Tag Archives: Vorentscheid

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Wunder gibt es immer wieder

Gerade ruft der aufgeregte Herr V an und mahnt eine bissige Einschätzung des eurovisionaers an, nachdem doch heute in aller Herrgottsfrühe die sieben Teilnehmer für Hannover preisgegeben wurden! Der aber tut sich noch ein wenig schwer, die vom NDR und Brainpool zusammengewürfelte Meute wahlweise in den Himmel zu loben oder ein Donnerwetter loszulassen. Hier also erst einmal ein Blick auf die von den Plattenfirmen diktierte Liste:

ve ger alle

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Foto: Universal Music, Michael Zargarinejad, Max Parovsky, Facebook
Alexa Feser Glück Mehr als ein Lied
Andreas Kümmert
Fahrenhaidt Frozen Silence
Faun
Laing Zeig deine Muskeln
Mrs Greenbird Shine Shine Shine
Noize Generation Song 4 U

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Was diesem Starterfeld fehlt, ist eindeutig ein eindeutiger Favorit. Nachteilig ist das sicher ganz und gar nicht, sollen doch die Songs überzeugen und weniger das Etikett „Weltstar in Deutschland“, mit dem später beim Songfestival eh kein Mensch etwas anfangen könnte. Seien wir also froh, dass uns die von so vielen verwirrten Seelen herbeigewünschte göttliche Helene erspart bleibt, denn eine Erfolgsgarantin für Europa wäre auch sie nicht gewesen (und wenn überhaupt, dann eine zweifelhafte…).

Bleiben wir also bei den Songs, die die eigentliche Hauptrolle in dieser Vorstellung spielen. Problem: Wir kennen sie noch nicht. Wenigstens nicht wirklich, denn wenn in der Tabelle oben nun einige Titel auftauchen, sind sie bislang zumindest nicht offiziell bestätigt. Vielmehr äußert sich heute der eine oder andere Künstler per Tweet oder auf seiner Facebookseite, was er oder sie sich so für Hannover ausgedacht haben und wirft der gierigen Fanschar zugleich einen kleinen Songschnipsel vor die Füße. Oder deren Labels halt. Und von daher ist wohl zu vermuten, dass ihnen allen die deutsche Vorentscheidung – ähnlich wie schon im vergangenen Jahr – lediglich als mißbrauchbare TV-Plattform dienen soll, neue Tonträger oder Tourneen zu bewerben.

Die uralte ABBA-Philosophie (Gott hab die alten Schweden selig!), ganz gezielt für das Festival und den europäischen Markt zu produzieren, eine internationale Karriere starten zu wollen, halt einfach dicke Eier in der Hose zu haben, kann der hier bloggende Blogger leider nicht ausmachen. Und dazu passt es ebenso, dass der NDR zwar via kleiner Presseinfo die Namen seiner Schäfchen lanciert, die weitere Bewerbung jener Kandidaten aber Dritten überlasst. Das können andere in der Eurovisionsfamilie, wie zum Beispiel der verantwortliche finnische Sender YLE, besser. Die legten nämlich im zweiten Schritt mit einem schicken Onlineportal nach, das dem ESC-Anorak Spaß macht, weil es alle Songs, professionellen Videos und Hintergrundinfos geschmeidig zusammenfasst und keine Wünsche offen lässt. Aber vielleicht drängelt der eurovisionaer mal wieder zu sehr und sollte sich statt dessen einfach ein wenig in Geduld üben…


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Morgen wird’s was geben

logo ndrGroßes kündigt sich an, denn morgen will der NDR die sieben Teilnehmer für die deutsche Vorentscheidung 2015 bekannt geben, die ihren Startplatz am 05. März in Hannover sicher haben werden. „Sieben auf einen Streich“ nennt der Sender seinen vorlauten Teaser und zaubert damit so etwas wie Spannung in das bislang recht laue Vorauswahlprozedere.

