Tag Archives: Wettbewerb

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So wird in Wien gestartet

Das wird zumindest für den eurovisionaer am Samstag wohl weniger spannend: Nach ca. 30 Minuten sind alle seine Lieblinge durch, denn Slowenien, Estland und Norwegen singen bereits im ersten Drittel des unüberschaubar großen  Wiener Teilnehmerfeldes von 27 Nationen.

Doch mehr dazu nächste Woche, wenn die langen Wiener Nächte im Rahmen des sehr kurzweiligen Betriebsausflugs erst einmal verdaut sind. Der treuen Leserschaft einen freudvollen Gruß aus der österreichischen Hauptstadt und einen schönen Song Contest 2015 – wo auch immer Ihr ihn schaut! Bye, Bye, 3 Minutes – I gotta go.

TN Finale 2015

Grafik: eurovisionaer


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Nachgetreten

In der Stuhlkreisrunde „3 nach 9“  durfte sich dieser Tage Stefan Dettl, Sänger der Gruppe „La Brass Banda“, lang und breit zu seinem Vorentscheidungstrauma äußern. Es war mal wieder eine gewohnt heuchlerische Talk-Inszenierung. Denn während sich Moderator Giovanni di Lorenzo nach Leibeskräften mühte, das ach so ungerechte Endergebnis zu skandalisieren – und dabei von einer geifernden und wohl noch aus der letzten Diskussion dort sitzenden Claudia Roth lautstark unterstützt wurde – versuchte Dettl den Ball halbwegs flach zu halten. Wohl wissend, dass das Radiovoting von seiner Fanbase maßgeblich beeinflusst wurde und auch das Televoting allein nicht vor der ach so ignoranten Jury geschützt hätte. Aber der öffentlich-rechtliche Rundfunk verdreht da ganz gerne mal die Tatsachen. Und auch der bajuwarische Barde konnte es nicht lassen, das Hohelied der (bei der Eurovision verpönten) Live-Musik zu preisen und sein Credo „Wettbewerbe und Musik passen einfach nicht zusammen“ runterzubeten. Na, dann kann er ja froh sein, dass ihm das alles, einschließlich Malmö, erspart blieb. Und uns auch!


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Das war’s

24 spacesleer
Bereits am Morgen nach dem großen Finale verabschiedet sich Malmö vom Eurovision Song Contest, indem es eiligst alle WE-ARE-ONE-Flaggen einfährt und stolz per Banner auf das nächste Großereignis der Stadt hinweist. Die Ausstellung „24 Spaces“ für nicht-kommerzielle Kunstaktionen (ist das nicht ein Pleonasmus?) trägt den Untertitel „A Cacophony“.  Treffender als mit dieser Losung hätte das diesjährige europäische Wettsingen kaum ausklingen können…

Lag es daran, dass die Schweden nicht nur vieles anders, sondern auch alles besser machen wollten? Einiges hat funktioniert, wie zum Beispiel die Einbindung der Fans, indem SVT sie auf den aus der Not geborenen Stehplätzen zur lebendigen Kulisse werden ließ, die den wunderbaren Catwalk umrahmte. Und den abzuschreiten offensichtlich jeder Künstler vertraglich verpflichtet wurde… Auch die so genannten Postcards – die Filme, die während des Bühnenumbaus zwischen den Auftritten eingespielt werden – waren eine Wohltat, da sie anders als noch in Baku ganz untouristisch und nichtnationalistisch daher kamen und den Fokus auf die Künstler legten.

Doch sonst? Das pompöse und endlos lange Opening mit dem jeweils von Fahnenträgern angeführten Einmarsch der Nationen zur eigens komponierten feierlichen Hymne? Die Eurovision wird endlich zur Gesangsolympiade! Das aber heizt den stets latent vorhandenen Nationalstolz einiger Länder erst recht an und steht im krassen Gegensatz zum angeblich unpolitischen Selbstverständnis der Veranstaltung. Die Moderatorin? Erstmals seit Jahren war sie wieder alleinig für den gesamten Abend verantwortlich. Schwierig jedoch, wenn man sich dann gerade mit ihr als Gastgeberin nicht so richtig anfreunden kann. Die Bühne? Unspektakulär reiht sie sich in die der Vorjahre ein. Ob nun 2013 Projektoren statt LEDs eingesetzt werden, erschließt sich dem unbedarften Zuschauer nicht wirklich. Die Beiträge? Nun gut, dafür können die Schweden bis auf eine Ausnahme nichts. Die Pausenacts? Viel zu viele. Darunter eine selbstverliebte 50er-Jahre Revue der Gastgeber, mit der Resteuropa wohl wenig anfangen konnte, und eine für alle Nicht-Anglomaniacs häufig unkomische Pseudo-EBU-Botschafterin. Und letztlich ein chaotisches Voting, dem wohl nicht nur die oft zitierte finnische Hausfrau nicht immer folgen konnte.

