Wien 2015

logo 2015 kleinFinale: 23. Mai 2015
Ort: Österreich / Stadthalle Wien
Teilnehmer: 40 Länder
Sieger: Måns Zelmerlöw (Schweden)
Voting: 50% Televoting / 50% Jury
TV-Zuschauer ges.:
TV-Zuschauer Dt.: 8,11 Mio (0,56 Mio HF1 / 0,71 Mio HF2)
Interval-Act: Martin Grubinger
Moderation: Alice Tumler, Arabella Kiesbauer, Mirjam Weichselbraun

 

Teilnehmer 2015

ALB Albanien Elhaida Dani I'm alive
ARM Armenien Genealogy Face the Shadow
AUS Australien Guy SebastianTonight again
AZB Aserbaidschan Elnur Huseynov Hour of the Wolf
BEL Belgien Loïc Nottet Rhythm inside
DEN Dänemark Anti Social Media The Way you are
GER Deutschland Ann Sophie Black Smoke
EST Estland Elina Born & Stig Rästa Goodbye to Yesterday
FIN Finnland Pertti Kurikan Nimipäivät Aina mun pitää
FRA Frankreich Lisa Angell N'oubliez pas
GEO Georgien Nina Sublati Warrior
GRE Griechenland Maria-Elena Kyriakou One last Breath
IRE Irland Molly Sterling Playing with Numbers
ICE Island María Ólafsdóttir Unbroken
ISR Israel Nadav Guedj Golden Boy
ITA Italien Il Volo Grande Amore
LAT Lettland Aminata Love injected
LIT Litauen Monika Linkyte & Vaidas Baumila This Time
MAL Malta Amber Warrior
MAC Mazedonien Daniel Kajmakoski Lisja esenski
MOL Moldawien Eduard Romanyuta I want your Love
MNE Montenegro Knez Adio
NL Niederlande Trijntje Oosterhuis Walk along
NOR Norwegen Mørland & Debrah Scarlett A Monster like me
AUT Österreich The Makemakes I am yours
POL Polen Monika Kuszynska In the Name of Love
POR Portugal Leonor Andrade Há um mar que nos separa
ROM Rumänien Voltaj De la Capat / All over again
RUS Russland Polina Gagarina A Million Voices
SNM San Marino Michele Perniola & Anita Simoncini Chain of Lights
SWE Schweden Måns Zelmerlöw Heroes
CH Schweiz Mélanie René Time to shine
SRB Serbien Bojana Stamenov Beauty never lies
SLO Slowenien Maraaya Here for you
ESP Spanien Edurne Amanecer
UKR Tschechien Marta Jandová / Václav "Noid" Bárta Hope never dies
HUN Ungarn Boggie Wars for nothing
UK Ver. Königreich Electro Velvet Still in Love with you
BLR Weißrussland Uzari & Maimuna Time
CYP Zypern Giannis Karayiannis One Thing I should have done

Fazit 2015

Der eurovisionaer hat sich im Vorfeld der Wiener Festwochen einer gewissen Fleißarbeit hingegeben und die Kandidaten 2015 mit einem Hauch von Seriosität unter die Lupe genommen. Einer der vierzig Wettbewerber soll also am 23. Mai auserkoren werden, die Assia-Logan-Wurstsche Tradition fortzuführen und den Siegerpokal kurz nach Mitternacht freudestrahlend in die Höhe zu recken. Doch bis es so weit ist, wird – wie immer – an allen Ecken und Enden darüber spekuliert, wer denn das Rennen überhaupt machen könnte. Wir erinnern uns: Im Vorjahr entwickelte sich die Kaiserin Conchita erst in der zweiten Kopenhagener Probenwoche zur übermächtigen Favoritin, schossen die bis dato bestenfalls im Mittelfeld umher dümpelnden Common Linnets nach ihrem fulminanten TV-Auftritt an die Spitze des Feldes, nachdem viele Monate zuvor ganz andere Lieblinge die Wettlisten anführten.