Schauplatz hierfür war seither das Videoportal „Unser Song für Österreich“, wo sich interessierte Künstler bis vergangenen Freitag um den letzten, achten Startplatz bewerben konnten – allerdings eher unbemerkt von der bundesdeutschen Öffentlichkeit und auch in Fankreisen mit wenig Hingabe zur Kenntnis genommen. Die Folge: Im Vergleich zum Vorjahr, als es das Trio Elaiza aus diesem Pool bis zur Finalteilnahme nach Kopenhagen schaffte, wurden nur noch halb so viele Bewerbungen hochgeladen, 1213 an der Zahl. Immer noch genug, möchte man bei dem einen oder anderen Hörverdruss sagen, und so wühlten sich lediglich die Blogger-Kollegen von Prinz.de und aufrechtgehn.de durch diese Kuriositätenrevue. Launig präsentierten sie regelmäßig erstaunliche Fundstücke, sprich die merk-würdigstenden Vertreter aus einem bunten Sammelsurium von möglichen Talenten und tatsächlichen Selbstdarstellern. Aus eben diesen soll übrigens irgendwann in den kommenden Wochen irgendeine Jury die zehn hoffnungsvollen No-Names rekrutieren, die dann – beim so genannten Wildcard-Konzert am 19. Februar 2015 in der Großen Freiheit 36 in Hamburg – auftreten und den ominösen achten Starter unter sich aussingen werden. Dass diese Sause im letzten Jahr hauptsächlich eine Schnarchveranstaltung war, weil die verantwortlichen Juroren in ihrer Auswahl, trotz einer großen Bandbreite von Vorschlägen, recht eindimensionale Vorlieben hatten – Schwamm drüber.

Spannender also bleibt die Frage, wer nun die bereits gesetzten sieben Etablierten sind und wer von ihnen in diesem Jahr den Unheilig macht. Denn seit 2014, als sich eben jener Underdog Elaiza gegen den mittlerweile abgetretenen Grafen durchsetzte, gibt es für die bekannteren Namen nicht nur einen neuen Tonträger zu bewerben, sondern auch einen guten Ruf zu verlieren. Ob die in den letzten Tagen kolportierten Acts wie Johannes Oerding, Sasha, Laing oder Jeannette Biedermann den dafür notwendigen Arsch in der Hose haben, werden wir also endgültig morgen wissen.

Logo: NDR / Norddeutscher Rundfunk


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Lass dir Zeit, Europa!

zeitDer eurovisionaer ist ein wenig ungehalten. Kurz vor Jahresende sind nun bereits acht Mitwirkende des Wiener ESC benannt worden, fünf von ihnen gar mit einem passenden Wettbewerbsbeitrag im Gepäck. Erst kürzlich, über die für uns alle eigentlich wohlverdienten Weihnachtsfeiertage, traf man sich in Minsk und Tirana, um im Rahmen pompöser Eurofeste die nationalen Vertreter für den nächstjährigen Song Contest zu erwählen.

Nun gut, könnte man konstatieren, so haben Fans und Blogger eben frühzeitig Gelegenheit über ihr Lieblingsfestival zu schwadronieren, kleine feine Ranglisten aufzustellen und hitzige Diskussionen auszufechten. Allein – wenn es um die Substanz der bislang erwählten Liedbeiträge geht, mag der eurovisionaer am liebsten verstummen. Unter ihnen – auch nur in Ansätzen – einen hoffnungsvollen Anwärter auf den Sieg im kommenden Mai auszumachen, erscheint ihm vollends unmöglich. Selbst an herkömmlichen populärkulturellen Schlagermaßstäben gemessen, bleibt die Auswahl textlich belanglos,  folgt kompositorisch den schon tausendmal gehörten 3-Minuten-Songmustern und hinkt dem zeitgenössischen Popmusikschaffen um Meilen hinterher.

Lasst euch doch ein wenig Zeit, mag er den Komponisten und Textern Europas zurufen, denn wer in aller Welt will schon neue Eurovisionsschlager zum winterlichen Glühweintreffen, wenn das eigentliche Event fast noch ein halbes Jahr auf sich warten lässt? Ganz reaktionär (in anderen Kontexten augenblicklich ein Lieblingsschimpfwort des eurovisionaers) wünscht sich dieser daher klammheimlich die goldene ESC-Zeit zurück, als Contest-Klassiker wie Dschingis Khan nur vierzehn Tage nach ihrem nationalen Durchbruch bereits auf der großen internationalen Bühne standen. Ob es deshalb ein gutes Omen ist, wenn die deutsche Vorentscheidung in dieser Saison eine der letzten ist?

