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Was zwischenzeitlich geschah…

Kaum is man maln paar Tage nich zu Hause, schon bricht die ganze eurovisionäre Welt zusammen… Holen wir also schnell nach, was in den vergangenen fünf Tagen passiert ist. Die Litauer hatten dieses Jahr so viel Spaß an ihrem Vorentscheid “Eurovizijos”, dass sie ihre Sendereihe kurzerhand bis in den März verlängerten. Glück für uns, aber leider muss wegen der EBU-Regularien dann doch irgendwann im März Schluss sein, vermutlich werden die Balten aufgrund dieser Erfahrung ihre Vorauswahl in der kommenden Saison bereits im August beginnen. In 2014 jedoch hat die komplizierteste aller europäischen Vorentscheidungen endlich ihr Ende gefunden: Nachdem bereits in der vergangenen Woche ein Lied für Kopenhagen gefunden wurde, musste nun lediglich ein/e passende/r Sänger/in dazugelost werden. „Attention“ rufen uns deshalb die Litauer entgegen… Das hat zwar keine Wirkung – weder jetzt noch in acht Wochen – aber immerhin darf sich die Songwriterin Vilija Mataciunaite freuen, ihren eigenen Beitrag in Dänemark singen zu dürfen.

Die indielastigste und damit so gut wie beste Vorentscheidung auf dem Kontinent liefern seit Jahren die Esten ab. Nie, nie, nie werden allerdings die schrägsten “Eesti Laul”-Beiträge in ein europäisches Finale geschickt – man erinnere sich nur zuletzt an das Drama um Winny Puuh, die ausgerechnet gegen Birgit Oigemeel den Kürzeren zogen – aber sie sorgen für eine bunte Konkurrenz ohne Fremdschämfaktor. So hat auch 2014 die Jury um Maarja-Liis Ilus eine vorzügliche Auswahl getroffen, die jedoch erneut in Grund und Boden gestampft wurde. Letztlich trauten sich die Balten mal wieder nicht, Europa mit ihrem eurovisionsuntypischen Geschmack zu überraschen… Statt dessen erleben wir nun hochoffiziell eine bis auf den letzten Tanzschritt äußerst peinliche Loreen-Kopie, auf die Europa definitiv nicht gewartet hat. An den Regularien des 2015-Esti-Lauls sollte also jetzt wirklich mal kräftig geschraubt werden…

Ovi & Paula Seling, die zuletzt 2010 mit dem Feuer spielten, wurden als heißer Favorit für die diesjährige rumänische Vorentscheidung gewettet. So heiß, dass Insider im Vorfeld schon von möglicher Schiebung munkelten, Künstler und Sender TVR hätten zuvor im stillen Kämmerchen lange verhandelt. Fakt ist, das von ihnen eingesandte Werk “Miracle” schaffte es dank der heimischen Jury tatsächlich bis auf Platz 1 der Vorauswahl, sicherlich mithilfe des Oslo-Guthabens, wo sie 2010 eine sehr gute Figur gemacht hatten. Dumm, dumm, dumm, denn aus lauter Sicherheitsdenken ging den Rumänen so vier Jahre später – also heute – ein nahezu todsicherer Song Contest-Sieg mit Anca Florescu komplett durch die Lappen.

Der französische Sender FR3 hatte nach Jahren der – letztlich erfolglosen – Direktnomminierung halbwegs bekannter Stars erstmals seit 2007 wieder eine öffentliche Vorauswahl mit sage und schreibe drei Interpreten / Titeln ausgerichtet. Die Glücklichen waren Joanna, TwinTwin und die Band Destan, allesamt eher kleine Nummern in der französischen Szene. Dementsprechend lang war die Frist, innerhalb derer sich die Franzosen entscheiden durften. Dass sie sich letztlich für den recht modernen Song „Moustache“ ausgesprochen haben, überrascht ob seiner Ähnlichkeit zum aktuellen Stromae-Charterfolg „Papaoutai“ nicht wirklich, ist aber noch lange keine Erfolgsgarantie für Kopenhagen. (Angemerkt sei, dass eine öffentliche Vorentscheidungsprozedur unseren Nachbarn in der Vergangenheit eigentlich nie wirklich gut getan hat – man denke nur an die unsägliche Frau mit dem Giraffenhals 1999- daher träumen wir weiterhin von der Rückkehr der unvergessenen Marie-France-Brier, die Anfang der Neunziger eine Spürnase für diktatorische eurovisionäre Erfolge hatte).

Apropos, back-to-the-nienties, als Länder wie Israel und das Vereinigte Königreich noch Erfolge feiern durften: 2014 scheint zumindest eines der beiden wieder auf der Erfolgspur gelandet zu sein, denn Mei Finegold darf tatsächlich das von uns favorisierte „Same Hearts“ in Dänemark singen und könnte mit einer überzeugenden Performance dort endlich mal wieder für Furore sorgen. Die immerhin junge (!!!) Britin Molly Smitten-Downes hat dagegen das Handicap gleich mit zwei Songs anreisen zu müssen: „Children of the Universe / Power to the People“ ist im direkten Vergleich zu Bonnie und Engelbert sicherlich ein größerer Wurf als der der Vorjahre, international überzeugt das Liedgut aus dem Mutterland der Popmusik jedoch ob seiner Unentschlossenheit leider nicht. Waren das noch Zeiten, als lediglich die Power der Friends eingefordert wurde. Schade.


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...