Trotzdem – denn schaden kann es ja nicht – knöpft sich eurovisionaer also in der mittlerweile berüchtigten Wiener Sektion die hoffnungsfrohen Bewerber einmal mehr vor, um deren Chancen auf einen Gesamtsieg ein wenig auszuloten. Und schon stoßen wir auf die leidige Frage, was den ESC-Erfolg eigentlich ausmacht. Erleben wir im Mai eine wahrhaftige Rampensau, die live gesanglich überzeugen kann und auf der Bühne das letzte Fitzelchen Erfolg aus dem usprünglich öden Contestbeitrag herausquetscht? Ist der Song selbst eher ein scheußlicher Ohrwurm, den sich niemand ein zweites Mal antun möchte, oder doch ein Klassiker, den man ahnungslosen Freunden ohne Zögern vorspielen kann und der es locker auf jede Best-of-Compilation schafft? Und nicht zu vergessen die Optik: Neigungsbedingt achtet der Blogger da eher auf die männlichen Kandidaten, denen er gerne den einen oder anderen Sockenpunkt zustecken möchte, während sich die Damen des Wettbewerbs allenfalls daran messen lassen müssen, ob sie irgendeine Art von Divenpotential haben. All das zusammen könnte in einer ungefähren Tendenz für Wien münden, allerdings – wie schon bei den Lottozahlen – ganz ohne Gewähr!

Ergebnisse 2015

Grafiken: EBU; eurovisionaer Foto: EBU / Thomas Hanses

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Kandidaten 2015

Video Web Albanien | Elhaida Dani | I’m alive

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Bereits Ende Dezember gewann Elhaida das legendäre Festivali i Këngës mit dem wunderbaren “Diell”. Welcher Teufel sie danach geritten hat, den Song auszutauschen, weiß niemand. Oder war es doch der eigene Komponist, der ihn in Wien nicht mehr hören wollte? Mitte März kam die Sängerin jedenfalls mit dem anglofon-weichgespülten “I’m alive” um die Ecke. Niemals zuvor haben wir westlichere Töne aus Tirana gehört: Die sind zwar okay, weil sie keinem weh tun, aber originell geht anders.

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Video Web Armenien | Genealogy | Face the Shadow

ARM

Großes haben sich die Armenier für den 60. Song Contest vorgenommen. Sie wollen an den 100. Jahrestag des Genozid an den Armeniern durch die Osmanen erinnern – geben sich also engagiert politisch, was die EBU wiederum grundsätzlich gar nicht gerne sieht. Prompt wurde der Titel nachträglich (auf Drängen Aserbaidschans?) vom anklagenden “Don’t deny” ins eher unverbindliche “Face the Shadow” umbenannt. Besser wäre es vielleicht gewesen, eine landessprachliche Fassung einzusingen: Dann wäre uns gleichermaßen schlechtes Pidgin-Englisch und eine plumpe Textzeile erspart geblieben. Übrigens: Parallel zur Veröffentlichung des Beitrags fuhren die Armenier eine penetrant nervige Marketingstrategie. Da die Künstler der synthetisch zusammengefügten Gruppe Genealogy irgendwo auf dem Globus irgendwelche Erfolge vorweisen können, wurde ihre Teilnahme in einer Art Daily Countdown bekannt gegeben. Gähn…

Video Web Australien | Guy Sebastian | Tonight again

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Okay, nach anfänglichen Nervenzusammenbrüchen haben sich zwischenzeitlich auch die eher verwundbaren ESC-Seelen auf den australischen Besuch eingestellt. Der kommt in Person von Guy Sebastian – einem der größten Popstars des fünften Kontinents. Und nachdem er zuerst nur mit einem übrig gebliebenen Albumtrack nach Vienna reisen wollte, hat er sich dann doch noch auf die Hinterbeine gesetzt und mal eben einen würdigen ESC-Song geschrieben. Gut so – denn Europa wird die Aussies lieben und mit Punkten nur so überschütten!