Grafik: eurovisionaer


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Deutschland: schwarz, beige und hellgrau

schattierungWelch ein Glück, dass ich mich auf diesem Blog seit jeher weniger auf die aktuelle, ergebnisorientierte Berichterstattung konzentriere, denn so blieb genug Zeit, das gestrige bundesdeutsche Voting eine Nacht zu überschlafen. Und nun? Heute? Erst einmal muss ich meine Eindrücke zum schwarzen Freitag und bisherige Vorurteile dem deutschen Michel TED gegenüber revidieren: er wählt ja doch nicht automatisch das, was er kennt! Das war nur eine der großen Überraschungen im Rahmen der deutschen Vorentscheidung 2014.

Santiano, Unheilig und mit Abstrichen gar Madeline Juno, allesamt mit einer breiten Fanbase gesegnet, erreichten ganz offensichtlich nicht das, was sie sich zum Ziel gesetzt hatten. Fräulein Juno nicht, weil sie sich ihrer Songauswahl zu sicher war; die Seemänner, weil sie dann doch nicht massenkompatibel genug waren. Und der Graf? Der musste sich wohl einer Antiwahl stellen, nachdem er weder auf der Bühne, noch in seinen pathosschwangeren Aufsagern besonders sympathisch rüber kam. Zu saft- und kraftlos trotz aller Armeschwingerei. Das hatte das Kölner Publikum vor Ort blitzschnell und messerscharf erkannt, denn innerhalb kürzester Zeit hatte es bereits einen anderen Liebling erkoren.

Die im Feld der gesetzten „Stars“ vermeintlichen Underdogs, die Wildcardgewinner Elaiza, waren es, die die Zuschauer in der Arena mit „Is it right?“ zur Raserei brachten und somit für den daheimgebliebenen TED ein wertvoller Hinweisgeber waren, wen er denn nun im etwas unübersichtlichen Votingmarathon auswählen sollte. Und dass die Sängerin des Mädchentrios gar ukrainisch-polnische Wurzeln hat, mag dieser Tage auch geholfen haben. Allerdings bin ich skeptisch, ob dieses Sammelsurium an Entscheidungskriterien auch für einen internationalen Erfolg in Kopenhagen sorgen wird.

Dort am besten aufgehoben gewesen wäre die andere Newcomerin des Abends, die jedoch leider nicht über den möglicherweise ausschlaggebenenden Wildcard-Vorteil verfügte: MarieMarie! Fehlerfrei in Gesang und Präsentation hatte sie zwei Hammer-Songs am Start, die dem bislang mehr als müden Teilnehmerfeld in Dänemarks Hauptstadt Qualität made in Germany entgegengesetzt hätte. Schade, dass es nur bis ins Halbfinale reichte. Und so mutiert mein Fazit zum diesjährigen deutschen Vorentscheid USFD von ursprünglich „rabenschwarz“, über die im Netz vielfach kritisierte Wildcardauswahl als die schon sprichwörtliche „Schattierung desselben beige„, hin zu einem ambivalenten „hellgrau“, was das nun vorliegende Ergebnis betrifft. Naja, richtig bunt kann es dann aber vielleicht 2015 werden…

Grafik: eurovisionaer


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Griechenland bleibt auf Sparkurs

Rise Up logo by Dimitris GelbourasWie so oft in den letzten Jahren mussten sich die Griechen mit einer Sparversion ihres nationalen Vorentscheids begnügen, nachdem zuvor lange Zeit unklar, ob der überhaupt zu finanzieren ist. Schließlich liegt im Land der Hellenen unter dem Diktat der EU-Sparbeschlüsse u.a. die öffentlich-rechtliche Fernsehlandschaft zu Boden, nachdem der Staatssender ERT 2013 aufgelöst und das neue Konstrukt NERIT noch nicht wirklich auf Sendung ist. Diese unklare Situation führte dazu, dass Griechenland unlängst erst nach mehrwöchiger Verhandlung mit der EBU einen Startplatz für Kopenhagen erhalten hatte.

