Tag Archives: Norwegen

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Ziellose Norweger

Agnete | Icebreaker

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Agnete, allenfalls die blasse Nichte, nicht aber die strahlende Nachfolgerin der großartigen Agnetha, gewann die norwegische Vorentscheidung souverän vor einem hochpeinlichen Ballermannschlager und darf nun Kurs Richtung Stockholm mit dem schrecklich langweiligen und unrhythmischen “Icebreaker” nehmen. Beim eurovisionaer verspielen die leichtsinnigen Skandinavier damit jeglichen Kredit der Vorjahre, als sie sich mit sicherem Händchen für die wunderbar eiskalte Margaret, den zarten Carl und natürlich den Lieblingsliebling Mørland entschieden hatten. Aber hey, es kann halt nicht jedes Jahr Top-Ten-Party sein.

Trotzdem: ein wenig schimpfen sollte man schon mit den Wikingern! Ignorierten sie doch die campen Hungry Hearts, eine queere interdisziplinäre Art-Performancetruppe, die im Gleichschritt zu den Zeilen “The streets of Moscow with my girlfriend” ihres Elektro-Songs “Laika” auf die Osloer Vorentscheidungsbühne marschierte. Und brachten Europa damit um den schrillsten und spleenigsten ESC-Auftritt seit  – Ola hab sie selig! – Verka Serduchka.

Bestes Mal (u.a.): Alexander Rybak | Fairytale

Letztes Mal: Mørland & Debrah Scarlett | A Monster like me


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Wir sind erledigt

Vergangenen Montag war Schluss mit lustig, denn die EBU gierte nach Gewissheit und alle 40 Teilnehmerstaaten des 60. Eurovision Song Contests mussten beim traditionellen Treffen der Delegationsleiter ihre 2015-er Bewerbungen termingerecht vorlegen. Noch zwei Abende zuvor hatten die Skandigrößen Norwegen und Schweden überschwänglich die letzten nationalen Endausscheidungen der Saison zelebriert und schicken nun ihre – absehbar aussichtsreichen – Kandidaten auf die Reise nach Wien. Eben dort hatte die Alpenrepublik bereits am Freitag die Wurst-Nachfolge geregelt und einigte sich in Kümmertschen Televotingsphären auf eine sehr unaufgeregte, schöne Piano-BALLADE. Ja, „Le Chef du Blog“, sonst gar kein glühender Verehrer der gezügelten, ruhigen Töne, nimmt das Wort in den Mund, bei dem viele andere die Augen verdrehen und vom Schnarchfestival schwadronieren. Und er wiederholt sich, wenn er sagt: 2015 ist ein sehr guter Jahrgang. Ihr wisst das.

Ungefähr zeitgleich haben in Montenegro die dortigen ESC-Verantwortlichen wohl Nachhilfe in PR von den ewigen Spätzündern Russland und Aserbaidschan erhalten, denn sie legten in Genf zwar brav ihre CD auf den Tisch, baten aber um einen späteren Veröffentlichungstermin gegen Ende der Woche. Es war vorhersehbar, dass diese windige Strategie, ein wenig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, im Zeitalter diverser Internet-Leaks wenig Erfolg versprechend war. Bereits am Dienstag war der (typisch balkanesische) Beitrag dann auch in der Tube – und die avisierten 15 Minuten Ruhm entpuppten sich als laues mediales Strohfeuer.

Der eurovisionaer hatte derweil genügend Erledigungen im echten Leben zu tätigen, buchte außerdem einen Flug nach Wien und überlegte, womit er sich denn nun in den zwei Monaten bis zum Grande Finale die ESC-Zeit vertreiben könnte. Und natürlich machte er das, was alle Fans so lieben: mit den Freunden, die sein Hobby teilen, Ratschen bis zum Umfallen, wer denn nun zum Schluss ganz oben stehen könnte und warum wer über- oder unterbewertet ist. Ihr kennt das.