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Video Web Aserbaidschan | Elnur Huseynov | Hour of the Wolf

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Ach, Aserbaidschan. Wahrscheinlich würde der eurovisionaer deine (schwedischen) Songs mögen, wenn du sie nur unter anderem Namen einschmuggeln würdest… Und auch der schöne Elnur kommt im Vergleich zu 2008 ganz unkitschig und sehr heterosexuell um die Ecke, da wäre ein weitaus höherer Campfaktor drin gewesen. Vermutlich bleibt der Song also ein ESC-Intermezzo, zumal die EBU wohl auch ein wenig genauer hinschauen wird, wenn die Aseris mal wieder SIM-Karten verteilen sollten…

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Video Web Belgien | Loïc Nottet | Rhythm inside

bel

Himmel, es ist einfach unglaublich, was sich die Belgier einfallen ließen, um das Axel-Mißgeschick vom Vorjahr auszumerzen. Der kleine Loïc Nottet könnte die Entdeckung des diesjährigen Song Contests werden. Einen fetten Plattenvertrag mit Sony hat er eh schon in der Tasche, nun also wird er Europa mit einem grandios zeitgemäßen ESC-Song überraschen und “La Belgique” vom Sandra-Kim-Trauma erlösen.

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Video Web Dänemark | Anti Social Media | The Way you are

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Ähh… was soll dem Chronisten denn einfallen, wenn einfach nix da ist?

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Video Web Deutschland | Ann Sophie | Black Smoke

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Andreas Kümmert drückt der verdutzten Zweitplatzierten das Ticket nach Wien in die Hand und macht sich aus dem Staub. Der NDR hat ein Problem, weil immer nur seine Nobodys gewinnen. Der eurovisionaer erlebt derweil ein Bianca-Schomburg-Deja-Vu. All das wird sich in Wien arg bemerkbar machen – ergo bleibt Deutschland dort wieder einmal im unteren Tabellendrittel hängen. Mayday!

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Video Web Estland | Elina Born & Stig Rästa | Goodbye to yesterday

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Es war die erste Januarwoche 2015, als sich der eurovisionaer in diesen Song verliebte und seitdem kaum eine Gelegenheit auslässt, darauf hinzuweisen. So viel Instant Appeal besaß in den letzten Jahren wohl einzig Alexander Rybak. Folgerichtig wäre ein 12-Punkte-Segen aus ganz Europa zu erwarten, wenn nicht dieser dumme Vergleich mit den Countrymusik spielenden Holländern wäre. Schaun wir mal…

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Video Web Finnland | Pertti Kurikan Nimipäivät | Aina mun pitää

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Im Land des freudvollen Saunagangs ist in diesem Jahr Inklusion angesagt. Alle Mitglieder der Punkband “Pertti Kurikan Nimipäivät” gelten als behindert. Doch nicht nur das lässt die eingefleischten Fans ratlos zurück: Auch der 85-Sekünder “Aina mun pitää” sorgt für verwirrte ESC-Seelen. Daher bleibt es vorerst offen, ob nun die Biografien oder der Beitrag für mehr Aufregung in Wien sorgen werden. Trotzdem – Lordi hatte einen echten Rockschlager – PKN ist da verstörender: Die Finalteilnahme erscheint dem eurovisionaer unerreichbar.

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Video Web Frankreich | Lisa Angell | N’oubliez pas

fra

In Paris ist nach den Pleiten der Vorjahre jetzt das Unscheinbare offenbar das Risiko, das man eingehen und so an traditionelle Festivalerfolge anknüpfen möchte. Nun gut, selbst eine eher hausbackene Madame Angell kann zu Zeiten bärtiger Siegerinnen möglicherweise für eine solide Platzierung im Mittelfeld sorgen. Aber der große Coup, oder gar Sieg, den der eurovisionaer – aus einem unspezifischen Bauchgefühl heraus – den Franzosen noch im Herbst für dieses Jahr prognostiziert hatte, scheint unter diesen retrovisionären Vorzeichen wohl mehr als unwahrscheinlich. Tant pis!