Dann jedoch kam das „Oui“ aus Genf und vermutlich floss sofort genug Alkohol „for free“, denn es galt ja auch noch „40 Years in Eurovision“ zu feiern. Wie schon 2013 übernahm der Privatsender MAD TV die Ausrichtung einer back-to-basic Vorentscheidung und versteckte sie auf einem Dienstagabend mit lediglich vier wettbewerbswilligen Interpreten. Doch nicht nur mengenmäßig, auch qualitativ überzeugte das Line-Up wahrscheinlich selbst die Verantwortlichen nicht so ganz, daher schwelgten sie recht ausführlich in den eurovisionären Highlights der letzten vier Dekaden. Und prompt ließ sich auch Despina Vandi, seit Ewigkeiten Wunschvertreterin aller Fanboys in Hellas, kurz für einen Pausenfüller blicken. Gewonnen hat das Dance-Projekt „Freaky Fortune ft. Riskykidd“ mit dem ganz okayen – leider auch schnell entnervenden – Song „Rise up„. Könnte aber – je nach Laune der Jurys – in Kopenhagen ganz gut funktionieren…

Logo: Dimitris Gelbouras


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Elaiza

Is it right | Fight against myself

Elaiza facebook ben wolfElaiza (sprich: Ela-i-sa), das sind drei junge Freundinnen, so unterschiedlich, wie die Instrumente, die sie spielen: Die Sängerin/ Pianistin Ela, Yvonne Grünwald am Akkordeon (von denen sie ganze 15 besitzt) und Kontrabassistin Natalie Plöger. Zusammen verbinden Elaiza Traditionen des osteuropäischen Folk mit modernen Popmelodien zu einer einzigartigen Ohrwurm-Mischung. Neo-Folklore nennt das Trio selbst seinen außergewöhnlichen Roots-Pop-Crossover. Genau wie ihre neue Wahlheimat Berlin lebt auch der facettenreiche Sound Elaizas vom Kontrast und liefert immerzu kreative Energie: Mal melancholisch, mal dramatisch und bittersüß, um im nächsten Moment funkensprühend und mitreißend gute Laune zu verbreiten. Und dass die Gruppe auch ohne die Technik des modernen digitalen Tonstudios authentisch und anspruchsvoll klingt, hat sie 2013 erfolgreich im Rahmen eines „Direct-to-Disc“-Aufnahmeverfahrens demonstriert. Innerhalb dieser besonderen Schallplattenproduktion spielen die Musiker ihre Songs pur ein, ohne die Möglichkeit zu schneiden oder nachzubearbeiten.

Foto: Elaiza Facebook/Ben Wolf

Sie sind die Gewinnerinnen des dem diesjährigen Vorentscheid vorgeschalteten Talent-Wettbewerbs – und da Elaiza ihrem musikalischen Können nach eher in der Profi-Liga spielen, stürzen sich auch gleich die Plattenfirmen drauf. Zugegebenermaßen erbringen gerade diese Neulinge genau den Musik-Mix, den Eurovisionäre so gerne hören. Ein wenig Folklore, eingängiger Pop und eine für Mainstreamer abstruse Instrumentierung. Passt eigentlich alles – aber hat der NDR die Creme-de-la-Creme der deutschen Musikszene so lange zum Mitmachen überredet, um letztlich dann doch Nobodys das Ticket nach Kopenhagen in die Hand zu drücken?