Und ganz Krone-Schmalzig wie er manchmal ist, nervte ihn eine plötzliche kleine Netz-Diskussion, die ebenso unnötig ist, wie das in diesen Stunden Schlagzeilen machende Stinkefingergate. Darf ausgerechnet Russland ein Friedenslied zur Eurovision schicken? Selbstverständlich antwortet heutzutage beinahe ein Jeder mit einem entschlossenen „Natürlich nicht!“ Und schon notiert sich der mittlerweile globalpolitisierte ESC-Fan in seinem Kalender für den 23. Mai „Buhen bei Russland“. Geht das also schon wieder los? Der eurovisionaer, der ja schon des Öfteren kundgetan hat, was er von einem solchen Quatsch hält, erinnert deshalb nur kurz an den Hauptdarsteller dieser Affäre, den Song „A Million Voices“. Von der putinschen Chargé d’Affaires Polina Gagarina (welch ein wunderschöner Name übrigens…) vorgetragen, ist er jedoch – Friedensbotschaft hin oder her – einfach viel zu belanglos, als dass man einen Pieps über ihn verlieren sollte. Heute nicht und auch nicht in neun Wochen in der Stadthalle.

Blicken wir in diesem kleinen Resümee der letzten Tage daher lieber auf jene Ereignisse, die uns stattdessen in der österreichischen Hauptstadt erfreuen werden. Unsicher, ob es den anderen Anoraks noch nicht aufgefallen ist, bemerkt der Blogger heuer zum Beispiel, wie der einstige Schlagerwettbewerb zu einem einzigen Gockel-Contest verkommt. Positiv formuliert: Vieles spricht dafür, dass wir in Wien hautnah – und das im wahrsten Sinne des Wortes –  die Wahl zum „Sexiest ESC-Man Alive“ miterleben dürfen. In der Folge ist nicht nur mit einer Flut der legendären Sockenpunkte zu rechnen. Auch der eine oder andere frisch gekürte eurovisionare Liebling wird zweifelsohne im schon an allen Ecken und Enden sprießenden Frühling 2015 Leben in die hier zuletzt ein wenig verwaiste Rubrik bringen. Da bekommt das viel zitierte „schön Hören“ eine ganz neue Bedeutung.

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Fotos: SBS, Monika Navrátilová, Stina Kase, Ziga Culiberg, Per Kristiansen, EBU. Grafik: eurovisionaer


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Heute geht’s um die Wurst

conchita live EBU Puttingleer
In wenigen Stunden werden die restlichen Finalplätze in Kopenhagen ausgesungen, bevor am Samstag schließlich ein Deckel auf den 2014-er Song Contest in Dänemark gemacht wird. Betrachtet man die Starterliste, dürfte es kurz vor 23 Uhr in der Kopenhagener Arena voraussichtlich ruhiger als am Dienstag zugehen, sofern sich das plötzliche weltpolitische Interesse der ESC-Gemeinde nicht auch noch auf die (angeblich) letzte europäische Diktatur Weißrussland fokussieren sollte.

Indes, aus musikalischer Sicht verspricht das anstehende Halbfinale wirklich interessant zu werden: Norwegen, Israel, Griechenland, Polen und Malta haben ausgesprochen hörenswerte Nummern am Start und verzichten daher – dem Himmel sei Dank – auf einen weiteren peinlichen Perückenweitwurf. Und dann ist da ja noch Österreich! Conchita Wurst wird endlich beweisen dürfen, ob es sich in der Kombination aus hautengem Abendkleid und kernigem Vollbart gut singen lässt. Doch der vordergründigen Provokation zum Trotz, hat sie mit „Rise like a Phoenix“ auch einen achtbaren Song im Gepäck. Noch besser jedoch gefällt mir die Denke der österreichischen Dragqueen, die in den vergangenen Wochen in Interviews und Statements gezeigt hat, wie wunderbar intelligent und respektvoll sie auf dumpfe, reaktionäre Anfeindungen reagieren kann.

Wenn unser Kontinent dieser Tage etwas wirklich nötig hat, dann ist es eine fette Portion Toleranz und Respekt. Hoffentlich denkt Europa heute Abend daran.

Foto: EBU / Andreas Putting


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...