public viewingleer
Schade. Eigentlich mag ich den Song Contest sehr. Und gerade von den eurovisionsverrückten Schweden hatte ich – sagen wir mal – mehr Impulse erwartet. Doch anders als beim geerdeten Rudelgucken in der Malmöer Innenstadt macht das Zuschauen am Fernseher keinen rechten Spaß mehr. Seelenlos ist vielleicht die passendste Beschreibung der 2013-er Ausgabe. Mehr oder weniger routiniert haben die Skandinavier ihre Hausaufgabe heruntergespult und verschämt am nächsten Tag weggeräumt.

Die in diesem Jahr erstmals angewendete selbstgebastelte Startreihenfolge, die 2009 geschehene Wiedereinführung und der seitdem alljährlich wachsende Einfluß der Jurys sowie die immer mehr dem gleichen Muster folgenden Musikbeiträge sind nur einige Beispiele für ein stetig geglättetes und kommerzialisiertes Format, bei dem Marktanteile und Profit, weniger jedoch Experimentierfreude und (skurrile) Eigenart im Vordergrund stehen. Insofern haben die EBU und Schweden als Gastgeber alles richtig gemacht. Und ich träume weiter.

Fotos: eurovisionaer


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Mach dein eigenes Ding

eurovision scoreboard Wie in jedem Jahr hat escnation mittlerweile den aktuellen und bei Fans sehr beliebten Scoreboard Simulator veröffentlicht, mit dem ein komplettes Eurovisionsvoting ganz nach eigenem Geschmack simuliert werden kann. Das ist zwar vollkommen sinnfrei, da die Ergebnisse in der Regel rein gar nichts mit den offiziellen Wertungen gemein haben, aber immerhin hilft die Spielerei, die lange Zeit zwischen Vorentscheidungssaison und Finale zu überbrücken…

Foto: Wikimedia / Clausule


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It’s all about the Money…

fuckoff Flickr ballanrossNun ist die Eurovision also auch zur kleinen Hure verkommen und wird in Malmö 2013 endgültig die Beine so richtig breit machen. Bislang hat sie sich immer noch ein wenig geziert, wenn es um grundsätzliche Prinzipien ging, doch mittlerweile will sie ganz offensichtlich um jeden Preis mit ihren Konkurrentinnen mithalten. Ihre kleine schwedische Schwester „Melodifestivalen“ zeigt ihr schon seit Jahren, wie man sich richtig anstellen muss, will man an die spendablen Freier mit dem großen Geld, den hohen Chartplatzierungen und den Top-Einschaltquoten  kommen…

Immer mal wieder gab es Aufschreie, das Ende des Eurovision Song Contests sei nah, beispielsweise als 1999 erstmals auf Orchestereinsatz verzichtet oder als 2006 die traditionelle Wertung auf die Verkündung der Top-3 zusammengestrichen wurde. Mittlerweile wissen wir, dass diese Änderungen dem Wettbewerb ganz gut getan haben bzw. dazu beitrugen, ihn zu modernisieren. Das neueste Ansinnen der EBU jedoch, die Startreihenfolge nach dramaturgischen Gründen zusammenzustellen und nicht per Losentscheid zu bestimmen, sorgt dieser Tage unter den Fans (alle anderen werden es kaum wahrnehmen) für blankes Entsetzen. Die Auslosung, bislang unangreifbares, weil willkürliches Element der Sendung und somit der Garant für eine gewisse Form von Fairness kann somit vom nächsten Produzenten Martin Österdahl umgangen werden, der dann nach Gutdünken schalten und walten darf.

Überraschenderweise wird diese Regeländerung nun ausgerechnet für den in Schweden stattfindenden Contest 2013 wirksam. In deren nationaler Vorausscheidung ist es seit langem üblich, die Favoriten auf die erfolgversprechenden hinteren Startplätze des Wettbewerbs zu hieven, das Vollplayback abzufahren und möglichst viele Tänzer auf die Bühne zu schicken. Mit diesem Rezept hat sich das Format nach Jahren der Krise zum alljährlichen Show-Event entwickelt. Um den Preis, dass es immer berechenbarer wurde.