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Ach nöö… 10 Kandidaten für die Wildcard

Was lange währt, wird nicht immer gut. Der NDR gab heute die zehn Bewerber bekannt, die um die Wildcard für die deutsche Vorentscheidung 2014 beim sogenannten Clubkonzert am 27. Februar in Hamburg wettsingen werden:

  • Ambre Vallet
  • Bartosz
  • Caroline Rose
  • Cassie Greene
  • Elaiza
  • Max Krumm
  • Melanie Schlüter
  • Nicole Milik
  • Simon Glöde
  • Valentina

Offenbar handelt es sich bei dem Gig im Edelfettwerk eher um eine Acoustic-Session, denn die Mehrheit der Hörbeispiele (anders kann man es nicht nennen, wenn durchgängig unklar ist, mit welchem Song die Kandidaten auftreten werden, zumal einige gar nur Coverversionen mehr oder minder bekannter Songs präsentierten) hört sich nach verträumtem Kleinmädchenpop an. Schade, weichgespülte Radiomucke kommt also dabei raus, wenn auch hier die Bosse der Plattenfirmen entscheiden dürfen, wer rein kommt und wer nicht. Dagegen scheint das Votum der Internetgemeinde in die Entscheidung kaum bzw. gar nicht eingeflossen zu sein, was uns zumindest im Fall Kübelböck und diverser anderer Castingsternchen vor Schlimmerem bewahrt. Gleichwohl sind wir aus meiner Sicht nun mit geballter Langeweile konfrontiert, die – soweit lege ich mich jetzt schon mal fest – bei der finalen Entscheidung in Köln keine Rolle spielen wird.

Und ich will ja nicht nerven, aber als international Erfolg versprechend und mit einer Erfolgs-DNA des ESC versehen – wie es der Sender eigenlobend behauptet – halte ich keinen der nun ausgesuchten Newcomer. Wo ist Dance, Metal oder Rock? Und ebenso für Fans von Electro oder Synthie-Pop, noch im Vorjahr hervorragend mit den Blitzkids und Ben Ivory besetzt, bleibt nur das große Gähnen. Der eurovisionäre Favorit der insgesamt 2240 Einreichungen, Tim Peters, hätte diese Lücke sicherlich gut füllen können, schade drum – aber offensichtlich hat der NDR in diesem Jahr andere Pläne.


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Dortmund wird eurovisionär

…und wo wir schon dabei sind: Bei all dem Elend gibt es ja noch das hoffnungsvolle Talent, das ganz basisdemokratisch sein / ihr  Lied für Deutschland auf das putzige USFD-Portal hochladen durfte. Diesem Aufruf sind insgesamt 2240 mehr oder minder begabte Künstler nachgekommen und nun gilt es, dass der NDR die Endauswahl zur Wildcard 2014 nicht auch noch versemmelt. Schließlich soll am 27.02.2014 im Rahmen eines Clubkonzerts aus 10 verbleibenden Acts der achte und letzte Teilnehmer für die Show in der Kölner Lanxess-Arena bestimmt werden. Wie wärs mit diesem?


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Armes Deutschland – Die Beiträge für Köln

flag germany klein wikimedia - fry1989So allmählich schwant mir, warum der NDR die offizielle Veröffentlichung aller diesjährigen Vorentscheidungsbeiträge so lange herauszögert. Es wird einfach nicht besser, nachdem uns in der vergangenen Woche schon ein Ausschnitt des unsäglichen Unheilig-Oeuvres „Als wär’s das erste Mal“ zu Ohren gelassen wurde. Mittlerweile quälen uns auch die anderen Bewerber mit sogenannten Snippets, die an verschiedenen Ecken im Netz zu finden sind.

Fangen wir mal mit Santiano an, die ich vor einiger Zeit als ärgste Konkurrenten des Grafen bezeichnet habe. Um das mal klar zu stellen, hatte ich damals lediglich die vorhandenen Fanbases verglichen und mir war noch nicht klar, welchen Driss die Seemänner auf uns loslassen werden. Zwischenzeitlich verdichten sich die Gerüchte, dass die Schunkelmatrosen mit der Sängerin Oonagh auftreten werden, die von ihrer Plattenfirma als die neue Ethno-Pop-Sensation angekündigt wird. Natürlich stimmt das nicht. Vielmehr ist „Minne“ bzw. „Hörst du den Wind“ schrecklichste Vorentscheidungsmucke, die wir so zuletzt Mitte der 90er Jahre gehört haben und die sich krampfhaft bemüht, das musikalisch nicht gerade wegweisende „Only Teardrops“-Thema aufzugreifen. Vorsicht! Es wird ganz dolle weh tun, aber für die Masochisten gibt es hier Ausschnitte zu hören.