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Video Web Georgien | Nina Sublatti | Warrior

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Von den beiden “Warrior”-Songs, die in diesem Jahr an den Start gehen, ist das der eindeutig Bessere. Und abgesehen davon sind die Georgier (wie so viele Osteuropäer) ja bekannt dafür, dass sie erst in der Finalwoche den letzten Rest aus ihren bis dahin noch wenig spektakulären Beiträgen herausholen.

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Video Web Griechenland | Maria-Elena Kyriakou | One last Breath

GRE

Sonst gar nicht so die Balladentrulla, weiß der eurovisionaer auch nicht, was er an der Maria gefressen hat. Vielleicht liegt’s lediglich daran, dass es in diesem Jahr der deutsch-griechischen Stimmungslage entsprechend ausnahmsweise mal keinen Alkohol “for free” oder funkige Sirtaki-Einlagen gibt…

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Video Web Irland | Molly Sterling | Playing with Numbers

IRE

Eher unauffällig hat sich Molly in der kultigen “Late, late Show” das irische ESC-Ticket geschnappt. Dennoch: Von Linda Martin vorschnell als neue Kate Bush gefeiert, hat die 16-jährige mit dem richtigen Staging definitiv Außenseiterchancen.

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Video Web Island | María Ólafsdóttir | Unbroken

ICE

In Anbetracht der Tatsache, dass die Isländer vor etlichen Jahren in Sachen Modernität Song-Contest-Geschichte schrieben, als sie Paul Oscar auf den Kontinent schickten, könnte man 2015 in Tränen ausbrechen. Mehr Pussy (ohne Riot) geht kaum, aber die Insulaner wollten es ja nicht anders…

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Video Web Israel | Nadav Guedj | Golden Boy

ISR

Was sich auf den ersten flüchtigen Blick wie der Titel eines Schwulenpornos liest, ist der – hoffentlich – selbstironisch gemeinte Versuch der Israelis, das Projekt Eurovision ein wenig unaufgeregter anzugehen. Der 16-jährige Sieger einer nationalen Casting-Show gibt sich zumindest entspannt und locker. Seine Textzeile “And before I leave, let me show you Tel Aviv” ist bei den Fans schon jetzt eine Art Catchphrase und sollte – bitte, bitte, bitte – nicht wieder vom landeseigenen ESC-Ballett niedergetanzt werden. “Okay, we gotta go – Three minutes, bye bye!”

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Video Web Italien | Il Volo | Grande Amore

ITA

Die Jungs sind Anfang 20 und trotzdem tun sie so, als stünden sie kurz vor der Rente. Doch offensichtlich funktioniert diese hinterfotzige Strategie – siehe hierzulande Helene Fischer – außerordentlich gut: Die geknödelten Herz-Schmerz-Schlager sind der Renner in Italien, folglich gewannen Il Volo dort im Februar 2015 das traditionelle San-Remo-Festival. Nun soll Ähnliches in Europa passieren, wovor uns der Eurovisionsgott bitte beschützen möge! Light a Candle!

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Video Web Lettland | Aminata | Love injected

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Aminata Savadogo – mit dem Namen muss man einfach ins Musikbiz! Kurzentschlossen hat sich die dunkelhäutige Lettin daher einen wahrscheinlich bis dato unveröffentlichten Loreen-Titel geschnappt und reist nun nicht chancenlos nach Wien! Da sage noch einer, der ESC zerstöre Karrieren…

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Video Web Litauen | Monika Linkyte & Vaidas Baumila | This Time

LIT

Während der 314 Ausgaben der litauischen Vorentscheidung hatte sich der süße Vaidas wohl die größten Hoffnungen auf eine ESC-Teilnahme für sein Heimatland gemacht, doch dann stellten ihm findige Produzenten die im Bewerberkreis ebenfalls nicht ganz chancenlose Monika zur Seite. Das wird anderenorts zuweilen Kuhhandel genannt, doch im Baltikum ist das erst der Anfang eines kruden Deals. Der Herr Baumila muss seine – zugegebenermaßen sehr ansehnliche – Partnerin auf der Bühne nämlich gar noch küssen! Für die Karriere gilt – Augen zu und durch!