Ebenso sind es die Schweden, die uns vor einigen Wochen mit ihrer Planung des 2013-er Konzeptes verblüfften. Mit einer kleineren Halle und einer einzigen Moderatorin wollen sie den Song Contest angeblich „Back to the Roots“ führen und auf bildgestalterische Stilmittel wie Supertotalen, die die Interpreten zu kleinen Randfiguren auf einer riesigen Bühne machen, gänzlich verzichten. Und da die Schweden seit Jahren in Fankreisen als Trendsetter des Festivals gelten (scheinbar sind die sturzlangweiligen Abende 1975 und 1992 kollektiv vergessen), wurde (auch von mir) deren Vorhaben bislang vornehmlich begrüßt, solange es nur die künstliche und bombastische Umsetzung von Baku vermeide.

Allerdings wird auch offensichtlich, dass es die Schweden vordergründig nicht bei einer ästhetischen Überarbeitung belassen wollen. Mit der Regeländerung der EBU und dem damit verbundenen Verzicht auf ein unberechenbares Element der Show, der ausgelosten Startreihenfolge, erhalten sie nahezu alle Werkzeuge, sich den idealen Eurovision Song Contest zu konstruieren. Künftig gibt es keinen montenegrinischen Rambo Amadeus mehr, der als Opener der Show 2012 die Zuschauer verschreckte. Auch werden Favoritinnen wie Safura anno 2010 nicht mehr auf Startposition 1 strafversetzt, sondern hofiert und ans Ende der Sängerschar geschoben, damit niemand mehr vorzeitig abschaltet oder gar teure Marketingkampagnen der Plattenfirmen in den Sand gesetzt werden. Daran, dass nur beim ESC San Marino ein Lied lang mächtiger als Russland sein kann, darf demnächst also ordentlich geschraubt werden.

Ohne Zweifel muss der Song Contest mit derzeitig erfolgreichen TV-Formaten Schritt halten. Die oben erwähnte Abschaffung des Orchesters war so eine dringend notwendige Modernisierung, um nicht zu einem anachronistischen Relikt der Fernsehunterhaltung zu verkommen. Die jetzt verkündeten Änderungen sind wahrscheinlich nur der Anfang von Maßnahmen, dem Wettbewerb ein komplett neues Gesicht zu geben. Dabei wird vergessen, dass die Eurovision nicht mehr die jüngste und gerade wegen ihrer Falten rituellen Traditionen etwas ganz besonderes ist, was sie von allen anderen dahergekommenen Mitstreiterinnen unterscheidet. Stück für Stück wird sie nun ihrer Seele beraubt, bis sie letztlich langweilig und austauschbar sein wird.

Foto: Flickr/ballanross


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Eurovisionseuphorie

Ohne auf diesem Blog einen Countdown einzurichten (was technisch ohne weiteres machbar wäre), wissen nicht nur Insider Eurovisonäre, dass der Höhepunkt der Saison kurz bevor steht. Mit dem Finale in Baku (wer redet schon von den Semis….? Die ARD zumindest nicht, denn die selbst ernannte Anstalt schiebt eben diese in verschiedene Spartenkanäle) wird am 26.05.2012 der Schlusspunkt der Eurovision 2012 gesetzt werden.

Glaubt man den Kennern, Wettbüros und europaweit organiserten Fanclubs ist das Rennen eh entschieden. Schweden macht nicht den aserbaidschanischen Fehler und baut bereits jetzt schon fleißig ein gigantomanisches Stadion, um die Besucher im Mai 2013 in Stockholm begrüßen zu dürfen. Loreen, deren Vertreterin, schafft es derzeit, mit ihren euphorisierenden Gesängen alle Quoten auf sich zu vereinigen und selbst die medial nicht gerade unterrepräsentierten Omas aus der russischen Provinz auszustechen. Ob es sich denn dann am 27. Mai frühmorgens in Baku ähnlich verhalten wird?

Hoffentlich nicht! Wie Kinder beim Öffnen eines bekannten Schokoladeneis wünschen auch wir uns Spiel, Spaß und Spannung. Düsseldorf hat bewiesen, dass ein weit gestreuter Favoritenkreis gar nicht unbedingt musikalisch dazu beitragen kann, die Veranstaltung aufzuwerten. Auch 2012 gibt es neben der besagten Schwedin eine kleine handvoll Beiträge, die man – anders als die 1000mal gehörte serbische Ballade oder mitgewuppte griechische Disconummer – so nicht erwartet hätte. Beispiele? Wie wäre es mit dem israelischen 70er-Jahre Retro-Sound der Band Izabo oder aber der halbwegs frische Sound der eidgenössischen Sinplus? Von der großartigen italienischen Diva ganz zu schweigen! Gleichwohl sind es 2012 wenige, häufig werden wie gesagt erfolgreiche Klischees der Vorjahre benutzt, da auch die Zuschauer angeblich nichts anderes wünschen.