Update: Achtung Falschmeldung! Wie der NDR zwischenzeitlich mitteilte, werden die Shanty-Rocker doch auf weibliche Begleitung verzichten (vermutlich haben sie den Schmarrn selbst nicht ertragen). Die Beiträge für Köln lauten nun „Niemals untergehen“ und „Fiddler On The Deck“. Hörproben hiervon gibt es vorsorglich derzeit keine.

Als nächstes nun zum Rockabilly Act. Die Berliner Combo The Baseballs hat letzte Woche die Katze aus dem Sack gelassen und kündigt via Youtube ganz internäschenell die Kurzversion von „Mo hotta mo betta“ an. Richtet sich meiner Meinung nach an eine sehr überschaubare Zielgruppe, die in keinster Weise eurovisionsaffin ist. Und wie uns die Song-Contest-Historie zeigt, wäre Europa schon mit der einminütigen Version überfordert.

Oceana, die vor zwei Jahren einen ordentlichen Charterfolg mit dem launigen Fußballliedchen „Endless Summer“ hatte, ist offensichtlich immer noch auf Dschameyka oder in El-Äh (zumindest lässt sie kein Geld für einen leistungsstärkeren Homepage-Server springen). Bis sie also im März kurz in CGN zwischenlanden wird, gibt es nicht mehr als einen hippen Teaser für „Thank you“. Das zeugt immerhin von guten Umgangsformen und daher werde ich vorerst auch nix Böses dazu schreiben (der Schnipsel iss für eine abschließende Bewertung durch die Redaktion eh zu kurz).

Kein Lena-Klon ist trotz optischer Ähnlichkeit die 18-jährige Madeline Juno aus dem Schwarzwald. Sie hat in den vergangenen Monaten mit dem Song „Error“ auf sich aufmerksam gemacht und erreichte gar die Top50 der deutschen Musikcharts. Mit dem etwas schnarchigen Prädikat „Singer / Songwriterin“ gilt sie wahrscheinlich nicht gerade als Favoritin für Köln. Auch ist mir nicht ganz klar, ob wir in „Like Lovers do“ schon die finale oder nur eine ungepluggte Version ihres Vorentscheidungsbeitrags zu hören bekommen.

Wer sich bei Nicoles Auftritt 1982 schon in die geschmeidige Harfe verliebt hat, wird sich heutzutage bei MarieMarie wahrscheinlich die Ohren reiben. Die Münchnerin mit dem roten Afro ist nach eigenen Worten ein bißchen wie aus der Welt gefallen, was uns einigermaßen erklärt, warum sie ihren Beitrag für Köln noch nicht offiziell benannt hat. Vermutlich ist es aber „Cotton Candy Hurricane“, das sie vor einigen Monaten bereits live zum Besten gab und als Single-Auskopplung ihres Albums „Dream Machine“ vorgesehen hat.

Update: Ja, das ist es, der zweite Song heißt „Candy Jar“.

Von allen (bislang feststehenden) Kandidaten scheint mir Das gezeichnete Ich die besten Chancen auf eine gute deutsche Platzierung in Kopenhagen mitzubringen. Das Problem ist nur, dass der heimische Televoter absehbar nur Augen für den Grafen haben wird. Nach offiziellen Angaben trat der Berliner mit dem komischen Namen vor geraumer Zeit auf der Abschiedstour von A-Ha im Vorprogramm auf. Scheinbar hat er seitdem zu oft „Take on me“ gehört, was sich jetzt ein wenig bei seinem Wettbewerbsbeitrag „Weil du da bist“ bemerkbar macht. Egal, ansonsten besitzt der Song alles, was einen passablen Eurovisionsheuler ausmacht – Hook, Look, Timing und 3-Minuten-Länge. Alles das haben seine Konkurrenten bislang nicht!