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Video Web Malta | Amber | Warrior

MAL

Wie putzig! In diesem Jahr gibt es zwei namensgleiche Titel. Das ist aber auch schon das einzig Positive, was sich über den maltesischen „Warrior“ sagen lässt. Gäbe es eine oberste ESC-Kommission, die in Wien die eingereichten Beiträge auf ihre Gesundheitsgefährdung für den Hörer hin hätte überprüfen müssen, sie hätte Sängerin Amber postwendend nach Valetta auf eine schalldichte Isolierstation zurück geschickt.

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Video Web Mazedonien | Daniel Kajmakoski | Autumn Leaves

maz

Das weltberühmte mazedonische Skopjefest gewann im November ein junger Barde namens Danijel Kajmakoski mit dem damals noch in Landessprache vorgetragenen Beitrag “Esenski lisja” (Herbstblätter). Kurz nachdem die Kameras abgekühlt waren, stellte sich heraus, dass offenbar über 1.000 Prepaid-Karten verteilt wurden, um das Ergebnis des Televotingentscheids zu beeinflussen. Natürlich – so beteuerten die Verantwortlichen – habe die Manipulation keinerlei Einfluss auf das Endergebnis gehabt. Naja, wir wissen mittlerweile, so ein kleiner Skandal gehört zur Eurovision wie der Bart zur Conchita. In Wien werden dem smarten Daniel solche Tricksereien aber wohl kaum helfen – dafür ist der Schummeletat des mazedonischen Fernsehens zu klein.

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Video Web Moldau | Eduard Romanyuta | I want your Love

MOL

Wo wir gerade dabei sind: Auch in Moldawien wurde geschummelt! Das vermutete zumindest die abgestrafte Teilnehmerschar der nationalen Vorentscheidung, nachdem ausgerechnet der Ukrainer Eduard das Televoting hochhaushoch gewann. Von einer feierlaunigen After-Show-Party konnte danach wohl keine Rede mehr sein und so muss der musikalische Fremdarbeiter nun in Wien nach neuen Freunden Ausschau halten. Klappt bestimmt, solange er seinen fürchterbaren Song nicht anspielt…

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Video Web Montenegro | Knez | Adio

MNE

Wieder einmal hat Zeljko Joksimovic seine Finger im Spiel, wenn der Barde Knez auf die Bühne geschickt wird. Mittlerweile hat der zweimalige ESC-Teilnehmer und Moderator seine Balkanmission übrigens zur Hälfte erfüllt: Kompositionen für Serbien, Bosnien & Herzegowina und nun eben Montenegro – da fehlen nur noch Kroatien, Slowenien und Mazedonien. Und vielleicht fällt ihm für die dann gar noch eine neue Melodei ein…

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Video Web Niederlande | Trijntje Oosterhuis | Walk along

NED

“Walk along”, obschon von der Göttin Anouk höchstpersönlich verfasst, hat wenig mit den jüngsten holländischen Klassikern “Birds” oder auch “Calm after the Storm” zu tun, die zuletzt für eurovisionäre Furore sorgten. 2015 sind unsere Nachbarn eher wieder “Middle of the Road” und liefern ein recht unaufgeregtes Liedgut ab, dessen Refrainzeile “Ayayayayay” sich aber auf Jahre im Ohr festsetzt. Den Rest wird hoffentlich Stagedirector Hans Pannecoucke erledigen, der schon den Auftritt der Common Linnets zu einem magischen TV-Erlebnis machte.

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Video Web Norwegen | Mørland & Debrah Scarlett | A Monster like me

NOR

Nach rein musikalischen Kriterien schicken die Skandinavier neben den Rumänen den wohl stärksten Song ins Rennen. Hier stimmt einfach alles: Melodie, Text und optische Verpackung. Und damit meint der eurovisionaer nicht ausschließlich den diesjährigen Sockenpunktschnuckelsieger Mørland. Schlichtweg famos!

