nämlich der Bruderstaat Russland am Samstag keine Punkte aus Baku erhalten hatte, obschon die Jury angeblich „eine hohe Punktezahl“ an die russische Sängerin vergeben habe. Der (für seine Nähe zur Demokratie nicht gerade bekannte) Präsident Aliyev solle nun höchtspersönlich eine erneute Stimmenauszählung vorantreiben. Zur gleichen Zeit bevölkern aserbaidschanische „Fans“ diverse Internetforen und werfen den armenischen Anhängern vor, sie hätten das Video fingiert, um dem Nachbarstaat zu schaden.

Das liest sich in der Summe wie ein gelungener Kindergeburtstag, könnte dem Wettbewerb letztlich aber erheblich schaden, zumal man westlich von Berlin nicht müde wird, alljährlich Schiebung und Nachbarschaftshilfe hinter den eigenen schlechten Platzierungen zu vermuten. Dennoch ist es erstaunlich, dass die EBU heute offiziell nochmals die Richtigkeit der aserischen Punktevergabe bestätigte und darüber hinaus die Manipulationsvorwürfe kommentierte, wo sie doch sonst derartige Meldungen einfach aussitzt:

„Sollten wir Beweise dafür finden, dass Regeln gebrochen wurden, einschließlich versuchter Power-Votings, werden wir unverzüglich das tun, wozu wir unseren Mitgliedern gegenüber verpflichtet sind: die Marke Eurovision Song Contest zu schützen.“

Ob den Worten Taten folgen, werden wir sehen. Sollte sich der Stimmenkauf jedoch bewahrheiten, ist die Lösung des Problems ganz einfach: die Aseris – und alle anderen, die es ihnen gleichtun – in hohem Bogen vor die Tür setzen!

Update: Mittlerweile nimmt die Auseinandersetzung immer skurrilere Formen an. Nun hat sich auch Weißrussland zu Wort gemeldet. Dessen Präsident Alexander Lukashenko zweifelt ebenfalls an der Rechtmäßigkeit der Ergebnisse, da sein Reich aus Russland keinen einzigen Punkt erhalten habe. Allmählich wird immer deutlicher, welche Vorstellungen einige osteuropäische Länder von einem fairen Wettbewerb tatsächlich haben. Die EBU sitzt in der Falle, wenn sie nicht schnellstens alle nationalen Wertungen veröffentlicht und das Verhältnis zwischen Televoting und Juryabstimmung transparent macht. Daran, dass der Eurovision Song Contest nicht allein munteres Wettsingen, sondern seit Jahren auch zu einer politischen Bühne verkommen ist, wird das jedoch nichts ändern.

Grafik: eurovisionaer


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Das auch noch…

2012 bringt die Fans um ihre traditionelle posteurovisionäre Depression, als da täglich neue Song-Contest-Meldungen auftauchen, obschon längst nicht mehr gesungen wird. Neben der von Aserbaidschan lancierten etwas obskuren Nachricht, während der Veranstaltungswoche sei ein Terror-Anschlag verhindert worden und der Diskussion, die EBU wolle sich schärfere ethische Richtlinien verpassen (was laut Radio Liberty zwischenzeitlich aus Genf bereits wieder dementiert wurde), werden nun Vermutungen lauter, Aserbaidschan habe sich für eine gute Platzierung beim Wettsingen systematisch Punkte erkauft.

Das Thema ins Rollen gebracht hat der zypriotische TV-Sender CyBC, nachdem dessen Verantwortliche verwundert festgestellt hatten, dass sie dem Gastgeber des diesjährigen Wettbewerbs beim Finalvoting 8 Punkte haben zukommen lassen, obschon die zu 50% beteiligte nationale Jury dem Beitrag keine einzige Stimme gegeben hatte. Recherchen ergaben, dass Aserbaidschan in der Tat das Televoting auf Zypern gewonnen hatte. Dafür reichten 3500 SMS. Skeptisch macht sie jedoch der Umstand, dass keine einzige Stimme per Telefon abgegeben wurde, was zumindest den Verdacht nahe legt, dass die Aseris PR-Agenturen beauftragt hatten, das Televoting zu faken.

Vor diesem Hintergrund erscheinen auch andere hohe Wertungen an Aserbaidschan in einem anderen Licht, da sie nicht erst seit 2012 – abgesehen von den regelmäßigen Freundschaftswertungen der Türkei, Ukraine und Russlands – häufig aus bevölkerungsarmen Ländern wie Malta, San Marino oder eben Zypern, aber auch von Nationen kommen, die über ein bekanntermaßen geringes Zuschauerinteresse verfügen. Hierzu zählen beispielsweise Bulgarien, Israel und Moldau, wo eine Manipulation des Televotings daher umso leichter zu sein scheint. Passend zum Thema hat SPIEGELONLINE eine interessante Grafik veröffentlicht, die die Punkteaustausche der letzten drei Jahre sehr gut darstellt.

Natürlich hat die behäbige Tante EBU hierzu bislang nicht Stellung genommen (und wird es wahrscheinlich auch nicht tun), so dass bis auf Weiteres die Unschuldsvermutung gelten sollte. Gleichwohl stimmen uns die vier Top-5-Platzierungen Aserbaidschans innerhalb der letzten vier Jahre nunmehr doch ein wenig nachdenklich…

 


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...