Übrigens: Santiano plapperten schon am 14. Dezember auf ihrer Homepage aus, dass sich auch Bosse für die diesjährige Vorauswahl angemeldet habe. Vermutlich ist dem jedoch noch rechtzeitig gedämmert, auf was für einen verrückten Haufen er dann in Köln getroffen wäre und hat schnell wieder abgesagt. Schade, denn der Bundesvision-Song-Contest-Gewinner 2013 hätte sich als Grafen-Verhinderer auszeichnen können. Letzterer wird nun also Ende März einen weiteren Nummer-Eins-Hit in Deutschland sein Eigen nennen und dann im Mai auf internationaler Bühne gehörig abstürzen dürfen. Aber er wollte es ja so…

Adel Tawil, wir brauchen Deine Hilfe!!!

Grafik: Wikimedia/Fry1989


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Alle Jahre wieder…

button kobnhavn neu2…beginnt die Vorentscheidungssaison. Quer durch Europa rüsten die Sendeanstalten für den Eurovision Song Contest und stellen einem zugegebenermaßen kleinen, aber gierigen Publikum ihre Auswahlliste an Liedern und / oder Interpreten vor, die im Mai kommenden Jahres für eurovisionäre Furore sorgen sollen.

Natürlich werden die erfolgsverwöhnten Schweden ihre eurovisionären Anhänger erneut durch eine Reihe an Vorrunden und Second-Chance-Absurditäten quälen. Jene alljährliche Vorentscheidungsprozedur, die mittlerweile zum heimischen Kulturgut wie Knäckebrot und Pippi Langstrumpf gehört, kommt 2014 übrigens sehr retro daher. Neben Alt-Veteranen wie Dr. Alban und Alcazar gehen mal wieder Melodifestivalen-Lieblinge wie Shirley Camp, Sanna Nielsen und Linda Bengtzing an den Start, was bei eingefleischten Fans vor lauter Vorfreude schon jetzt für nasse Höschen sorgt. Überraschenderweise reiht sich in diese Riege von Schlagerbelanglosigkeiten übrigens auch eine leibhaftige Eurovisionssiegerin ein: Helena Paparizou will es noch einmal wissen, oder – wie Insider behaupten – sie sieht sich genötigt, ihren Schallplattenvertrag in dem mello-fanatischen Land zu erfüllen.

Solche Sorgen wüssten die Schweizer sicher gerne ihr eigen, denn trotz einer unüberschaubaren Anzahl von Bewerbern, die fleißig ihre Videos auf das Portal des SRF geladen hatten, verbreiten die finalen sechs Kandidaten unseres Nachbarlandes nur Langeweile und Einfallslosigkeit. Ein Finaleinzug scheint trotz der kleinen Semi-Starterfelder schon jetzt – gelinde gesagt – sehr ungewiss.

Dafür kann man aber jedes Jahr mit den Letten rechnen (wenngleich sie nie die Klasse ihrer estnischen Nachbarn erreichen…). Sie wählen zwar selten Songs aus, die im Finale punkten könnten, verfügen in ihrer Vorauswahl aber zumeist über Liedvorschläge, die sehr gefällig daherkommen. Und das will ja bei manchen Eurovisionsbeiträgen, die mitunter an Körperverletzung grenzen, schon was heißen. Hin und wieder bringen sie gar die eine oder andere akustische Perle in ihrem Angebot unter. So freut sich der Eurovisionär zu diesem frühen Zeitpunkt (verschrobene Mitmenschen würden auch „heuer“ dazu sagen) z.B. über das nette „Cake to bake“ und natürlich über „Revelation“, das in Insiderkreisen den Malmöer Stage-Divern PeR zugeschrieben wird. Endgültige Gewissheit wird es hierüber am 07. Januar geben, wenn LRT die dziesma-Liste um die Namen der Interpreten ergänzt.

Und auch in Weißrussland und Malta war man schon fleißig mit Selektieren beschäftigt, aber mit denen hab ich nicht so viel am Hut  …was sag ich…weitere Infos gibt es hier.


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...