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Video Web Österreich | The Makemakes | I am yours

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Bravo, die Ösis haben alles, alles richtig gemacht. Nach der Conchita-Euphorie des vergangenen Jahres haben sie sich in ihrer großartigen Vorentscheidung Mitte März einfach von rein auditiven Maßstäben leiten lassen und die bis dahin unbekannten Makemakes-Boys aus einem übervollen Talentpool – man denke an Johann Sebastian Bass oder DAWA – auserwählt. Das war ein kluges Votum und sollte im Mai für ein entsprechendes Punktepolster sorgen. Großartig!

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Video Web Polen | Monika Kuszynska | In the Name of Love

POL

Der Song ist ein wenig öde, die Geschichte der Sängerin berührt. Reicht das für eine gute ESC-Quote aus? Der eurovisionaer vermutet eher nein. Was nicht unbedingt an der querschnittsgelähmten Monika Kuszynska liegt, denn der geht es ganz offensichtlich – im Gegensatz zu ihrem verantwortlichen TV-Sender, der den tragischen Unfall der Protagonistin entsprechend vermarkten wird – ausschließlich um den künstlerischen Wert ihre Beitrags.

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Video Web Portugal | Leonor Andrade | Há um Mar que nos Separa

POR

Okay, alle machen sich über Portugal lustig, weil das kleine Land mittlerweile am längsten auf einen ESC-Sieg wartet. Dennoch – im Vergleich zu manchen europäischen Mitbewerbern – wird hier recht fair gespielt. Denn während sich andere schwedische Komponisten gönnen, bleiben sich die Portugiesen treu und variieren ihre eigenen musikalischen Muster nur geringfügig. 2015 gar kommen sie in diesem Kontext recht modern zur Sache und werden daher hoffentlich auch mit einer Finalteilnahme belohnt werden.

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Video Web Rumänien | Voltaj | De la Capat

ROM

Der eurovisionaer ist verwundert, dass gerade dieser Song kaum in den Wettquoten berücksichtigt wird. Wahrscheinlich geht die routinierte Band Voltaj zu unauffällig mit ihrer Eurovisionsteilnahme um: Es gibt keine Skandale und fernab jeder spektakulären Bühnenshows bleibt wenig übrig, worüber sich Fans und Presse den Mund zerreden könnten. Im Gegensatz zu der 1-A-Melodie nervt zwar der gutmenschelnde Text, trotzdem bleibt der Song in der übrigen Herz-Schmerz-Soße eine Wohltat.

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Video Web Russland | Polina Gagarina | A Million Voices

RUS

Nein, nein, nein… der eurovisionaer wird niemals wegen oder gegen Russland buhen. Trotz einer weiteren platten Friedensbotschaft ausgerechnet aus Putins Reich! Polina ist zwar geringfügig unaufdringlicher als die ehemalige Lichtgestalt Dina Gasperova – und doch: Gehört so ein Love & Peace-Unsinn noch zum modernen Grand Prix? Nein, behauptet der eurovisionaer mal ganz dreist, denn Europa weiß sich mittlerweile viel abgeklärter zu entscheiden als vielleicht noch 1982. Damals reichten die Nicolsche Rauschemähne und große Kulleraugen für einen furiosen Sieg. Schade um die sicherlich gute Künstlerin Gagarina.

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Video Web San Marino | Anita Simoncini & Michele Perniola | Chain of Lights

SNM

Ralph Siegel hat sich für sein aus Versatzstücken montiertes Machwerk ausgerechnet die Junior-ESC-erprobten Teilnehmer Michele Perniola & Anita Simoncini ins Studio geholt. Logisch: Die sind noch formbar und sich für nichts zu schade. Trotz der Abwesenheit der unermüdlichen Valentina Monetta wurde der Dauerauftrag des Münchners 2015 also leider nicht storniert. Das mag zwar billig für San Marino sein, eurovisionäre Lorbeeren wird der südeuropäische Zwergenstaat mit diesem System jedoch niemals einheimsen. Ach Pfui! – solche Machwerke sollten vom obersten ESC-Gerichtshof verboten werden.