Wirklich? Warten wir es ab! Sicherlich wäre selbst dann das schwedische Angebot nicht das schlechteste, alleine deshalb, weil es ausnahmsweise nicht das traditionelle Abba-Muster verfolgt. Nur ganz so eindeutig, wie jetzt prognostiziert, muss es ja nicht werden!

Trotzdem sollte man sich auch als Eurovisionär darüber im klaren sein, dass unsere Lieblingsveranstaltung in diesem Jahr erneut kein chartstaugliches Material abwerfen wird. Schaut man sich allerdings eben diese Charts an, ist auch eine solche Option nicht die schlechteste. Brot und Spiele – diesem Anspruch wenigstens wird die Eurovision 2012 mehr als gerecht! Und mehr muss es nicht sein, oder?


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Ganz großes Kino!

sunset boulevard wikimediaEine perfekte Ausleuchtung, die der ehemaligen Diva das passende Ambiente für ihre Nahaufnahme lieferte, und Butler Max, der in der Person von Ralph Siegel ihren Wahn bestärkt, sie sei nach wie vor ein großer Star. Dennoch blieb das Remake von „Sunset Boulevard“ letztlich nur eine Episode der helvetischen Vorentscheidung, die am vergangenen Samstag stattfand, wenn auch eine, die es in sich hatte. Der selbsternannten Jurowischnqueen Lys Assia wurde ein gehöriger Strich durch die Rechnung gemacht, längst vergessene Zeiten wieder aufleben zu lassen.

Und was danach passierte, ist weniger großes Drama, sondern eher herzhafte Komödie. Denn so leicht gab sich die wahnhafte Grande Dame nicht geschlagen und füllte in den Folgetagen die Schlagzeilen der Schweizer Presse:

„Dass sich eine Jury so flegelhaft aufführen kann und so frech ist, mir das Du anzubieten.  Man kann mich nicht so als Künstlerin beleidigen und das Lied so heruntermachen. Das ist ein sehr schönes Chanson. Und eigentlich ist es ja ein Chansonfestival und kein Tonk-Tonk-Festival.“

Tonk-Tonk scheint ein Begriff der Fünfziger Jahre zu sein und ist mir nicht geläufig. Offenbar bezeichnet er etwas Neuartiges, Modernes. Zumindest in dieser Hinsicht scheint Frau Assia mal einen lichten Moment gehabt zu haben, denn der befürchtete reaktionäre Supergau blieb aus und die auch nicht mehr so junge Eurovision kann aufatmen. Die nunmehr weise ausgewählten Vertreter Sinplus sind nicht nur der genaue Gegenentwurf zu der mittlerweile demontierten Ikone Assia, sondern auch der Hoffnungsschimmer, dass der Contest frisch, sympathisch und zeitgemäß sein kann. Bleibt nur zu beten, dass die Juryköppe diese vielversprechende Wendung am 26.05.2012 nicht wieder platt walzen.

Denn ansonsten ist 2013 mit dem längst nicht mehr würdevollen, drohenden Weltstar erneut zu rechnen:

„Ich werde ewig weitersingen!“

Foto: Wikimedia / SunOfErat


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…als hätten wir’s geahnt

flagge Israel pixabayDie israelische Fernsehanstalt IBA hat bei der EBU angefragt, den Wettbewerb 2012 um eine Woche zu verschieben, um auch kommendes Jahr am Song Contest teilzunehmen. Nach jetziger Planung soll dieser am 22., 24. und 26. Mai stattfinden, in diesen Zeitraum fällt jedoch ein jüdischer Feiertag. Darüber hinaus stellt auch die offene Grenze Aserbaidschans zum Iran ein Problem für die Israelis dar. Die EBU müsse eine Sicherheitsgarantie abgeben, um die israelische Delegation bei einer eventuellen Teilnahme zu schützen. Israel nahm 1980, als der Wettbewerb eigentlich wegen des Vorjahressieg erneut hätte in Jerusalem ausgetragen werden sollen, 1984 und 1997 aufgrund von Feier- und Gedenktagen nicht am Wettbewerb teil.

Foto: Pixabay


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Nach dem Spiel is vor dem Spiel…

Eurovisionskalender aufgeschlagen! Die EBU hat die vorläufigen Termine für nächstes Jahr mal so ganz vorläufig festgelegt. am 22., 24. und 26. Mai soll der Contest 2012 in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, ausgetragen werden. Eine endgültige Entscheidung soll aber erst am 20. Juni im Rahmen der turnusmäßigen EBU-Sitzung in in Genf fallen, also noch keine Flüge buchen…


Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...