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Video Web Schweden | Måns Zelmerlöw | Heroes

SWE

Endlich hat er es geschafft! Der fesche Måns – 2007 und 2009 noch in der schwedischen Heimat kläglich gescheitert – darf in diesem Jahr die heiligen blau-gelben Farben verteidigen und hat zur Unterstützung einen guten, aber keinesfalls genialen Song im Gepäck. Wären da nicht die schwache nationale Konkurrenz und die putzigen Comicfiguren gewesen, wer weiß, ob nicht auch dieser Versuch in die (Leder-)Hose gegangen wäre. Und gäbe es in Wien nicht den smarten Mørland aus Norwegen, dann hätte sich der knackige Schwede zumindest der Sockenpunkthöchstwertung sicher sein können – doch auch damit wird’s nix. Ein böses Omen?

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Video Web Schweiz | Mélanie René | Time to shine

CH

Die Schweizer haben alle Chancen schon im Vorfeld ihrer angeblichen Endausscheidung gehörig verbockt, denn sie wählten im Rahmen einer offenen Internetabstimmung nur die Kandidaten ins Finale, die mehr oder weniger antiseptisch selbst den blassesten Hauch von aktuellem Musikgeschehen in ihren Beiträgen vermissen ließen. Übrig blieb die brave Kusine von Fräulein Langweilig, Mélanie René, die zwar das lokale Rennen mit einem recht uninspirierten Etwas für sich entschied, aber in Wien gehörig aufpassen muss, nicht vollends unter die Räder zu kommen, denn der Song reicht höchstens für ne B-Seite. Und dabei würde der eurovisionaer so gerne etwas Positives über die Eidgenossen schreiben. Nächstes Jahr halt.

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Video Web Serbien | Bojana Stamenov | Beauty never lies

SRB

Der Molitva-Komponist Vladimir Graic sollte es dieses Jahr richten – in einer Dreier-Vorentscheidung, die wenig Spannung aufkommen ließ. Wie überall gewinnt unter solchen Vorzeichen letztlich der schrillste Act, so auch in Serbien. Bojana wird in Wien daher schon allein ob ihrer Leibesfülle auffallen, zudem sollten ihr mit einer Textzeile wie „I am different and it’s ok“ die Herzen der queeren Community nur so zufliegen. Da jedoch das musikalische Sammelsurium diesen Aufmerksamkeitsvorschuss ganz und gar nicht auffangen kann, stehen die Chancen auf einen Wiener Finalplatz dann doch eher schlecht.

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Video Web Slowenien | Maraaya | Here for you

SLO

Schaffen die Slowenen 2015 einen neuen Rekord für die Ewigkeit? Besser als Rang sieben müssen sie abschneiden, denn höher landeten sie beim ESC – trotz der wunderbaren Frau Derenda – in ihrer über zwanzigjährigen Song-Contest-Geschichte noch nie. Der eurovisionaer ist guter Dinge, liebt er doch die ausgeklügelte Komposition des bereits im Vorjahr mit “Spet” qualifizierten Songschreibers Raay, das Sechziger-Feeling der eigentlich unschlagbaren Melodie und natürlich die unvergleichliche Stimme der Sängerin Marjetka. Leider gingen in der Vergangenheit auch schon andere Bewerber mit ähnlich guten Prognosen letzten Endes baden. Doch – nein, nein, nein – alles Aberglaube, Slowenien spielt 2015 endlich um den Sieg mit! Basta!

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Video Web Spanien | Edurne | Amanecer

ESP

Im Grunde genommen sind die Spanier zu beneiden. Zwischendurch quengeln die Fans zwar ob der Songauswahl, stehen aber, wenn es darauf ankommt, wie eine Wand hinter ihrem nationalen Beitrag. So auch in diesem Jahr. Gleichwohl, die iberischen Euphoristen, die im vergangenen Jahr ausschließlich von the Rain, the Rain, the Rain fantasierten, gehen das Projekt ESC 2015 ein wenig verhaltener an. Liegt es daran, dass die auserwählte Edurne zwar video-photogeshopt und geplaybackt wird, aber noch niemals in echt, d.h. mit Livegesang überzeugen konnte?

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Video Web Tschechien | Marta Jandová & Václav Noid Bárta | Hope Never Dies

cze

Hope never dies! Welch ein grandioser Titel, wenn das Land, das diesen Beitrag entsendet, in seiner ESC-Geschichte noch niemals über die vorletzte Semifinalplatzierung hinaus gekommen ist! 2015 wird nun alles anders – denn das tschechische Liedgut für Wien ist glücklicherweise keine dunkle Metal-Ballade – wie ursprünglich angekündigt – , sondern ein kraftvoller Zwiegesang, der selbst außerhalb der eurovisonären Blase Lorbeeren sammeln könnte.

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Video Web Ungarn | Boggie | Wars for nothing

HUN

Wir schreiben 2015, gehen in Gedanken aber erneut weit ins Jahr 1982 zurück, als Friedenshymnen und jedweder Protest gegen Kriege ihre eurovisionäre Hochzeit erlebten. Wie bei Nicole lebt das Muster des einfachen Mädchens nun erneut auf, das gar nicht anders kann, als mutig für drei Minuten seine zarte Stimme gegen die böse Welt zu erheben. Und genauso hinterhältig wie die Saarländerin damals agiert auch die diesjährige Vertreterin Ungarns, Boggie. Eine ausgeklügelte Choreographie und dazu das kreuzbrave unschuldige Girlie mit traurigem Augenaufschlag. Bäh, das hängt uns von damals noch zum Hals raus und wir brauchen es in seiner ganzen Verlogenheit auch heute nicht ein zweites Mal. Schon gar nicht aus Ungarn!

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Video Web Ver. Königreich | Electro Velvet | Still in Love with you

UK

Monatelang hielt die BBC ihre Fans im Ungewissen darüber, welchen Coup sie sich für die 15-er Edition des Song Contests ausgedacht hatte. Was sie dann am 7. März – nicht auf einem Digitalkanal, sondern versteckt in dessen “Red-Button”-Zusatzdiensten – veröffentlichte, ließ vielen dann aber den Mund minutenlang offen stehen. Ein synthetisches Duo mit Erstlingssong, sollte nunmehr die britischen Fahnen in Wien vertreten. Den deutschen Fans kommen da Erinnerungen an das 2009 aus dem Hut gezauberte Twinset ALexSwings-OscarSings hoch, das bis heute als absoluter Tiefpunkt der germanischen Song-Contest-Historie eingestuft wird. Sollte also das UK-Äquivalent ohne Bigband und zwölfunddreißig Tänzer diesseits der Top-20, gar in den Top-10 landen – der ESC 2015 hätte seine Sensation.

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Video Web Weißrussland | Uzari & Maimuna | Time

blr

 

Hach, wie crazy, ne Geige bei der Eurovision! Hier kommt des eurovisionaers definitives Hasslied 2015: Thunder-ah-ha-ha-ha! Einmal gehört, hat es sich auf ewig in deinem Gehörgang festgesetzt. Und ist dabei aber so unsagbar schlecht, dass jeder einzelne Buchstabe, der es an dieser Stelle näher beschreiben sollte, pure Vergeudung ist. Und daher schweigt der Blogger.

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Video Web Zypern | Giannis Karayiannis | One Thing I should have done

cyp

In einem elendig langen Vorsingen à la DSDS setzte sich der Clark Kent der Afterwork-Karoke, Giannis Karayiannis, Ende Januar mit seinem unaufdringlichen Kuschelsong in Nikosia durch. Musikalisch erinnert der Titel stark an “Stronger every Minute”, mit dem Lisa Andreas seinerzeit beim Song Contest 2004 überraschte. Da dessen Komponist wohl von den spärlichen Tantiemen nicht mehr leben konnte, versucht er es in diesem Jahr einfach noch einmal. Ob jedoch die fast identische Erfolgsrezeptur erneut funktioniert und der brave Giannis aus einem Wiener Balladenmeer heraussticht, bleibt abzuwarten.

Blogartikel 2015

 

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Der eurovisionaer schmeißt nix weg - den verstaubten alten Kram gibt's hier...